Die Ausstellung „Community. Fotografie und Gemeinschaft“ im Museum Kunstpalast Düsseldorf eröffnet einen vielschichtigen Blick auf die Rolle der Fotografie als Medium des Zusammenhalts, der Zugehörigkeit und des kollektiven Selbstverständnisses.
Bis 25. Mai 2026 versammelt die Schau mehr als 270 Werke aus der eigenen Sammlung sowie bedeutende internationale Leihgaben, um die Wechselwirkungen von Bild und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart zu beleuchten.
- Unbekannt, Postkarte mit Festgesellschaftca. 1900–1919
- Unbekannt, Fotorand, ca. 1950er-Jahre
- Omar Vicor & Lee Shulman, 2023, 47, Aus der Serie: The Anonymous Project presents Being There
Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, wie Menschen sich über Bilder als Gemeinschaft konstituieren und sichtbar machen. Fotografien halten nicht nur bestehende Gruppen fest, sondern tragen dazu bei, soziale Zugehörigkeiten zu bestätigen, zu hinterfragen oder neu zu formen. Gerade die Bildpraxis der Gruppenfotografie – vom klassischen Studio-Gruppenporträt des 19. Jahrhunderts bis hin zum heutigen digitalen Gruppenbild – zeigt, wie visuelle Darstellung kollektive Identitäten erzeugt und reflektiert.
Die rund neun thematischen Kapitel der Ausstellung führen Besucherinnen und Besucher durch unterschiedliche Facetten dieses Themenfelds: von historischen Gruppenporträts über fotografische Sequenzen, die Solidarität oder Ritualität zeigen, bis zu zeitgenössischen Arbeiten, die Zugehörigkeit auf subtilere Weise verhandeln. Dabei treten angewandte und künstlerische Positionen bewusst in einen Dialog, um zu verdeutlichen, wie eng fotografische Repräsentation und soziale Wirklichkeit miteinander verwoben sind.
- Ludwig Schirmer, Ohne Titel, Aus der Serie Ein Dorf, 1950–1960
- Dolf Siebert, 1949, Menschenmassen bei einem Spiel der Fortuna
- Clemens von Wedemeyer, Social Geometry, 2024, Videoinstallation
Ein besonderes Element der Schau ist ihre aktive Dimension: Düsseldorfer Vereine, Betriebe und Ensembles haben historische und aktuelle Gemeinschaftsfotos beigesteuert, die als lebendiges Archiv Teil der Ausstellung werden. Gleichzeitig lädt ein Fotospot die Besucherinnen und Besucher dazu ein, selbst Teil der Gemeinschaftsbildwelt zu werden und ihre eigenen Momentaufnahmen beizutragen.
Begleitend bietet der Kunstpalast ein vielfältiges Vermittlungsprogramm, das von öffentlichen Führungen über Gespräche mit fotografischen Positionen bis hin zu Spezialführungen für Familien und andere Zielgruppen reicht. Diese Veranstaltungen sollen den Austausch über das Verhältnis von Bild und Gemeinschaft vertiefen und unterschiedliche Zugänge zur Fotografie eröffnen.
„Community. Fotografie und Gemeinschaft“ zeigt, dass Fotografie weit mehr als reine Dokumentation ist: Sie bildet die Mechanismen ab, mit denen Menschen sich selbst und andere in kollektiven Zusammenhängen wahrnehmen, ordnen und interpretieren. In einer Zeit vielfältiger digitaler Bildwelten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf das visuelle Gedächtnis sozialer Zugehörigkeit.
Foto oben: Neal Slavin, Capitol Wrestling Corporation, Washington, D.C., 1972–75, Chromogener Farbabzug, Kunstpalst, Düsseldorf, © Neal Slavin



















