Adobe und NVIDIA erweitern ihre Zusammenarbeit zur Beschleunigung kreativer Anwendungen. Für Fotografen stehen dabei Optimierungen in Photoshop im Mittelpunkt: GPU-beschleunigtes Compositing, schnellere Bildbearbeitung und eine bessere Nutzung der angekündigten RTX-Spark-Plattform. Die Unternehmen stellen Leistungssteigerungen von bis zu Faktor zwei in Aussicht. Konkrete Vergleichsbedingungen nennt die Mitteilung allerdings nicht.
Hochauflösende Bilder, komplexe Ebenenaufbauten und KI-gestützte Werkzeuge stellen unterschiedliche Anforderungen an die Hardware. Adobe und NVIDIA wollen ihre Anwendungen und Rechenplattformen deshalb enger aufeinander abstimmen. Die erweiterte Partnerschaft umfasst neben Photoshop auch Premiere, Substance 3D und die cloudbasierte Produktionsplattform Frame.io.
Im Zentrum der lokalen Beschleunigung steht der NVIDIA RTX Spark-Superchip. Laut Adobe werden die Anwendungen darauf abgestimmt, dessen gemeinsamen Speicher und KI-Rechenleistung zu nutzen. Davon sollen Bildbearbeitung, Effekte, Farbkorrektur und KI-Verarbeitung profitieren.
- Der Gaußsche Weichzeichner gehört zu den Funktionen, die laut Adobe von den GPU-Optimierungen profitieren sollen
Photoshop: schnelleres Compositing und direkte Rückmeldung
Adobe hat nach eigenen Angaben die Bildzusammensetzung in Photoshop für GPU-beschleunigtes Compositing überarbeitet. Gemeint ist die Verarbeitung der Elemente, aus denen die angezeigte Bildansicht entsteht. Für die Praxis zählt dabei vor allem, wie unmittelbar Photoshop auf Änderungen reagiert.
Als Beispiele nennt Adobe das Entfernungswerkzeug, den Gaußschen Weichzeichner und Light-Leaks-Effekte. Die Beschleunigung soll die Arbeit direkt auf der Bildfläche flüssiger machen und Wartezeiten bei der Bearbeitung reduzieren.
Wie groß der Vorteil im fotografischen Alltag ausfällt, lässt sich aus der Ankündigung noch nicht ableiten. Die Aussage einer bis zu doppelt so hohen Leistung bezieht sich auf verschiedene Anwendungen und Aufgaben. Eine Aufschlüsselung nach Photoshop-Funktion, Dateigröße oder Hardwarekonfiguration fehlt. Sie lässt sich daher nicht als pauschale Verdoppelung der Photoshop-Geschwindigkeit verstehen.
Premiere für hybride Produktionen
Für Fotografen, die zusätzlich Video produzieren, sind die angekündigten Premiere-Optimierungen relevant. NVIDIA RTX soll unter anderem Wiedergabe, Rendering, Effekte und Farbkorrekturen beschleunigen. Auch die Funktionen Enhance Speech zur Sprachverbesserung und Object Mask zur Objektmaskierung werden ausdrücklich genannt.
Adobe zufolge werden diese Arbeitsabläufe für RTX Spark optimiert. Welche zusätzlichen Vorteile daraus gegenüber bereits verfügbaren RTX-Systemen entstehen, bleibt in der Mitteilung offen.
- Auch das Entfernungswerkzeug nennt Adobe als Beispiel für die angekündigte Beschleunigung der Bildbearbeitung
Frame.io: Medien schneller durchsuchen
Die Zusammenarbeit erstreckt sich außerdem auf die Verarbeitung von Medien in Frame.io. Hier geht es um die Zeit zwischen dem Hochladen von Material und dessen Verfügbarkeit für Suche und weitere Produktionsschritte.
Adobe setzt dafür unter anderem auf NVIDIAs hardwarebeschleunigte Videodekodierung sowie auf TensorRT und CUDA. Diese Technologien unterstützen die Vorverarbeitung und die Erstellung sogenannter Embeddings. Solche numerischen Repräsentationen erfassen Merkmale von Inhalten und bilden eine Grundlage für die intelligente Suche.
Für ausgewählte Aufgaben nennt Adobe eine etwa fünfmal schnellere Erstellung dieser Suchrepräsentationen. Größere Medienbestände sollen dadurch zügiger erschlossen und aktualisiert werden können. Die Zahlen beschreiben allerdings einzelne Verarbeitungsschritte und erlauben keine entsprechende Aussage über die Geschwindigkeit der gesamten Plattform.
Hardwarevoraussetzungen bleiben entscheidend
Für bestehende Photoshop-Anwender ist vor allem eine Frage offen: Welche Verbesserungen kommen auf vorhandenen RTX-Grafikkarten an, und welche setzen RTX Spark voraus?
Die Ankündigung unterscheidet zwischen einer allgemeinen RTX-Beschleunigung und spezifischen Optimierungen für die neue Plattform, nennt aber keine vollständige Kompatibilitätsübersicht. Ebenso fehlen konkrete Versionsangaben und Einführungstermine für die einzelnen Photoshop-Verbesserungen. Aussagen zur Beschleunigung von Lightroom enthält die Mitteilung nicht.
Damit beschreibt die Partnerschaft zunächst eine Entwicklungsrichtung. Ob daraus ein spürbarer Vorteil für den eigenen Arbeitsplatz entsteht, wird sich an konkreten Softwareversionen und nachvollziehbaren Tests mit typischen Bildbearbeitungsaufgaben zeigen müssen.


















