Light Art Performance Photography

Der Begriff der Light Art Performance Photography leitet sich aus der Herangehensweise ab. Er beschreibt das Fotografieren von Lichtkunst, die in einer Performance organisiert ist. Die Lichtkunst- Aufführungsfotografie, so die wortgenaue Übersetzung von LAPP, ist eine Symbiose aus Fotografie und Lichtkunst.

Durch Langzeitbelichtungen entstehen gestalterische Freiräume, die es ermöglichen, eine umfangreiche Geschichte in nur einer Fotografie erzählen und zeigen zu können. Der organisierte Ablauf in einer Performance ermöglicht strukturiert und mit einem festen Ablauf arbeiten zu können. Viele der Fotografien bestehen aus 30 und mehr Einzelschritten, die in einer Gesamtperformance zusammengefasst sind. Wie in einem choreographierten Tanz müssen die richtigen Schritte in einer festen Abfolge ausgeführt werden. Ein Nebeneffekt dieser organisierten Vorgehensweise ist deren Wiederholbarkeit. Jan Leonardo Wöllert: „Licht ist das kreative Gestaltungsmittel im 21. Jahrhundert. Durch innovative Entwicklungen ergeben sich neue Gestaltungsräume und Optionen. Licht wird nicht mehr länger als flache Ausleuchtung gesehen, sondern ermöglicht Architekten, Künstlern, Designern und Fotografen räumliche Visionen. Besonders fokussiert gelenktes und steuerbares Licht bietet große Freiräume, mehrdimensional zu arbeiten und fantasievolle Kreationen zu realisieren“, so Wöllert, der aus der klassischen Fotografie kommt und unter anderem bei dem Fotografen Stephan Meyer-Bergfeld in Oldenburg die analoge Großformat-Landschaftsfotografie lernte. Angetrieben durch die Leidenschaft für Licht und Dunkelheit fotografierte er die ersten Jahre ausschließlich nachts. So entstanden beispielsweise mit tragbaren und stromunabhängigen Handlampen neuartige Fotografien durch Kunstlicht-Akzentuierung.

