Der japanische Dokumentarfotograf Kazuyoshi Nomachi erhält den Photography Appreciation Award des Hamdan bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum International Photography Award, kurz HIPA. Die Ehrung im Rahmen der 15. Wettbewerbssaison unter dem Thema „Family“ würdigt sein über fünf Jahrzehnte entstandenes Werk über Menschen, Landschaften und religiöse Traditionen.

Kazuyoshi Nomachi
Seit seiner ersten Reise in die Sahara 1972 beschäftigt sich Kazuyoshi Nomachi mit dem Verhältnis zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Seine fotografischen Projekte führten ihn durch Wüsten, entlang großer Flüsse und in Hochgebirgsregionen. Wiederkehrende Themen sind der Einfluss der Natur auf das tägliche Leben sowie die Bedeutung von Glauben, Ritualen und überlieferten Traditionen.
Mit dem Appreciation Award zeichnet HIPA diese langfristige dokumentarische Arbeit aus. Das Auswahlgremium versteht Nomachis Werk als umfassende Betrachtung der weltweiten menschlichen Gemeinschaft und ihrer Bindungen an Landschaften und Lebensräume. Damit stellt die Ehrung eine Verbindung zum diesjährigen Wettbewerbsthema „Family“ her.
Die Sahara als Wendepunkt
Nomachi wurde 1946 geboren und interessierte sich bereits während seiner Schulzeit für Fotografie. Ab 1969 lernte er bei dem japanischen Fotografen Takashi Kijima. 1971 begann er als freier Werbefotograf zu arbeiten.
Die Reise in die Sahara im folgenden Jahr veränderte seine berufliche Ausrichtung. Die Begegnung mit Menschen, deren Alltag von den Bedingungen der Wüste geprägt war, führte ihn zur dokumentarischen Fotografie. Daraus entwickelte sich eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie Menschen unter anspruchsvollen natürlichen Bedingungen leben und welche kulturellen und spirituellen Formen daraus entstehen.
1980 begann Nomachi ein weiteres großes Projekt über den Nil. Er folgte dem Weißen Nil vom Delta bis zu seinem Ursprung in Uganda und dem Blauen Nil bis in das äthiopische Hochland. Nach der Erfahrung der Wüste rückte damit die lebensbestimmende Bedeutung des Wassers in den Mittelpunkt seiner Arbeit.
Glaube und Landschaft
Ab 1988 wandte sich Nomachi verstärkt Asien zu. Reisen durch Westchina führten ihn zu den Gemeinschaften des tibetischen Hochlands und den Traditionen des tibetischen Buddhismus. Zwischen 2004 und 2008 dokumentierte er außerdem die Ursprungsregionen des Ganges und deren Bedeutung für den Hinduismus.
Eine weitere zentrale Werkgruppe entstand zwischen 1995 und 2000 in Mekka und Medina. Nomachi fotografierte die heiligen Städte des Islam und die Hadsch-Pilgerfahrt. Seine Arbeiten verbinden die Dimension gemeinschaftlicher religiöser Praxis mit der individuellen Erfahrung der Gläubigen.
Seit 2002 beschäftigt er sich zudem mit den Andenregionen Perus und Boliviens. Dort untersucht er insbesondere das Zusammenwirken katholischer Glaubenspraxis und kultureller Traditionen der Inka.
Über diese unterschiedlichen Regionen hinweg bleibt die Verbindung zwischen Menschen, Landschaft und Spiritualität ein Leitmotiv seines Werks. Landschaftsaufnahmen, Porträts und die Beobachtung religiöser Handlungen ergänzen sich zu langfristig angelegten fotografischen Erzählungen.
Dokumentation im kulturellen Wandel
In seiner Reaktion auf die Auszeichnung betont Nomachi die Bedeutung dieser jahrzehntelangen Arbeit. Seine Reisen hätten ihm gezeigt, wie tief überlieferte Glaubensvorstellungen und Traditionen im Leben der Menschen verankert seien.
Zugleich verweist er auf die Folgen einer beschleunigten Globalisierung. Diese habe die Welt effizienter gemacht, aber auch die Angleichung lokaler Kulturen vorangetrieben. Dass er unterschiedliche Traditionen und Glaubensformen vor ihrem Wandel dokumentieren konnte, betrachtet Nomachi als einen besonderen Wert seines fotografischen Archivs. Als wesentlichen Antrieb seiner Arbeit nennt er seine anhaltende Neugier.
HIPA-Generalsekretär Ali bin Thalith würdigt Nomachi als Vorbild für eine fotografische Laufbahn, die sich über lange Zeit relevanten gesellschaftlichen Themen widmet und bleibende Beiträge zum kulturellen Verständnis leistet.
Ein Werk in Büchern
Fotobücher bilden einen wichtigen Bestandteil von Nomachis Arbeit. Zu seinen bekannten Publikationen gehören „Sahara“, „The Nile“, „Tibet“ sowie „Mecca the Blessed, Medina the Radiant“. Seine Fotografien wurden außerdem in internationalen Zeitschriften wie National Geographic, GEO und Stern veröffentlicht.
Zu seinen bisherigen Ehrungen zählen der Domon Ken Award und die japanische Ehrenmedaille mit purpurnem Band, die er 2009 erhielt. Die Photographic Society of Japan zeichnete ihn 1990 und 1997 mit ihrem Annual Award aus.
Der 2011 ins Leben gerufene HIPA ergänzt diese Ehrungen nun um seinen Photography Appreciation Award. Mit der Wahl Nomachis rückt der Wettbewerb ein Werk in den Mittelpunkt, dessen Bedeutung wesentlich aus Ausdauer, wiederholten Reisen und der kontinuierlichen Beschäftigung mit seinen Themen entsteht.




















