Am 1. Dezember 2026 startet die 70. Ausgabe des World Press Photo Contest. Der international renommierte Wettbewerb für Fotojournalismus und dokumentarische Fotografie zeichnet erneut die herausragenden visuellen Geschichten des Jahres aus. Neu sind sechs zusätzliche Auszeichnungen für Natur- und Sportfotografie. Den Vorsitz der internationalen Hauptjury übernimmt Maye-E Wong, Senior Editor für Wider Image und Special Projects bei Reuters (Foto oben). Professionelle Fotografen aus aller Welt können ihre Arbeiten bis zum 13. Januar 2027 kostenlos einreichen.
70 Jahre World Press Photo
Seit seiner Gründung 1955 gehört World Press Photo zu den wichtigsten internationalen Plattformen für Fotojournalismus. Der jährlich ausgerichtete Wettbewerb würdigt fotografische Arbeiten, die gesellschaftliche, politische, kulturelle und ökologische Entwicklungen dokumentieren und zur öffentlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Ereignissen beitragen.
Die 70. Ausgabe setzt das 2022 eingeführte regionale Wettbewerbsmodell fort. Statt die eingereichten Arbeiten ausschließlich nach klassischen journalistischen Themenfeldern zu bewerten, werden sie zunächst sechs geografischen Regionen zugeordnet: Afrika, Asien und Pazifik/Ozeanien, Europa, Nord- und Mittelamerika, Südamerika sowie West-, Zentral- und Südasien.
Damit soll gewährleistet werden, dass fotografische Geschichten aus unterschiedlichen Teilen der Welt angemessen berücksichtigt werden und nicht ausschließlich die Themen der großen internationalen Nachrichtenagenturen im Mittelpunkt stehen.
Die Einreichungen werden in drei Kategorien bewertet: Einzelbilder (Singles), Bildgeschichten (Stories) und Langzeitprojekte (Long-Term Projects). Insgesamt vergibt World Press Photo 42 Auszeichnungen, darunter die sechs neuen Preise für Natur- und Sportfotografie.
Neue Auszeichnungen für Natur und Sport
Mit der Einführung des World Press Photo Nature Award und des World Press Photo Sports Award reagiert die Organisation auf eine Entwicklung der vergangenen Jahre.
Seit der Umstellung auf das regionale Wettbewerbsmodell waren Natur- und Sportfotografie unter den ausgezeichneten Arbeiten seltener vertreten. Rückmeldungen von Ausstellungsbesuchern und Branchenvertretern hätten gezeigt, dass diese fotografischen Disziplinen im Wettbewerb wieder stärker berücksichtigt werden sollten.
Künftig werden deshalb jeweils drei Nature Awards und drei Sports Awards vergeben.
Die neuen Preise bilden keine eigenständigen Einreichungskategorien. Vielmehr wählt die Jury die entsprechenden Arbeiten aus den regulären Einsendungen in den Kategorien Singles und Stories sämtlicher Wettbewerbsregionen aus.
Der Nature Award richtet sich an fotografische Arbeiten über das Verhältnis zwischen Menschen, Tieren und ihren gemeinsamen Lebensräumen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Artenvielfalt, ökologische Regeneration, Anpassung und das Zusammenleben von Mensch und Natur. Allgemeine Berichterstattung über Klimakrisen und Umweltkatastrophen bleibt weiterhin Bestandteil der regulären Wettbewerbskategorien.
Der Sports Award berücksichtigt sowohl klassische Sportreportagen und entscheidende Wettkampfmomente als auch fotografische Geschichten über die gesellschaftliche, politische und kulturelle Bedeutung des Sports. Dazu gehören neben internationalen Großveranstaltungen auch lokale Sporttraditionen, gesellschaftliche Konflikte und persönliche Geschichten.
Die Erweiterung trägt der Bedeutung beider Disziplinen für den zeitgenössischen Fotojournalismus Rechnung, ohne das regionale Wettbewerbsmodell grundsätzlich zu verändern.
Maye-E Wong übernimmt den Juryvorsitz
Den Vorsitz der globalen Jury übernimmt 2027 die Reuters-Redakteurin Maye-E Wong aus Singapur. Sie ist Senior Editor für Wider Image und Special Projects bei der internationalen Nachrichtenagentur.
Wong betont angesichts der zunehmenden Verbreitung KI-generierter Bilder die besondere Verantwortung des Fotojournalismus für die Glaubwürdigkeit visueller Informationen.
