Das Kölner Forum für Fotografie zeigt noch bis zum 11. März ausgewählte Werkbeispiele aus Peter Bialobrzeskis Architekturfotografie-Trilogie „Habitat“.
Habitat fasst drei Themenkomplexe zusammen: Die 2008 entstandene Serie „Case Study Houses“ (Manila), die 2009 erstellte Studie „Informal Arrangements“ (Johannesburg) und die kürzlich realisierte Arbeit „Nail Houses“ (Shanghai), die im Forum für Fotografie erstmals in Auszügen der Öffentlichkeit präsentiert wird. In „Case Study Houses“ porträtiert Bialobrzeski die ärmlichen Behausungen des unmittelbar am Strand von Baseco, nahe dem Hafen Manilas zwischen zwei Containerterminals entstandenen Shantytown. Trotz der unmittelbar erfahrbaren Ärmlichkeit dieser notdürftig aus Zivilisationsmüll und Strandgut zusammengeschusterten Hütten spricht aus diesen baulichen Improvisationen ein unbezwingbarer Gestaltungswille, der von der Unermüdlichkeit der Menschen zeugt, sich ein Zuhause zu schaffen und sich darin, so gut es eben geht, wohnlich einzurichten. Dabei erlaubt vor allem die stille, neutrale Sichtweise Bialobrzeskis, den Motiven, jenseits sozialkritischer Bemühungen, eine gewisse Würde und Faszination zu entfalten. Die 2009 entstandene Serie „Informal Arrangements“ widmet sich dagegen den Innenräumen der Slumhütten von Kliptown bei Johannesburg, eine Siedlung in unmittelbarer Nähe des für die WM 2010 errichteten Fußballstadions. An diesem Ort beschloss 1955 der „Volkskongress“ die Freiheitscharta („Freedom Charter“), die Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte forderte. Schließlich zeigt Bialobrzeski in seiner neuesten Serie „Nail Houses“ Aufnahmen von baufälligen Häusern in China, die zum Abriss freigegeben sind. Die scheinbaren Ruinen, schaut man sie nach Einbruch der Dunkelheit an, weisen durch ein Licht im Fenster oder einen Lichtreflex unter der Tür darauf hin, dass sie noch bewohnt sind. Als „Nail Houses“ bezeichnet man in China Häuser, deren Bewohner bis zum letztmöglichen Zeitpunkt den Abriss ihres Heims zu verhindern suchen. Die Hoffnung der Bewohner dieser „Trutzburgen“, den Abriss irgendwie zu verhindern, erscheint hoffnungslos. Hier gerät neben dem tragischen Einzelschicksal auch der Gesamtkontext Chinas radikaler städtebaulicher Umwälzungen ins Blickfeld mit dem damit einhergehenden Verlust historisch gewachsener Bausubstanz und Urbanität. Peter Bioalobrzeski wurde 1961 in Wolfsburg geboren. Nach einem Studium der Soziologie und Politik in Braunschweig studierte er an der Folkwangschule Essen Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie sowie am London College of Printing. Seit 1994 ist er Mitglied von „laif“, seit 1997 Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie. Neben journalistischen Arbeiten verwirklichte er mehrere eigene Projekte. International bekannt wurde er durch die Ausstellung und das Fotobuch „Neon Tigers“; für dieses Projekt erhielt er 2003 den World Press Photo Award in der Rubrik „Kunst“. Bioalobrzeski arbeitet für GEO, New York Times, Stern, Spiegel, Merian, für Agenturen und Unternehmen. Seit 2002 ist er Professor für Fotografie an der Hochschule für Künste in Bremen. Peter Bioalobrzeski lebt in Hamburg.
Foto: !Nail Houses? © Peter Bialobrzeski
Link: www.forum-fotografie.info
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