Ein aktueller Fall zeigt, wie professionell Fotografen und Künstler mit vermeintlich attraktiven NFT-Angeboten angesprochen werden. Die Absender versprechen internationale Sichtbarkeit, eine renommierte Galeriekooperation und ungewöhnlich hohe Ankaufspreise. Bevor das Geschäft zustande kommen kann, sollen die Künstler jedoch selbst erhebliche Beträge in Kryptowährung bezahlen.
Im vorliegenden Fall erhielt ein deutscher Fotograf eine unaufgeforderte Nachricht von einer Gmail-Adresse, deren Absender sich als die international bekannte Künstlerin Isa Genzken ausgab. Angeboten wurde die Teilnahme an einer angeblich gemeinsam mit der KÖNIG GALERIE organisierten digitalen NFT-Ausstellung.
Die Einladung klang zunächst prestigeträchtig. Die Werke sollten neben international etablierten Künstlern präsentiert und einem Publikum aus Sammlern, Kuratoren und Kunstjournalisten vorgestellt werden. Als Plattform wurde der NFT-Marktplatz Hossify genannt. Konkrete Angaben zum Titel, zum Veranstalter, zu weiteren Teilnehmern oder zur verantwortlichen Organisation fehlten jedoch.
Erst zahlen, dann verkaufen
Der Fotograf sollte sieben Arbeiten auswählen und diese zunächst als NFTs prägen lassen.
Pro Werk wurden angebliche Minting-Kosten von 0,3 Ethereum verlangt – nach aktuellem Kurs rund 500 Euro. Für sieben Arbeiten hätte der Fotograf somit etwa 3.500 Euro vorab bezahlen müssen. Im Gegenzug wurde ihm ein Ankauf für insgesamt 25,2 ETH versprochen, was derzeit knapp 42.000 Euro entspricht – ein außergewöhnlich hoher Betrag, der die zunächst verlangte Investition um ein Vielfaches überstiegen hätte.
In einer weiteren Nachricht wurde vorgeschlagen, zunächst nur zwei Werke zu minten. Diese sollten unmittelbar danach angekauft werden, damit der Fotograf den Ablauf kennenlernen und Vertrauen in das Verfahren gewinnen könne. Gleichzeitig wurde ein Vertrag angekündigt, der angeblich die Rechte und Interessen des Künstlers schützen sollte.
Gerade diese schrittweise Heranführung ist charakteristisch für Vorauszahlungsmodelle: Ein hoher Gewinn wird versprochen, kann angeblich aber erst realisiert werden, nachdem der Empfänger selbst Gebühren entrichtet hat.
Galerie bestätigt Identitätsmissbrauch
Auf Anfrage von ProfiFoto bestätigte die KÖNIG GALERIE, dass es sich bei der Nachricht um Spam handelt. Die E-Mail stamme weder von Isa Genzken noch von der Galerie. Offizielle Nachrichten würden ausschließlich über verifizierte Adressen der KÖNIG GALERIE versendet. Die Galerie riet ausdrücklich dazu, nicht auf die Nachricht zu antworten und sie zu löschen.
Damit steht fest, dass der prominente Name der Künstlerin und die angebliche Zusammenarbeit mit der Galerie ohne deren Zustimmung verwendet wurden. Nicht geklärt ist bislang, wer hinter den Nachrichten steht. Ebenso gibt es keinen Beleg dafür, dass der genannte NFT-Marktplatz in den Vorgang involviert ist. Auch dessen Name könnte lediglich dazu gedient haben, dem Angebot einen technisch plausiblen Rahmen zu geben.
Kein Einzelfall
Der Fall steht exemplarisch für eine Masche, mit der Künstler seit Längerem konfrontiert werden. Der Berufsverband Bildender Künstler Berlin berichtet von mehreren verdächtigen Anfragen angeblicher Sammler, die Werke als NFTs erwerben wollten, ohne sich zuvor konkret mit der künstlerischen Arbeit auseinanderzusetzen. In einem dokumentierten Fall wurden ebenfalls ein real existierender Name, eine professionell wirkende Website und ein bevorstehender Termin genutzt, um eine hohe Vorauszahlung und eine schnelle Entscheidung zu erreichen.
Auch international warnen Galerien vor vergleichbaren Formen des Identitätsmissbrauchs. White Cube weist darauf hin, dass Betrüger Namen von Galeriemitarbeitern verwenden, um Zahlungen, hochauflösende Bilddateien oder persönliche Daten zu verlangen. Typische Warnzeichen seien kostenlose Mailadressen, unerwartete Ausstellungsangebote, Gebührenforderungen und Links zu nachgebauten Websites.
Das FBI warnt ebenfalls vor Tätern, die sich als seriöse NFT-Entwickler oder Projektverantwortliche ausgeben. Dazu werden nahezu identische Accounts und gefälschte Internetseiten eingesetzt. Wer dort seine Kryptowallet verbindet, kann im schlimmsten Fall unbemerkt eine Transaktion autorisieren, durch die Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte abgezogen werden.
Anerkennung als Einfallstor
Die Angebote folgen meist einem ähnlichen Muster. Am Anfang steht eine unerwartete Kontaktaufnahme mit überschwänglichem Lob für die fotografische Arbeit. Es folgen große Namen, internationale Reichweite und ein außergewöhnlich hoher Ankaufspreis. Die Informationen zur Ausstellung bleiben dagegen vage. Erst im weiteren Verlauf wird deutlich, dass der Künstler zunächst selbst zahlen, eine Wallet verbinden oder eine unbekannte Plattform nutzen soll.
Besonders wirksam ist die emotionale Komponente. Fotografen, die ihre Arbeiten öffentlich präsentieren, sind empfänglich für ernst gemeinte Anerkennung, Ausstellungsangebote und neue Vertriebswege. Die Betrüger nutzen dieses berechtigte Interesse und verbinden es mit Zeitdruck, technischen Begriffen und vermeintlich professionellen Verträgen.
Entscheidend ist daher eine einfache Regel: Ein angeblicher Käufer, der den Künstler vor dem Ankauf zu einer hohen Zahlung verpflichtet, ist kein vertrauenswürdiger Geschäftspartner. Unerwartete Anfragen sollten stets über die offiziellen Kontaktdaten der genannten Galerie, Institution oder Person überprüft werden. Mailadressen aus der ursprünglichen Nachricht reichen hierfür nicht aus.
Solange die Identität des Absenders, der Veranstalter und die Zahlungswege nicht unabhängig bestätigt sind, sollten weder Geld noch hochauflösende Bilddaten, Ausweiskopien oder Zugangsdaten übermittelt werden. Auch eine Kryptowallet sollte niemals über einen Link aus einer unverlangt zugesandten Nachricht verbunden werden. Gerade weil Kryptotransaktionen nur schwer rückgängig zu machen sind, kann bereits der erste vermeintliche Minting-Schritt zum endgültigen Verlust des eingesetzten Geldes führen.
Abb. oben: KI-generiert













