Münchner Stadtmuseum

Herlinde Koelbl

22.02.2011

Unter dem Titel "Mein Blick - Eine Werkschau 1976 bis 2010" zeigt das Münchner Stadtmuseum rund 300 Arbeiten von Herlinde Koelbl aus mehr als drei Jahrzehnten.

Herlinde Koelbl begann erst mit 37 Jahren zu fotografieren als ein Freund ihr ein paar Filme schenkte, mit denen sie ihre vier Kinder aufnahm. Schnell erkannte sie ihre Leidenschaft für das Medium und die Möglichkeit, Porträts mit einer ganz besonderen Aussage zu erschaffen. In der Ausstellung finden sich einzelne Themenblöcke, die sämtliche Facetten von Koelbls Werk zeigen. Dabei wird deutlich, dass Herlinde Koelbl ihre Themen konzeptionenell gestaltet und künstlerisch mit ihrem ganz eigenen Blick umsetzt. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die ab 1980 entstandene Fotoserie "Das deutsche Wohnzimmer", in der die Fotografin Menschen aus allen sozialen Schichten porträtiert. Eine Weiterführung des Themas erfolgte 2002 in der Serie "Schlafzimmer". In ihrem 1984 veröffentlichten Buch "Männer" widmet sie sich als eine der ersten Fotografinnen dem Thema Männerakt. Mit "Starke Frauen" zeigt sie nicht das gängige Klischee der schönen schlanken Frau, sondern inszeniert Körperfülle in einer neuen Ästhetik. "Feine Leute" von 1986 malt ein sezierendes Sittengemälde der der High Society. 1989 folgt "Jüdische Porträts" von jüdischen Persönlichkeiten der deutschen Geistesgeschichte in Bildern und Texten. Herlinde Koelbl bezeichnet diese Erfahrungen als Markstein in ihrem persönlichen Leben: "In den Gesichtern habe ich soviele Spuren von einem schwierigen Leben entdeckt, soviel Traurigkeit, aber auch soviel Weisheit und Bescheidenheit." Ende der 1990er Jahre entsteht die Arbeit "Im Schreiben zu Haus - Wie Schriftsteller zu Werke gehen" mit Porträts namhafter Autoren. In "Spuren der Macht" widmet sie sich ab 1991 acht Jahre lang der Frage, wie ein Amt den Menschen psychisch und physisch verändert. Herlinde Koelbls Credo lautet: "Die Freiheit des Denkens, die Freiheit für meine Arbeit war und ist mir ganz entscheidend wichtig. Bei meiner Arbeit selbst dazuzulernen, meinen Horizont zu erweitern und daüber hinaus mit jedem Thema sozusagen ein geistiges Abenteuer zu beginnen - mit offenem Ende."

Foto: Abstrakt, Hunde in der Nacht, Tel Aviv 2005 © Herlinde Koelbl

Link: www.stadtmuseum-online.de

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