Mit den Modellen „Smart Enlarger 35“ und „Smart Enlarger 120“ bietet das junge Unternehmen SmartLab35 eine ungewöhnliche Neuinterpretation des klassischen fotografischen Vergrößerers. Die Geräte kombinieren analoge Dunkelkammerarbeit mit moderner LED-Technologie, Smartphone-Steuerung und USB-C-Stromversorgung. Vertrieben werden die Systeme unter anderem über Edition Argentum.

Im Zentrum des Konzepts steht die Idee, klassische Silbergelatine- und Farbvergrößerungen technisch zu vereinfachen und zugleich zeitgemäß zu modernisieren. Statt heißer Halogenlampen oder alter Farbköpfe arbeiten die Smart Enlarger mit LED-Kaltlichtquellen. Gesteuert werden Belichtungszeit, Kontrastgrade und Lichtparameter über eine eigene Smartphone-App via Bluetooth.
Interessant ist dabei vor allem die Positionierung der Geräte. SmartLab35 richtet sich nicht ausschließlich an klassische Labor-Enthusiasten, sondern auch an Fotografen, die ohne großen technischen Aufwand in die Dunkelkammerarbeit einsteigen möchten. Die Systeme wirken bewusst kompakt, wohnungstauglich und modular. Strom erhalten sie über USB-C mit Power Delivery und können teilweise sogar mit Powerbanks betrieben werden.
Der kleinere Smart Enlarger 35 ist speziell für 35mm-Film konzipiert. Besonders ungewöhnlich ist dabei, dass kein klassisches Vergrößerungsobjektiv erforderlich ist. Stattdessen nutzt das System reguläre Kameraobjektive verschiedener Hersteller. Angeboten werden Adapter unter anderem für Leica M, Nikon F, Canon FD, Pentax K und Minolta SR.
Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen bestehender analoger Kameraausrüstung und der Dunkelkammer. Das Gerät soll laut Hersteller besonders einsteigerfreundlich sein und ermöglicht Schwarzweiß- sowie Farbvergrößerungen bis etwa 18 × 24 cm. Unterstützt werden Multigrade-Papiere ebenso wie RA-4-Farbprozesse. Die LED-Lichtquelle erlaubt variable Gradationssteuerung sowie Splitgrade-Belichtungen.
Der größere Smart Enlarger 120 richtet sich dagegen stärker an ambitionierte Fine-Art-Printer und Mittelformatfotografen. Er verarbeitet neben 35mm auch die Formate 6×4,5, 6×6, 6×7 und 6×9. Anders als das kleinere Modell arbeitet der 120er mit klassischen M39-Vergrößerungsobjektiven. Laut Hersteller wurde besonderer Wert auf Stabilität und vibrationsfreies Arbeiten gelegt.

Technisch folgen beide Geräte derselben Philosophie. Die LED-Lichtquelle übernimmt nicht nur die eigentliche Belichtung, sondern zugleich die Kontraststeuerung für Multigrade-Papiere. Über die Smartphone-App lassen sich Belichtungszeiten, Lichtintensität, Farbkanäle und Gradationen steuern. Zusätzlich integrieren die Geräte Fokuslicht- und Rotlichtfunktionen.

Bemerkenswert ist auch, dass es sich bei den Geräten nicht um eine Konzeptstudie oder ein Crowdfunding-Projekt handelt, sondern um regulär erhältliche Produkte. Der Smart Enlarger 35 kostet derzeit rund 299 Euro und ist direkt über SmartLab35 sowie Edition Argentum erhältlich. Der größere Smart Enlarger 120 für Kleinbild und Mittelformat liegt bei rund 789 Euro. Gerade angesichts der komplett neu entwickelten LED-Technik, der App-Steuerung und der insgesamt sehr kleinen Marktgröße wirken diese Preise vergleichsweise moderat.
Hinter SmartLab35 steht der Ingenieur und Fotograf Santiago Ramirez Sonntag aus Fulda. Laut Unternehmensdarstellung verbindet er seit seiner Studienzeit seine Begeisterung für moderne Technologie mit analoger Fotografie. Das Leitmotiv des Unternehmens beschreibt SmartLab35 als „classic photography reimagined“. Ziel sei es, traditionelle fotografische Prozesse mit zeitgemäßer Technik neu zugänglich zu machen.
Gerade diese Verbindung aus analogem Prozess und digitaler Steuerung macht die Geräte derzeit innerhalb der Analogszene interessant. Während klassische Vergrößerer zunehmend nur noch gebraucht erhältlich sind und Ersatzteile oft problematisch werden, versucht SmartLab35 eine zeitgenössische Alternative zu etablieren.
In Foren und Communities wird das Konzept intensiv diskutiert. Gelobt werden vor allem die kompakte Bauweise, die LED-Technik, die USB-C-Stromversorgung sowie die vergleichsweise günstigen Einstiegspreise. Kritik gibt es dagegen teilweise an der starken App-Abhängigkeit sowie an bislang noch begrenzten technischen Detailinformationen.
Unabhängig davon markieren die Smart Enlarger einen interessanten technischen Richtungswechsel innerhalb der Dunkelkammertechnik hin zu kompakten, softwaregestützten Systemen, die analoge Vergrößerung neu interpretieren.






