Mit den „Crafting Apps“ präsentiert ArtCraft eine Familie kostenloser Open-Source-Anwendungen für Bildbearbeitung, RAW-Entwicklung, Grafik, Layout und Video. Die mithilfe von KI entwickelten Programme orientieren sich an vertrauten Adobe-Arbeitsabläufen. Für Fotografen stehen PhotoCraft und LightCraft im Mittelpunkt. Wie weit die Software im professionellen Alltag tatsächlich trägt, muss sich allerdings noch zeigen.
Eine kostenlose Alternative zu mehreren Anwendungen der Adobe Creative Cloud, mit vertrauter Bedienung und offen zugänglichem Quellcode: Mit diesem Ansatz hat ArtCraft innerhalb weniger Tage Aufmerksamkeit gewonnen. Das Projekt setzt auf eine zusammengehörige Familie von Kreativprogrammen, die unterschiedliche Aufgaben abdecken und unabhängig voneinander eingesetzt werden können.
Zum Angebot gehören PhotoCraft für die Bildbearbeitung, LightCraft für Bildverwaltung und RAW-Entwicklung, VectorCraft für Vektorgrafik sowie DesignCraft für Seitenlayout. FilmCraft adressiert den Videoschnitt, EffectCraft Animation und visuelle Effekte, PdfCraft die Arbeit mit PDF-Dokumenten. Diese Zuordnung beschreibt die jeweiligen Einsatzbereiche. Eine vollständige Funktionsgleichheit mit den entsprechenden Adobe-Anwendungen ist damit nicht belegt.
PhotoCraft: Ebenen, Masken und Photoshop-Dateien
PhotoCraft richtet sich an Anwender, die mit einer ebenenbasierten Bildbearbeitung vertraut sind. Der Anbieter nennt unter anderem Masken, Einstellungsebenen, Ebenenstile, Textwerkzeuge und Pinsel. Menüs, Bedienfelder und Tastenkürzel sollen den Einstieg erleichtern.
Für bestehende Arbeitsabläufe ist insbesondere die angekündigte Unterstützung von PSD- und PSB-Dateien interessant. PhotoCraft soll diese mit Ebenen öffnen und speichern können. Ob komplexe Dokumente mit allen enthaltenen Funktionen zuverlässig übertragen werden, muss jedoch anhand konkreter Dateien geprüft werden.
Laut Produktbeschreibung unterstützt die Software außerdem Dokumente mit 8, 16 und 32 Bit sowie RGB, CMYK, Lab und Graustufen. ICC-Farbmanagement und Softproofing gehören ebenfalls zum angegebenen Funktionsumfang. Damit adressiert PhotoCraft Anforderungen, die über einfache Bildkorrekturen hinausgehen. Die Qualität und Zuverlässigkeit dieser Funktionen wurden von ProfiFoto bislang nicht praktisch getestet.
LightCraft: Bildverwaltung und RAW-Entwicklung
LightCraft verbindet eine Fotobibliothek mit nicht destruktiver RAW-Bearbeitung. Der Anbieter beschreibt eine Verarbeitung mit großem Farbumfang und 32-Bit-Fließkommaberechnung. Die Originaldateien sollen dabei unverändert bleiben.
Zu den genannten Werkzeugen gehören Belichtungs- und Farbkorrekturen, Gradationskurven, ein Farbmischer und Color-Grading-Regler. Lokale Anpassungen sollen sich über Pinsel, Verläufe sowie Luminanz- und Farbbereiche steuern lassen. Für die Bildorganisation werden unter anderem Alben, Bewertungen und Suchfunktionen aufgeführt.
Die Produktseite nennt RAW-Unterstützung für verschiedene Formate, darunter DNG, CR2, ARW, NEF und RAF. Eine solche Formatliste beantwortet allerdings noch nicht, welche einzelnen Kameramodelle vollständig unterstützt werden und wie überzeugend die Ergebnisse ausfallen. Gerade bei der RAW-Entwicklung sind Detailwiedergabe, Farbe und die Verarbeitung schwieriger Lichtsituationen entscheidende Prüfpunkte.
LightCraft wird als lokal arbeitende Anwendung ohne erforderliches Konto, Cloud-Anbindung oder Abonnement vorgestellt.
KI entwickelt – und KI kann bedienen
Ein wesentlicher Bestandteil der Projektgeschichte ist die Entwicklung mit Unterstützung von Claude. Die Anwendungen wurden nach Angaben des Projekts in Rust aufgebaut. Zusätzlich sollen Schnittstellen die Steuerung durch KI-Assistenten ermöglichen.
Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden: KI hilft bei der Erstellung der Software und kann zur Automatisierung ihrer Bedienung eingesetzt werden. Die Programme selbst bieten Werkzeuge für klassische kreative Aufgaben, etwa Bildkorrekturen, Maskierungen oder Layout.
Für Fotografen wäre eine solche Steuerung vor allem dann interessant, wenn sie wiederkehrende Arbeitsschritte nachvollziehbar automatisiert. Maßgeblich bleibt, ob Ergebnisse kontrolliert, korrigiert und zuverlässig gespeichert werden können.
Kostenlos und quelloffen
Die Crafting Apps werden für macOS, Windows und Linux angeboten; das Projekt nennt zudem eine Nutzung im Browser über WebAssembly. Die Anwendungen lassen sich über einen gemeinsamen Launcher oder einzeln beziehen.
Der offene Quellcode ermöglicht es Entwicklern, die Programme zu untersuchen und an ihrer Weiterentwicklung mitzuwirken. Für Anwender schafft das zusätzliche Transparenz. Eine Garantie für Fehlerfreiheit, Sicherheit oder langfristige Pflege ergibt sich daraus jedoch nicht.
Auch der Name verdient eine genaue Unterscheidung: Die kostenlosen Crafting Apps sind einzelne Kreativprogramme. ArtCraft führt daneben ein eigenes Angebot für KI-gestützte Bild- und Videoproduktion. Aussagen über die kostenlosen Anwendungen lassen sich deshalb nicht pauschal auf sämtliche Dienste der Marke übertragen.
Vom Versprechen zum Praxistest
ArtCraft verbindet ein attraktives Kostenmodell mit dem Anspruch, vertraute kreative Arbeitsabläufe zugänglich zu machen. Für einen professionellen Einsatz müssen die Anwendungen jedoch mehr leisten als eine bekannte Oberfläche und eine umfangreiche Werkzeugliste.
Bei PhotoCraft wären insbesondere komplexe Photoshop-Dokumente, Maskenkanten, Farbprofile und der zuverlässige Austausch mit anderen Programmen zu prüfen. Für LightCraft stehen die Unterstützung aktueller Kameras, die Qualität der RAW-Entwicklung und die Verwaltung großer Bildbestände im Vordergrund. Hinzu kommen Fragen nach Stabilität, Wiederherstellung und konsistentem Export.
Bis solche Prüfungen vorliegen, lässt sich ArtCraft als ambitioniertes Open-Source-Projekt mit fotografisch relevanten Werkzeugen einordnen. Ob daraus eine belastbare Alternative für einzelne Aufgaben oder ganze Produktionsabläufe entsteht, entscheidet sich im praktischen Einsatz.






















