In Braunschweig entsteht im Frühjahr 2026 ein fotografischer Dialog über das Porträt, der gleich an zwei Orten geführt wird. In einer institutionellen Kooperation präsentieren die halle267 – städtische galerie braunschweig und das Museum für Photographie Braunschweig parallel das Werk der Fotografinnen Angelika Platen und Elina Brotherus.

Foto: Elina Brotherus, Beuys Has Left the Building, aus der Serie: Walking Beuys, 2023 © Elina Brotherus und VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Beide Häuser und Ausstellungen machen sichtbar, wie unterschiedlich sich künstlerische Identität und Selbstinszenierung fotografisch verhandeln lassen.
Im Zentrum steht das Porträt als künstlerisches und gesellschaftliches Medium. Während Angelika Platen seit den späten 1960er-Jahren internationale Künstlerinnen und Künstler porträtiert und damit zu einer Chronistin der Gegenwartskunst geworden ist, untersucht Elina Brotherus die Frage nach Identität vor allem über die eigene Person. Ihre fotografischen Selbstinszenierungen sind weniger dokumentarisch als vielmehr metaphorisch angelegt und eröffnen einen reflexiven Blick auf Rollenbilder, Werkzusammenhänge und die Konstruktion des Selbst im Bild.
- Angelika Platen, Sigmar Polke, Mitten in der Luft, Düsseldorf 1971 © Angelika Platen
- Angelika Platen, Ben Vautier, Berlin 1971, Sonderedition Museum für Photographie Braunschweig 2026 © Angelika Platen
Die Ausstellung „Freudensprünge und andere Begegnungen“ in der halle267 widmet sich Angelika Platens umfangreichem Œuvre aus fünf Jahrzehnten. Die international renommierte Fotografin, 1942 in Heidelberg geboren, hat mit ihren Künstlerporträts ein visuelles Archiv der Kunstszene geschaffen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Nähe und Distanz, zwischen spontaner Begegnung und bewusster Inszenierung. Schwarzweiß- und Farbaufnahmen stehen gleichberechtigt nebeneinander und verdeutlichen die stilistische Bandbreite eines Werks, das immer auch den Zeitgeist seiner Entstehungsphase reflektiert.
Parallel dazu zeigt das Museum für Photographie Braunschweig unter dem Titel „Doppelleben – Spiegelbilder und Facetten künstlerischer Identitäten“ eine Gegenüberstellung von Platens Porträts mit Arbeiten von Elina Brotherus. Die finnische Künstlerin, 1972 in Helsinki geboren, ist für ihre konzeptuell geprägten Selbstporträts bekannt, in denen sie Bildtraditionen, Kunstgeschichte und persönliche Narrative miteinander verknüpft. In der direkten Nachbarschaft zu Platens Künstlerporträts entsteht ein Spannungsfeld zwischen äußerer Beobachtung und innerer Selbstbefragung, zwischen dokumentarischem Blick und inszenierter Reflexion.
Kuratiert werden beide Ausstellungen von Barbara Hofmann-Johnson, die mit dem doppelten Ausstellungsformat bewusst einen Dialog zwischen zwei fotografischen Positionen anstößt. Der Presserundgang am 18. Februar führt zunächst durch die halle267 und anschließend ins Museum für Photographie. Im Gespräch mit den beiden Künstlerinnen eröffnet sich dabei die seltene Gelegenheit, Entstehungsprozesse, Motivationen und Perspektiven unmittelbar nachzuvollziehen.
Das Braunschweiger Kooperationsprojekt zeigt eindrucksvoll, dass Porträtfotografie weit mehr ist als das Abbild eines Gesichts. Sie wird hier zum Medium der Selbstvergewisserung, zur historischen Chronik und zur Bühne künstlerischer Identitäten zugleich. Durch die räumliche Trennung und inhaltliche Verbindung beider Häuser entsteht ein Ausstellungsformat, das den Blick weitet und die Vielschichtigkeit fotografischer Porträtkunst in den Mittelpunkt stellt.
Foto oben: Elina Brotherus, Fill with Own Imagination (Pistoletto), aus der Serie: Occupy the Space, 2024 © Elina Brotherus und VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Abb. 1: Angelika Platen, Sigmar Polke, Mitten in der Luft, Düsseldorf 1971 © Angelika Platen
Abb. 2:
Abb. 3: Elina Brotherus, Beuys Has Left the Building, aus der Serie: Walking Beuys, 2023 © Elina Brotherus und VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Abb. 4: Angelika Platen, Ben Vautier, Berlin 1971, Sonderedition Museum für Photographie Braunschweig 2026 © Angelika Platen