Künstliche Intelligenz erschwere zunehmend die Unterscheidung zwischen authentischen und künstlich erzeugten Bildern. Gerade deshalb brauche die Öffentlichkeit verifizierbare visuelle Zeugnisse und einen unabhängigen Journalismus, der seine Aussagen auf tatsächlich beobachtete Ereignisse stütze.
Für Wong kommt fotografischen Auszeichnungen dabei eine wichtige Orientierungsfunktion zu. Sie sollen nicht nur herausragende Arbeiten einem größeren Publikum zugänglich machen, sondern auch journalistische Qualitätsstandards und ethische Maßstäbe sichtbar machen.
Die internationale Jury setzt sich aus den Vorsitzenden der sechs Regionaljurys und der globalen Juryvorsitzenden zusammen. Jede Regionaljury besteht aus fünf Experten mit besonderer Kenntnis der jeweiligen geografischen Region.
Die weiteren Jurymitglieder sollen noch bekannt gegeben werden.
Preisgelder und internationale Sichtbarkeit
Die Gewinner des World Press Photo Contest erhalten jeweils ein Preisgeld von 1.000 Euro. Für die Auszeichnung World Press Photo of the Year kommen weitere 10.000 Euro hinzu.
Zusätzlich stellt Fujifilm Kameratechnik als Sachpreise zur Verfügung. Zu den Auszeichnungen gehören unter anderem eine Fujifilm X Half sowie GFX-Kameras und Objektive für den Gesamtsieger und die beiden Finalisten.
Darüber hinaus werden die prämierten Arbeiten in die internationale Wanderausstellung World Press Photo aufgenommen, die jährlich in mehr als 60 Städten gezeigt wird und nach Angaben der Veranstalter über vier Millionen Besucher erreicht.
Die Gewinnerbilder erscheinen außerdem im jährlich publizierten World Press Photo Yearbook und auf den digitalen Plattformen der Organisation.
Alle Preisträger werden zu einem Programm nach Amsterdam eingeladen, das unter anderem Portfolio-Reviews, Workshops und die offizielle Preisverleihung umfasst.
Teilnahmebedingungen und Einreichung
Der World Press Photo Contest steht professionellen Fotografen aus aller Welt offen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Voraussetzung ist ein Nachweis der professionellen fotografischen Tätigkeit. Dafür muss nicht zwingend ein Presseausweis vorgelegt werden. Anerkannt werden beispielsweise Veröffentlichungsnachweise aus den Jahren 2025 oder 2026, Mitgliedschaftsbestätigungen anerkannter fotografischer Berufsverbände oder entsprechende Empfehlungsschreiben.
Einzelbilder müssen im Jahr 2026 entstanden sein. Für Bildgeschichten und Langzeitprojekte gelten gesonderte zeitliche Anforderungen.
Die Einreichung erfolgt ausschließlich über die Wettbewerbsplattform Picter. Alle Arbeiten müssen mit aussagekräftigen englischsprachigen Bildunterschriften und Hintergrundinformationen versehen werden.
Besonderes Augenmerk legt World Press Photo auf die Authentizität der eingereichten Fotografien. Die Teilnehmer müssen den verbindlichen Ethikkodex und die Wettbewerbsregeln einhalten. Dazu gehören auch die Vorgaben zur Bildbearbeitung und die Überprüfung der eingereichten Aufnahmen.
Die wichtigsten Termine
Die Einreichungsphase beginnt am Dienstag, 1. Dezember 2026, um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit und endet am Mittwoch, 13. Januar 2027, ebenfalls um 13 Uhr.
Die Jurierung findet im Januar und Februar 2027 statt. Die Bekanntgabe der Preisträger ist für März und April 2027 vorgesehen. Das World Press Photo of the Year und die beiden Finalisten werden im April 2027 bekannt gegeben.
Im selben Monat eröffnet in Amsterdam die Hauptausstellung des World Press Photo Contest 2027, bevor die prämierten Arbeiten auf internationale Tournee gehen.
Mit den neuen Natur- und Sportauszeichnungen und der Berufung von Maye-E Wong an die Spitze der globalen Jury setzt World Press Photo in seiner 70. Ausgabe zwei Akzente: die Erweiterung des thematischen Spektrums und die besondere Bedeutung journalistischer Glaubwürdigkeit in einer zunehmend von künstlich erzeugten Bildern geprägten Medienwelt.
https://www.worldpressphoto.org/contest/2027














