Mit ViewPoint 6 erweitert DxO seine Software zur Korrektur von Perspektive und geometrischen Verzerrungen um KI-gestützte Masken. Erstmals lassen sich einzelne Bildelemente gezielt geometrisch verändern, ohne zwangsläufig die gesamte Bildfläche anzupassen. Gleichzeitig erhält die Anwendung zusätzliche Funktionen zur direkten RAW-Bearbeitung.
Bei klassischen Perspektivkorrekturen müssen Fotografen häufig einen Kompromiss eingehen: Werden stürzende Linien aufgerichtet oder geometrische Verzerrungen korrigiert, verändert sich die Form des Bildausschnitts. Um wieder ein rechteckiges Bild zu erhalten, ist in vielen Fällen ein Beschnitt erforderlich.
DxO verfolgt mit ViewPoint 6 einen anderen Ansatz. Die neue Version integriert KI-gestützte Masken in das bereits bekannte Werkzeug ReShape Fusion. Damit können Anwender einzelne Objekte oder Bildbereiche auswählen und deren Geometrie unabhängig vom übrigen Motiv bearbeiten. Die Software soll so beispielsweise ermöglichen, ein schief erscheinendes Gebäude aufzurichten oder die Proportionen einer am Bildrand fotografierten Person zu korrigieren, ohne größere Teile der Aufnahme beschneiden zu müssen.
KI unterstützt die Auswahl, nicht die Bildgenerierung
Anders als bei generativen KI-Werkzeugen werden dabei keine zusätzlichen Bildinhalte erzeugt. Die künstliche Intelligenz dient ausschließlich dazu, die gewünschten Bildelemente zu erkennen und präzise auszuwählen. Die eigentlichen geometrischen Veränderungen bleiben vollständig unter der Kontrolle des Anwenders.
Dazu wird zunächst ein Auswahlrechteck um das betreffende Motiv gezogen. ViewPoint analysiert dessen Konturen und erstellt eine entsprechende Maske. Anschließend legt die Software ein an die Objektform angepasstes Gitternetz an, dessen Kontrollpunkte manuell verschoben werden können.
Die Dichte des Gitternetzes lässt sich lokal verändern, sodass komplexe Bildbereiche differenziert bearbeitet werden können. Zugleich kann der Fotograf bestimmen, wie stark sich eine Veränderung auf angrenzende Bereiche auswirkt. Das ist insbesondere bei Porträts und Gruppenaufnahmen relevant, wenn die Proportionen einzelner Personen korrigiert werden sollen, ohne benachbarte Bildinhalte sichtbar zu verformen.
Neben perspektivischen Korrekturen erlaubt ReShape Fusion auch die gezielte Anpassung von Größe und Position einzelner Bildelemente.
Geometriekorrektur für unterschiedliche Motive
ViewPoint 6 kombiniert die neuen lokalen Bearbeitungsmöglichkeiten mit den bekannten DxO-Werkzeugen zur Korrektur von Objektivverzeichnungen, Perspektive und Volumendeformation.
Während die automatische Verzeichnungskorrektur auf den im DxO-Labor vermessenen Kamera-Objektiv-Kombinationen basiert, können perspektivische Fehler sowohl automatisch als auch manuell korrigiert werden. Die Volumendeformation korrigiert insbesondere die bei Weitwinkelaufnahmen auftretende Streckung von Motiven an den Bildrändern.
Horizontkorrektur und Miniatureffekt ergänzen den Funktionsumfang. Damit richtet sich die Software nicht nur an Architektur- und Immobilienfotografen, sondern auch an Anwender aus den Bereichen Porträt, Event, Reise und Street Photography.
Direkte RAW-Bearbeitung und nicht-destruktiver Workflow
Eine weitere Neuerung betrifft die eigenständige Bildbearbeitung. ViewPoint 6 kann RAW-Dateien direkt öffnen und verarbeiten, ohne dass diese zuvor in einem anderen Programm konvertiert werden müssen. Unterstützt werden außerdem TIFF- und JPEG-Dateien.
RAW-Aufnahmen werden mit DxOs eigener Farbverarbeitung in den Farbraum DxO Wide Gamut überführt. Passende Kamera- und Objektivprofile werden anhand der Metadaten geladen und zur automatischen Verzeichnungskorrektur eingesetzt.
Neu hinzugekommen sind grundlegende Werkzeuge für Belichtung und Weißabgleich. Die Belichtung lässt sich um bis zu vier Blendenstufen in beide Richtungen korrigieren. Bei RAW-Dateien stehen zusätzlich Weißabgleichsvorgaben sowie Regler für Farbtemperatur und Tönung zur Verfügung.
Sämtliche Bearbeitungsschritte erfolgen nicht-destruktiv. Die Einstellungen werden in separaten Sidecar-Dateien gespeichert, während die Originaldateien unverändert bleiben. Fertige Bilder lassen sich als JPEG oder als TIFF mit 8 beziehungsweise 16 Bit ausgeben.
Standalone und Plug-in
DxO ViewPoint 6 ist sowohl als eigenständige Anwendung als auch als Plug-in für Adobe Photoshop, Lightroom Classic und Capture One einsetzbar. In DxO PhotoLab 10 stehen die ViewPoint-Werkzeuge direkt innerhalb der Geometrie-Palette zur Verfügung.
Die Software ist ab sofort für macOS und Windows erhältlich. Eine neue Lizenz kostet 119,99 Euro, das Upgrade von ViewPoint 5 ist für 74,99 Euro verfügbar. DxO bietet außerdem eine kostenlose 30-Tage-Testversion an.
Weitere Informationen: dxo.com



















