Im achten Jahr von "gute aussichten" wählten acht Juroren sieben Preisträger und ihre Arbeiten aus. 95 Einreichungen aus 36 Hochschulen, Akademien und anderen Institutionen gingen zum aktuellen Wettbewerb ein. Als Heft im Heft präsentiert ProfiFoto in der Ausgabe 12 (ab 23.11. am Kiosk) die Siegerarbeiten von "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2011/2012".
Wie immer gibt es bei "gute aussichten" kein Siegertreppchen, kein Preisgeld, keine Rangliste, sondern einfach nur Gewinner. Sebastian Lang (HBK Braunschweig) beleuchtet in seiner seriell angelegten Arbeit „Behaviour Scan“ in dem von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) als bundesdeutsche Norm eingestuften Dorf Haßloch in der Pfalz den vermeintlichen deutschen Durchschnitt. Dabei offenbart er verblüffende Details, die den gehegten Wunsch nach dem repräsentativen – und somit berechenbaren – Querschnitt der Gesellschaft ab absurdum und uns in eine fast gespenstische Realität führen.
Sara-Lena Maierhofer (FH Bielefeld) folgt in ihrem Zyklus „Dear Clark“, den Spuren des Hochstaplers Clark Rockefeller in den USA und erzählt in 66 Bildern und einem Objekt die Geschichte seines Lebens, das alles andere, nur nicht durchschnittlich war.
Kurzerhand durchschnitten hat Johannes Post (HfbK Hamburg) in „Inform“, was Menschen so am Leib tragen. Er zeigt 36 Bild-Querschnitte angeordnet in zwei großformatigen Tableaus mit je 18 Abbildungen. Den Luftangriffen durch die Alliierten im Februar 1945 und der Jahrhundertflut vom August 2002 der Stadt Dresden, ist Luise Schröder (HGB Leipzig) in „Arbeit am Mythos“ auf den Grund gegangen. Ganz dem Zufall verschrieben hat sich Miriam Schwedt (Kunstakademie Düsseldorf) in ihrer fünfteiligen, aus 20 Einzelmotiven bestehenden Arbeit ohne Titel. Die Schnittmenge ist dabei nicht nur die Verfremdung der Wirklichkeit, sondern auch jene aus dem speziellen Herstellungsverfahren ihrer Abzüge resultierende Bildpoesie. Um Abschnitte, Zuschnitte und irgendwann den Aufschnitt ganz anderer Art geht es Julia Unkel (FH Dortmund) in ihrer Arbeit „Im Angesicht“. Sie hat Schlachthöfe und Schlachtereien besucht und dokumentiert auf beinahe erschreckend klinisch-saubere Weise in elf Fotografien und einem Buch das blutige Geschäft der Fleischindustrie ohne jeglichen sichtbaren Kommentar. Auf die Suche nach Schnittflächen bzw. Flächenschnitten hat sich Franziska Zacharias (HGB LEIPZIG) in ihrer Serie „le noir familier“ begeben. Mit Hilfe eines selbst gebauten Modells und der Fotografie erschafft sie fünf großformatige Bildräume, die sowohl als Räume wie auch als abstrakte Bilder gelesen werden können.
Summa summarum präsentiert "gute aussichten – junge deutsche fotografie 2011/2012" 166 Motive, vier Bücher, drei Leuchtkästen, ein Video und ein Objekt (Hochstapler-Toast).
Die Deutschland-Premiere und Auftakt-Ausstellung von "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2011/2012" findet noch bis zum 29. Januar 2012 im Museum für Fotografie, Berlin statt. Danach wandert die Ausstellung in das Goethe Institut Washington DC, das Fotoforum West nach Innbsruck und zum Abschluss nach Hamburg in das Haus der Photographie, Deichtorhallen (27. April 2012 bis 3. Juni 2012).
Fotos (von oben nach unten): Sebastian Lang, Behaviour Scan, www.guteaussichten.org, Sara-Lena Maierhofer, Dear Clark, www.guteaussichten.org
Link: www.guteaussichten.org
Diesen Artikel: Drucken Kommentieren Newsletter bestellen


Die Gewinnerarbeiten des Canon Profifoto Förderpreises zum virtuellen Durchblättern auf dem iPhone. Jetzt kostenlos bei iTunes verfügbar!
Neueste Kommentare zum Artikel:
Sieben Preisträger
Aktuelle Diskussionsbeiträge (insgesamt: 0)