Der Fotograf und Video-Filmer Jörg Miedza arbeitet bereits seit Mitte der 80er Jahre experimentell mit den Medien Foto, Film und Licht als Gestaltungsmittel. Mit dem Einzug der digitalen Medien, Anfang der 90er Jahre fand das kreative Ideenpotential ein Ventil. Miedza produzierte beispielsweise innovative Kurzfilme aus der Fußperspektive und Stop-Motion Filme von Bewegungsabläufen. Im September 2007 gründeten die beiden Fotografen das Projekt LAPP-PRO. Innerhalb kürzester Zeit verliehen sie der internationalen Lichtkunstszene neue kreative Impulse. Ihre fotografischen Arbeiten finden weltweit Interesse und Anerkennung. Im Jahr 2008 gewannen sie mit einem LAPP-Foto den Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie. Mit dem gemeinsamen Lichtkunstprojekt LAPP-PRO und der Website www.lapp-pro.de verfügen die beiden Kreativen über ein weltweites Kommunikationsmedium für ihre außergewöhnlichen Arbeiten. Vor wenigen Wochen stellten sie auf der photokina ihr neues Buch* „Faszination Lichtmalerei – Die Kunst der Light Art Performance Photography“ vor. LAPP Fotografie basiert immer auf Langzeitbelichtungen von 30 Sekunden bis zu mehreren Stunden. Jörg Miedza: „Die Kamerawahl ist in vielen Fällen eine Frage der eigenen Philosophie. Wir haben festgestellt, dass die Canon 5D MKII mit ihrem Vollformatsensor die beste Kamera für die Nachtfotografie und Light Art Performance Photography ist“, so der Fotograf. Jan Leonardo Wöllert: „Licht ist extrem vielseitig. Es ist in unseren Augen streichfähig, dickflüssig, intensiv oder sogar laut. Wenn wir es wollen kann es eine Frequenz annehmen, pulsieren oder harmonisch aussehen. Mit der richtigen Technik ist es möglich, die Farbe zu wechseln und zu mischen oder Farbstrukturen in das Licht zu programmieren – wie ein Maler, der Farbe auf einer Palette mischt, um ein lärmendes Rot oder ein harmonisches Türkis zu erhalten. Licht ist auch Farbe, was man unschwer erkennt, wenn das Sonnenlicht durch ein Prisma aufgeschlüsselt wird. Mit ihrer ganzen Pracht kommen dann die Regenbogenfarben hervor: Gelb, Orange, Rot, Grün, Blau und Violett.“ In den meisten Fällen ist das von den beiden Fotografen favorisierte digitale und farbige LED-Licht auch eine Mischung. Die additive Farbmischung von Rot, Grün und Blau (RGB) erzeugt je nach Anteil eine bestimmte Farbe bis hin zu Weiß. Die Zusammensetzung ist deutlich zu erkennen. Ein Leuchtstab, der mit einer Schüttelbewegung schnell hin und her bewegt wird, verrät in der Lichtfrequenz seine einzelnen Farben. Dieses Wissen um Frequenzen, Farbenzusammensetzung und -mischung nutzen beide, um besondere Effekte zu erzielen. Jörg Miedza: „Ein Maler muss sich überlegen, welche Farben er auf seine Leinwand aufbringen will. Er behandelt diese, mischt sie mit Sand oder Flüssigkeiten, um eine besondere Konsistenz zu erhalten. Mit einer entsprechenden Technik und Erfahrung verarbeitet er seine Vorstellung zum fertigen Bild.“ Sehr ähnliche Vorgänge und Vorbereitungen werden auch bei dem Arbeiten mit Licht getroffen. Wie beim Grundieren einer Leinwand wird in einer Location das Grundlicht eingebracht, um eine besondere Stimmung zu erzeugen. Von dunkel-geheimnisvoll und geisterhaft bis hin zu laut-grell-gefährlich machen die Menge, Farbe und Verteilung des Lichtes die Stimmung aus. Dabei sind farbige Lampen ebenso geeignet wie Leuchtmittel, die sich in der Lichttemperatur unterscheiden (Warm-und Kaltlicht). Bei der eigentlichen Lichtkunst-Aufführung benötigt der Performer neben räumlicher Vorstellungskraft und Kreativität vor allem Körperbeherrschung. Erst die präzisen Schrittfolgen mit synchronisierter und choreographierter Lichtführung ermöglichen das Gestalten von Form und Licht im Raum. „Ein Maler betrachtet die Landschaft oder das Modell. Oder er hat ein Bild vor seinem geistigen Auge“, so Jan Leonardo Wöllert. „Uns helfen bei der Gestaltung Skizzen aus unseren Ideenbüchern. Diese ermöglichen einen regiehaften Ablauf und die Rekonstruktion bei Fehlern.“ Die Helligkeit einer Licht-Performance kann auf unterschiedliche Weise gesteuert werden. Einerseits kann das Leuchtmittel heller oder dunkler gedimmt werden, wenn die Lampe eine entsprechende Möglichkeit zur Einstellung besitzt. Andererseits kann die Performance in der Reihenfolge umgestellt werden. Durch die schrittweise organisierte Lichtkunst-Aufführung kann jeder Schritt an einer anderen Position des Ablaufs ausgeführt werden. „Aber nicht jede Umpositionierung ist sinnvoll oder führt zum gewünschten Ergebnis“, so Jan Leonardo Wöllert. „So macht es zum Beispiel Sinn, die Hintergrundausleuchtung oder Bodenillumination am Anfang der Belichtungszeit zu positionieren. Das eingebrachte Licht nimmt danach ab und die Szenerie belichtet nach. Ausleuchtung und Hintergrund verschmelzen und werden zu einem harmonischen Ganzen. Soll ein Lichtball hart und wie ein Fremdkörper wirken, wird er am Ende der Performance gezeichnet. Das abgestrahlte Licht der Performance-Lampe erzeugt harte Schatten und scharfkantige Linien. Ist hingegen erst die Hälfte der Aufführungszeit abgelaufen, schwächt der durchleuchtende Hintergrund die Schatten ein wenig ab. Die Linien werden weicher und die Lichtskulptur fügt sich harmonisch ein den Hintergrund ein.“

