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Stefan Czech ist Multi Media Designer, Kameramann und Steadycam-Operator. Ende 2008 hat er erstmals ein Musikvideo mit der EOS 5D Mark II gedreht. Im ProfiFoto Interview spricht er über seine Erfahrungen und verrät Tipps und Tricks für professionelle Filmaufnahmen mit DSLRs.
Profifoto: Stefan Czech, sind Sie durch den Einsatz der EOS 5D Mark II vom Kameramann zum Fotografen geworden?
Stefan Czech: Nein, ich bin immer noch Filmer, ich benutze nur anderes Werkzeug. Dank der EOS 5D Mark II habe ich aber ganz nebenbei meine Liebe zur Fotografie entdeckt.
Profifoto: Ist die Filmfunktion der EOS nicht einfach nur ein Nebeneffekt der Live View Funktion, und eigentlich nur ein Gadget?
Stefan Czech: Weit gefehlt! Die EOS ist ein wunderbares Werkzeug, nach dem wir Filmleute ganz verrückt sind. Die komplette Filmbranche ist wegen der EOS derzeit im Aufruhr, weil durch sie drei Welten zusammen kommen, nämlich die Fotografie, die Videografie und das Filmen. Durch die aktuellen Firmware Updates kann man die Kamera jetzt komplett manuell steuern, also Blende, Zeit und Lichtempfindlichkeit im Filmmodus selbst bestimmen, was ein ganz entscheidender Vorteil ist. Auch wenn bereits vorher die generierten Bilder fantastisch waren, brachte die ursprünglich nur mögliche Automatik eine gravierende Einschränkung. Das der Autofokus im Filmmodus nicht arbeitet, ist hingegen völlig in Ordnung, weil ich nur im manuellen Modus bestimmen kann, wann ich wo die Schärfe haben will. Fakt ist: Bereits Ende 2008 wurde die Frage diskutiert, ob die EOS normale Camcorder verdrängen würde.
Profifoto: Wieso das denn bitte?
Stefan Czech: Als Filmemacher sind wir an Produktrevolutionen gewohnt. Hersteller versprechen derartiges mehrmals im Jahr, und längst nicht alles, was versprochen wird, wird auch gehalten. Im Falle von Canon lief die Sache ein wenig anders, denn als Canon die Videofunktion eingeführt hat, hat der Hersteller gar nicht geahnt, was er damit anrichtete. Filmemacher haben dagegen sofort entdeckt, welch ein revolutionäres Tool Canon damit gebracht hat. Videos können jetzt mit der gleichen Schärfe und Bildsästhetik erstellt werden wie Fotos. Filme, die mit der EOS entstanden sind, haben nichts mehr mit Videoästhetik gemein. In der kurzen Zeit, in der die Canon EOS 5D Mark II verfügbar ist, sind mit ihr bereits viele, hervorragende Filme entstanden, die kommerziell genutzt werden, ohne dass der Betrachter ahnt, welche Technik dahinter steckt. Die EOS hat den Markt total verändert.
Profifoto: Können Sie das begründen?
Stefan Czech: Die Canon EOS 5D Mark II bietet Filmern Möglichkeiten, von denen wir bislang nur geträumt haben. Jeder, der mal mit einer 35 mm Filmkamera gearbeitet hat weiß, was für Möglichkeiten zur Bildgestaltung und welche Bildästhetik das große Format bietet. Diese Möglichkeiten habe ich jetzt mit einer kleinen Spiegelreflexkamera. Keine professionelle Videokamera bietet mir den typischen 35 mm Filmlook, der mit einer EOS 5D Mark II machbar ist. Ich benutze die EOS als Bildmaschine. Natürlich gibt es Jobs, bei denen ich auch weiterhin meine Full HD Videokamera einsetzten werde, zum Beispiel bei Interviews, bei denen ich unkompliziert aufnehmen und gleich mit Ton abmischen will. Möchte ich aber szenisch arbeiten oder auch als Filmer unerkannt bleiben, dann ist die EOS der Geheimtipp.
Profifoto: Aber was macht diesen Unterschied aus?
Stefan Czech: Entscheidend ist die Größe des Sensors, die bei der EOS größer als bei einer 35 mm Filmkamera ist. Im Vergleich dazu sind Sensoren professioneller Videokameras klein. Selbst die Red One, mit der zur Zeit hochprofessionelle Filmproduktionen erstellt werden, hat ein deutlich kleineres Aufnahmeformat. 35mm ist nicht umsonst der heilige Gral der Filmemacher. Es gibt nach meiner Erfahrung außerdem keine Videokamera, die ein der EOS 5D Mark II vergleichbares Bokeh erzeugt und ein solches Spiel mit der Schärfentiefe ermöglicht. Leute aus der Filmbranche sind einfach fasziniert von der Möglichkeit, mit der EOS in Full HD Auflösung Aufnahmen mit einem Vollformatsensor machen zu können. Dank lichtstarker Objektive und der hohen Lichtempfindlichkeit des EOS Sensors sind außerdem viel leichter Aufnahmen bei vorhandenem Licht realisierbar. Normal ist für Filmaufnahmen, allein für die Anmietung des Filmlichts zehn bis zwanzigtausend Euro auszugeben. Dank der EOS komme ich heute mit viel weniger aus.
