Wie weit lässt sich Fotografie in Richtung Malerei, Abstraktion und Bewegung öffnen? Die Ausstellung „Triovision – Sechs Augen sehen mehr von der Welt“ bringt vom 8. November bis 30. Dezember 2026 in der Galerie Heidefeld & Partner in Krefeld drei unterschiedliche Positionen zusammen: David R. Hawkins, Werner Pillig und Manfred Vogelsänger. Ihre Arbeiten verbindet die Suche nach Bildern, die über die Wiedergabe des Sichtbaren hinausgehen.
- Foto: Manfred Vogelsänger
Die Fotografie bildet den gemeinsamen Ausgangspunkt, doch die Wege der drei Künstler führen in unterschiedliche Richtungen. Hawkins verbindet digitale Aufnahmen mit manuell aufgetragener Farbe. Pillig entwickelt seine Bildwelten mit den Möglichkeiten der Kamera und verzichtet auf nachträgliche Bearbeitung am Computer. Vogelsänger wiederum arbeitet mit fotografischen Emulsionen, Collagen und filmisch festgehaltenen Veränderungsprozessen. Unter dem Titel „Triovision“ stellt die Galerie diese Ansätze einander gegenüber und rückt damit die Entstehung des Bildes ebenso in den Blick wie seine Wirkung.
David R. Hawkins: Fotografie und Farbauftrag
Der 1959 in Boston geborene und seit Jahrzehnten im Rheinland lebende David R. Hawkins konzentriert sich auf zwei Motivwelten: Brücken und Bäume. In der seit 2014 entwickelten Werkreihe „Die Seele der Brücken“ beschäftigt er sich mit Bauwerken als Verbindungen zwischen Menschen und Orten. Konstruktion, Oberfläche und Patina liefern das Material für Bilder, in denen Architektur durch intensive Farbigkeit eine neue Präsenz erhält.
- Foto: David R. Hawkins, Zollverein
Seit 2020 entsteht daneben die Reihe „Das Wesen der Bäume“. Begleitende Texte geben den dargestellten Bäumen eine eigene Stimme und erzählen ihre Lebensgeschichte.
Seine Verbindung von digitaler Fotografie und Malerei bezeichnet Hawkins als „SINN-THESEN“. Fotografische Strukturen treffen auf von Hand aufgetragene Farbe; Schichtungen können den Eindruck räumlicher Tiefe erzeugen. Die Ausstellung zeigt damit eine Position, bei der das fotografische Ausgangsbild im weiteren Arbeitsprozess eine neue materielle und farbliche Gestalt annimmt.
Werner Pillig: Das Experiment vor der Linse
Werner Pillig setzt an einem anderen Punkt an. Der 1960 geborene Künstler studierte an der Kunstakademie Düsseldorf zunächst Bildhauerkunst und schloss später als Meisterschüler von Nam June Paik ab. Er arbeitete als Kameramann, Produzent und Regisseur und versteht sich heute als „Photoartist“.
- Foto: Werner Pillig, Tokyo Crossing
Seine Arbeiten entstehen nach eigener künstlerischer Prämisse ohne nachträgliche Computerbearbeitung. Die Kamera ist das entscheidende Instrument, um Gegenstände, Farbe und Bewegung in ungewohnte Ansichten zu überführen. Dabei können Ergebnisse entstehen, die an Malerei oder abstrakte Prozesse erinnern.
Wie wichtig die Inszenierung vor der Aufnahme bleibt, zeigt die Serie „Das Vermessen der Welt“: Pillig umspannt Felsstücke mit zahlreichen bunten Fäden und macht aus dem Zusammenspiel von Stein, Linien und Farbe fotografische Bilder. Andere Werkgruppen wie „Virtual Journey“ oder „Too Much Information“ untersuchen Bewegung, Wahrnehmung und die Verdichtung visueller Eindrücke.
Manfred Vogelsänger: Bilder in Veränderung
Manfred Vogelsänger wurde insbesondere mit Werbefotografie und Werbefilm international bekannt. Nach seinem Rückzug aus dem laufenden Studiogeschäft widmet er sich der freien künstlerischen Arbeit, die von Fotografie über analoge Collagen bis zu Videoinstallationen reicht.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Veränderung fotografischer Materialien. Vogelsänger arbeitet mit der Verflüssigung von Fotoemulsionen und bearbeitet seine Collagen in mehreren Prozessstufen. Für seine Moving-Art-Installationen taucht er eigene Collagen in Wasserbecken und zeichnet deren Veränderungen mit Highspeed-Kameras auf. So werden Auflösung und Bewegung selbst zum Bildgegenstand.
In Krefeld werden exemplarische Arbeiten aus diesem Spektrum vorgestellt. Zu den Werkgruppen seines Schaffens zählen „Photo-Destruktionismus“, „Blue Up“, „Girls Girls Girls“ sowie Arbeiten zu Steve McQueen und zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Die Gegenüberstellung mit Hawkins und Pillig macht dabei deutlich, wie unterschiedlich sich fotografische Bilder erweitern lassen: durch Farbauftrag, durch Aufnahme und Inszenierung oder durch die Veränderung des Bildmaterials.
Ausstellung und Vernissage
„Triovision – Sechs Augen sehen mehr von der Welt“ ist vom 8. November bis 30. Dezember 2026 in der Galerie Heidefeld & Partner, Ostwall 64–66, 47798 Krefeld, zu sehen. Die Vernissage findet am Sonntag, 8. November, von 15 bis 18 Uhr statt.
Geöffnet ist mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung.
Foto oben: Manfred Vogelsänger



















