Die guten Vorsätze
Selbstmanagement für Fotografen

Kennen Sie das? Es ist kurz vor zwölf, Sie stehen mit einem Glas Champagner im Vorgarten und betrachten den Sternenhimmel. Eine melancholische Stimmung macht sich breit und Sie lassen das vergangene Jahr im Geiste an sich vorbei ziehen. Das, was gut war und das, was besser laufen könnte.

Natürlich fallen Ihnen dabei eher Situationen ein, die besser laufen könnten. So ist unser Geist eben, das was gut geklappt hat, wird eher übersehen, weil es selbstverständlich ist. Und daher kreisen unsere Gedanken oftmals um die Dinge, die nicht geklappt haben oder fehlen. Das nennt man Problemfokussierung und darin sind viele Menschen richtige Profis – nicht nur Fotografen.
Ebenso ist es zum Jahreswechsel für viele Menschen zur Gewohnheit geworden, gute Vorsätze zu fassen, die sie im kommenden Jahr endlich realisieren wollen. Und ich meine hier nicht, sich das Rauchen oder andere schlechte Angewohnheiten abzugewöhnen. Nein, es sind auch berufliche Wünsche, die jedes Jahr wieder auf der virtuellen Vorsatzliste landen und wie ein Stoßgebet gen Himmel geschickt werden. Wünschen kostet ja nichts, mal gucken, ob es klappt. Dabei ist die Liste dieser guten Vorsätze oft länger als mein Wochenendeinkaufszettel.
Nur, dass wir uns richtig verstehen, ich habe überhaupt nichts gegen gute Vorsätze, ich finde es sogar sehr ehrenhaft, dass man sich vornimmt, etwas in seinem Leben zu verändern. Aber können Sie mir sagen, warum das, statistisch gesehen, in den meisten Fällen nicht gelingt oder nur von kurzer Dauer ist? Ich würde sagen, falsche Technik, zuwenig Langmut und Disziplin in der Umsetzung.
Besonders Fotografen haben aus meiner Erfahrung viele Wünsche in Bezug auf eine erfolgreichere Performance. Mehr Kunden, mehr Umsatz oder endlich die „richtigen“ Kunden. Von nix kommt nix, kann ich da nur sagen. Wie viele gute Profifotografen gibt es in Deutschland? Wir befinden uns hier in einem Dienstleistungsdschungel an fotografischem Angebot. Wer sich darin nicht sichtbar macht, der wird eben übersehen.
Selbstmanagement bedeutet nicht nur, Wünsche zu formulieren oder gute Vorsätze kurz vor zwölf in die Umlaufbahn zu schicken. Es bedeutet vielmehr, aus Wünschen Ziele zu machen, die realisierbar und umsetzbar sind. Kleine oder große Ziele, die einen Unternehmer (ja, das sind Sie), durch das Jahr leiten und eine Handlungsgrundlage für Aktionen und Entscheidungen bilden. Selbstmanagement bedeutet auch Zeitmanagement, die Planung von Zeiten und Aufgaben. Dazu zählt sowohl Zeit für die Kundenansprache oder das Netzwerken als auch Zeit für kreative oder stilistische Weiterentwicklung einzuplanen. Zeit für das Tagesgeschäft und auch Zeit für Erholung. Viele Fotografen wurschteln so durch ihren Tag, erledigen ihre Jobs und sind froh, wenn der Tag geschafft ist. Dabei wirken sie gestresst und verbreiten Hektik. Das, was sie tun, nennt man wegarbeiten oder reagieren – da ist kein Raum für Weiterentwicklung oder Planung. Die Aufgabe wäre vielmehr, vom Reagieren zum Agieren zu kommen. Zunehmend selbstbestimmt zu planen und zu steuern macht einen qualitativen Unterschied im Tagesgeschäft aus und beugt zudem einem Burn-out vor.
Eine kleine Geschichte für die Feiertage habe ich noch zu diesem Thema: Ich habe dieses Jahr einen Fotografen kennengelernt, der sehr erfolgreich im Geschäft ist und schon seit einigen Jahren auf gleich hohem Niveau mit guten Kunden aus der Werbung arbeitet. Vor unserem Gespräch hatte ich ihn gegoogelt, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Ich habe keine Website gefunden und keinen einzigen anderen Fußabdruck im Web von ihm. Es stellte sich dann heraus, dass er auch keine Mappe besaß, weder als Print- noch als Online-Präsentation. Er hat keine Repräsentanz und war auch sonst nirgendwo aufzufinden. Trotzdem wird er von Kunden und Agenturen seit Jahren immer wieder mit Aufträgen eingedeckt, nach denen man sich als Fotograf die Finger schleckt. Ich war entsetzt und dachte mir, wie kann das funktionieren? Dann dachte ich, wie clever: Eine Leistung, die hochwertig und nicht für jedermann sichtbar ist, will man unbedingt haben oder auch weiter empfehlen. Eine neue Marketingstrategie als Fotograf? Im persönlichen Gespräch dann einige Tage später, war ich angenehm überrascht, neben einer ruhigen und professionellen Ausstrahlung wirkte der Fotograf überzeugend und gut organisiert – mehr kann ich hier natürlich nicht verraten.
Das ist sicher eine Ausnahme, wie man sich als Fotograf „sichtbar“ macht und ich möchte diese Geschichte nicht zum Nachmachen empfehlen. Wie auch immer Sie Ihre Wünsche für 2012 formulieren, wichtig ist, dass Sie Ziele haben, die Sie verfolgen. Und auch Dinge, die Sie wertschätzen, weil sie gut gelaufen sind.
Und wie starten Sie beruflich in das neue Jahr?

Silke Güldner berät Fotografen und Kreative bei der richtigen Positionierung und Präsentation.

www.silkegueldner.de

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