Zum 200-jährigen Jubiläum der Fotografie setzt das französische Kulturministerium nicht allein auf Ausstellungen und Veranstaltungen. Mit einem neuen Förderprogramm stärkt Frankreich gezielt das Fotobuch als Medium für Forschung, Vermittlung und fotografische Erinnerung.
Anlässlich des „Bicentenaire de la Photographie“ baut das französische Kulturministerium seine Unterstützung für fotografische Publikationen deutlich aus. Gemeinsam mit dem Centre national du livre wurde erstmals ein eigener Fonds aufgelegt, der Neuerscheinungen, Übersetzungen und Wiederauflagen wichtiger Bücher zur Fotografie unterstützt. Insgesamt profitieren 32 Projekte von Fördermitteln in Höhe von 180.000 Euro.
Damit erhält das Fotobuch innerhalb des französischen Jubiläumsprogramms eine bemerkenswert prominente Rolle. Gefördert werden nicht nur klassische Monografien und Ausstellungskataloge, sondern auch Essays, historische Untersuchungen, Übersetzungen und Wiederentdeckungen. Die Themen reichen von den Ursprüngen der Fotografie bis zur Gegenwart.
Zu den unterstützten Projekten gehören unter anderem Publikationen über Nicéphore Niépce, André Kertész und Hippolyte Bayard sowie Arbeiten zur Geschichte des Fotosammelns, zur französischen Fotografie der 1980er Jahre, zu Migration und zu queeren Perspektiven auf die Fotografie. Ebenfalls auf der Liste stehen Publikationen von beziehungsweise über Chris Killip, Guillaume Herbaut und Samuel Bollendorff.
PHOTOgraphies: kein weiterer Geschichtsband
Ein zentrales Projekt des Bicentenaire ist das gemeinsam vom Kulturministerium und GrandPalaisRmnÉditions herausgegebene Buch „PHOTOgraphies“. Bewusst soll es keine weitere chronologische Gesamtgeschichte der Fotografie werden. Rund 15 französische und internationale Autoren aus Fotografie- und Kunstgeschichte, Anthropologie, Museen und Hochschulen wurden eingeladen, jeweils einen eigenen Zugang zum Medium zu entwickeln. Wissenschaftlicher Anspruch und persönliche Perspektive sollen dabei ausdrücklich miteinander verbunden werden.
Das Ergebnis versteht sich als eine Art vielstimmiges „livre-cénacle“, in dem unterschiedliche Sichtweisen nebeneinanderstehen und miteinander in Dialog treten. Das 364 Seiten umfassende Buch soll 30 Euro kosten. Für das Kulturministerium ist es zugleich Ausdruck eines programmatischen Verständnisses des Fotobuchs: als Ort von Forschung, Vermittlung und Entdeckung, der die Geschichte der Fotografie mit ihrer Gegenwart und Zukunft verbindet.
Dass Frankreich ein nationales Jubiläum der Fotografie nicht allein mit Ausstellungen und Veranstaltungen begeht, sondern zugleich Geld in die fotografische Publikationskultur investiert, dürfte auch außerhalb des Landes Aufmerksamkeit verdienen. Gerade in einer Zeit, in der sich die Vermittlung fotografischer Kultur zunehmend auf digitale Kanäle verlagert, setzt das Programm ein bemerkenswertes Zeichen für die nachhaltige Bedeutung des gedruckten Bildes.




