Profifoto: Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Film?
Stefan Czech: Wichtig ist, eine Geschichte aufzubauen, also nicht nur schöne Bilder aneinander zu reihen. Typisch für Filme von Fotografen ist, dass sie wunderschön komponierte Bilder einfangen, aber häufig versäumen, diese Bilder sinnvoll aufeinander abzustimmen. Das macht den Unterschied zwischen Filmemachen und Fotografieren. Einstellung A muss bei einem Film zu Einstellung B passen, und Einstellung C muss diese dann wieder ergänzen und auflösen.

Profifoto: Und wie erreicht man das?
Stefan Czech: Wichtig ist dazu der Filmschnitt. Nicht umsonst lautet die Bezeichnung für den, der einen Film schneidet, im englischen „Editor“. Der Film entsteht im Schnitt. Moderne Rechner bieten die notwendige Leistung, das selber zu machen. Ideal ist aber sicher die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Filmeditor. Wie bei der Auswahl von Bildern eines umfangreichen Shootings kommt es zunächst darauf an, die entscheidenden Szenen herauszufiltern. Dann bietet der Filmschnitt die Möglichkeit zu bestimmen, wie lange sich der Betrachter ein bestimmtes Motiv anschaut, wie lange es auf ihn einwirkt. Wie Bilder bei einer AV-Show zu Musik und in einem bestimmten Rhythmus gezeigt werden, so arrangiert man beim Schnitt seinen Film und bestimmt seine Wirkung.
Profifoto: Wie reagieren denn Ihre Kunden, wenn Sie am Set mit einer DSLR auftauchen?
Stefan Czech: Eine interessante Frage. Viele, die mich in letzter Zeit wegen der speziellen Bildästhetik der EOS gebucht haben, sind erstaunt, mit was für einer kleinen Kamera ich arbeite. Ich setze diverses Zubehör gezielt auch deshalb ein, um diesem Eindruck entgegen zu wirken. Um Filme zu machen braucht man all das nicht unbedingt. Gerade Dokumentarfilmer schätzen an der Arbeit mit der EOS übrigens, dass man mit ihr unauffällig arbeiten kann und nicht auf den ersten Blick als Filmemacher erkannt wird.
Profifoto: Und welches Zubehör ist unabdingbar, um professionell mit der EOS filmen zu können?
Stefan Czech: Unabdingbar, um die EOS für den Filmeinsatz vorzubereiten, ist ein Stativ. Klar, man kann auch aus der Hand filmen, aber eine stabile Basis für die Kamera ist entscheidend, wenn man professionell Filmen will. Ein Fotostativ ist allerdings nicht wirklich geeignet, besser ist ein Filmstativ mit einem entsprechenden Videokopf, mit dem man auch Schwenks machen kann. Bildstabilisatoren erzeugen übrigens Geräusche, die man beim Film nicht brauchen kann. Besser ist, zumindest ein Einbein- oder Schulterstativ einzusetzen, um Verwacklungen zu vermeiden. Für die EOS 5D Mark II reicht ein vergleichsweise kleines und leichtes Stativ.
Die EOS spielt ihre Stärken als Filmkamera gegenüber Camcordern dort aus, wo die Bildästhetik eine entscheidende Rolle spielt, da sich mit ihr die Schärfe gezielt setzen lässt
Profifoto: Und das ist schon alles?
Stefan Czech: Nicht ganz. Unter Umständen ist eine so genannte Mattbox, also eine Streulichtblende sinnvoll. Außerdem kann ein Filterhalter hilfreich sein: Beim „richtigen“ Film wird mit einer 1/48 Sekunde und Blende 4 bis 8 belichtet. Bei normalem Tageslicht reduziert man das Licht mit Neutraldichte-Filtern. In der Regel benötigt ein Kameramann davon mehrere unterschiedlicher Stärke. Was noch hilfreich ist, ist ein so genannter Follow Focus zur Schärfeeinstellung. Bei professionellen Filmaufnahmen ist die Schärfeeinstellung nicht die Aufgabe des Kameramanns, sondern eines darauf spezialisierten Mitarbeiters. Filmobjektive haben übrigens einen wesentlich längeren Schneckengang als Fotoobjektive. Was ich außerdem gerne einsetze ist eine Lupe, die ich auf das Display der Kamera aufsetze und die mir hilft, die Bildwirkung zu beurteilen.
Bildwinkel im Vergleich: links die Wirkung eines Weitwinkelobjektivs beim Vollformatsensor der Canon EOS 5D Mark II, rechts beim kleineren Sensor der EOS 7D
Kein Camcorder bietet einen vergleichbar großen Sensor wir die Canon EOS 5D Mark II
Profifoto: Was ist Ihr ultimativer Rat an Fotografen, die professionell filmen wollen?
Stefan Czech: Ganz entscheidend: Der Fotograf soll nicht aufhören zu fotografieren, sondern beim Fotografieren filmen. Wichtiger als technisch aufwändige Aufnahmetechniken ist, Liebe zu der Geschichte zu entwickeln, die erzählt werden soll.
Blackside Basketball meets Canon 5D MKII /7D from Stefan Czech on Vimeo.
Explore Palma de Mallorca from Stefan Czech on Vimeo.
Nightwalk in Frankfurt from Stefan Czech on Vimeo.