Lichtwerkzeuge

Oft genügen sehr einfache Lichtquellen, um beeindruckende Effekte zu erzielen. Manchmal muss aber auch großes Gerät aufgefahren werden. Das Equipment richtet sich nach der Location. „Wir bringen fast alles an Lichtwerkzeugen mit mehreren Fahrzeugen in Koffern und Handwagen direkt mit ans Set“, so Jörg Miedza. „Nichts ist ärgerlicher, als im entscheidenden Moment nicht die passende Lampe zur Hand zu haben. Zu Anfang genügt es aber, seinen Hausstand aufmerksam nach allen erdenklichen Lichtquellen zu durchsuchen. So wird der geneigte „Luminator“ vieles finden, was sehr geeignet ist und nur darauf wartet, auf den Sensor gezeichnet zu werden. Von Taschenlampen über Gaslaternen, von Wunderkerzen bis hin zu Fackeln. State-of-the-Art sind Taschenlampen wie die von LED LENSER. Was heute in einer einzigen kleinen Taschenlampe an Lumen steckt, hätte noch vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten. Aus einer einzigen X21 lässt sich stundenlang Licht für die Ausleuchtung eines halben Urwalds entlocken. Vor zehn Jahren musste man riesige Akkupacks mitschleppen, um Licht von nur wenigen Minuten Dauer erzeugen zu können. Alles war schwer, schlecht zu transportieren und vor allen Dingen war es teuer“, erinnert sich Miedza. „Unabdingbar bei der Auswahl unserer Lichter sind jedoch immer noch die transportablen Leuchten mit fokussierbaren Linsen. Es gibt mittlerweile Leuchten in fast jeder Form und Farbe in taschentauglichem Format. Viele unserer absoluten Lieblingswerkzeuge verfügen über außergewöhnliche Funktionen: warmes LEDLicht, farbiges LED-Licht, ultraviolettes LED-Licht oder sind dimmbar, mit Strobe-Effekt und programmierten Sonderfunktionen ausgestattet.“ Doch all diese technischen Funktionen werden ihre Wirkung nie entfalten können, wenn die Lichter nicht kunstvoll und ideenreich in der Fantasie des Künstlers und anschließend vor einer Kamera bewegt werden.

Bildaussage

LAPP enthält durchaus Elemente, die per Zufall entdeckt und weiterentwickelt wurden. LAPP ist aber kein Zufallsprodukt. Die zentrale Frage vor Beginn einer Fotosession ist: Was soll dem Betrachter vermittelt werden? Etwas Realistisches, etwas Unrealistisches, etwas Fremdes, etwas Vertrautes, dezent, aufdringlich, technisch-kühl oder harmonisch-warm? Der LAPP-Fotograf muss in der Lage sein, aus der Location die möglichen Wirkformen abzuleiten und so das optimale Ergebnis herausarbeiten zu können. Alles beginnt mit der Idee. „Viele Ideen warten noch darauf, ausbelichtet zu werden“ so Wöllert. „Unsere Ideenbücher enthalten bereits viele Projekte, die sich in Vorbereitung befinden. Aber selbst wenn es nur um scheinbar einfach zu zeichnende Formen geht, die in die Bilder eingebracht werden sollen, ist das Wissen um die technischen Eigenschaften der eigenen Lichtwerkzeuge enorm wichtig. Viele Lichtergebnisse entstammen dem spezifischen Verhalten der Lichtquellen.“ Sein Tipp: „Jeder Lichtkünstler sollte seine Lichtwerkzeuge vor der Kamera ausreichend ausprobieren und den Umgang mit ihnen trainieren, bevor er sie im Ernstfall einsetzt. In separaten Sessions treffen wir uns, um Performances einzustudieren und neue Werkzeuge auszuprobieren. Wir haben einige Lampen schon sehr lange im Einsatz, denen wir immer wieder neue Lichtformen und Funktionen entlocken. Es ist erstaunlich, wie groß der Einsatzbereich von einzelnen Lampen sein kann. Allein der Effekt einer Lampe, die nicht gedimmt werden kann, oder der Einsatz von älteren Batterien, die aufgrund ihrer geringen Ladung sich wie Dimmer auswirken, erweitern das Spektrum der Möglichkeiten enorm.“ In der Zukunft wollen die beiden LAPPofgrafen in Richtung Bewegtbild gehen: „Das können Stop-Motion-Filme, aber auch echte Videofilme sein“ so Miedza. „Da ein LAPP-Foto einen ganzen Prozess in einem Bild zeigt, erfordert Film natürlich einen ganz anderen Ansatz. Video kann durchaus ein Thema werden, doch sollte man es nicht zu hoch bewerten Vielleicht machen wir auch in fünf Jahren immer noch Fotos.“

Faszination Lichtmalerei

Die Kunst der Light Art Performance Photography von: JanLeonardo Wöllert, Jörg Miedza, dpunkt. verlag, Heidelberg (2010), ISBN 978-3-89864-669-7, 39,90 Euro, www.dpunkt.de


ProfiFoto Ausgabe 5/14

  • Im Test: Nikon D4S
  • Apps als Aufnahmehelfer
  • Spezial: 100 Jahre Leica Fotografie
  • Best of … Autofotografie
  • HIPA Award – Creating the Future
  • Stephan Vanfleteren – Facades & Vitrines
  • Mario Wezel: One in eight hundred - Canon Profifoto Förderpreis
  • u.v.m.

» E-Reader
» Artikel der aktuellen Ausgabe
» Inhaltsverzeichnis (pdf)

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Facebook

CPFP iPhone App

Die Gewinnerarbeiten des Canon Profifoto Förderpreises zum virtuellen Durchblättern auf dem iPhone. Jetzt kostenlos bei iTunes verfügbar!