Mit der Vintage Paper Berlin bekommt die Hauptstadt im September einen neuen Treffpunkt für historische Fotografie und Papierkultur. Am 18. und 19. September 2026 versammelt der kuratierte Salon rund 45 internationale Antiquariate, Galerien und Verlage im Kulturquartier Alte Münze in Berlin-Mitte. Im Mittelpunkt stehen Originale auf Papier – von frühen fotografischen Zeugnissen über seltene Archive bis zu künstlerischen Positionen der Nachkriegszeit.
- Charles Kroehle, Ethnographic studies
Anders als klassische Fotokunstmessen setzt Vintage Paper Berlin bewusst auf die Nachbarschaft unterschiedlicher Sammelgebiete. Fotografie trifft auf Antiquariat, Plakatkunst, Grafik und zeitgenössische Papierarbeiten. Damit rückt nicht allein das Bildmotiv, sondern auch das fotografische Objekt in den Blick: Papier, Abzug, Provenienz und Überlieferung werden Teil der Geschichte, die ein Werk erzählt.
Von Amazonas-Expeditionen bis zur DDR-Provinz
Zu den fotohistorisch besonders interessanten Angeboten gehören Arbeiten des britischen Händlers Roland Belgrave Vintage Photography. Er bringt unter anderem ethnografische Porträtstudien nach Berlin, die Charles Kroehle zwischen etwa 1888 und 1891 im peruanischen Amazonasgebiet aufgenommen hat. Einen deutlichen zeitlichen und ästhetischen Kontrast bildet Marta Hoepffners Farbinterferenzarbeit „Rhythmisches Raster“von 1972, die exemplarisch für die experimentelle Fotografie der Nachkriegszeit steht.
Ebenfalls historisch bemerkenswert sind frühe Aufnahmen Giorgio Sommers vom Vesuvausbruch um 1872, angeboten von K.T. Dechant aus Lüchow. Sie gehören zu den frühen Beispielen fotografischer Katastrophenreportage und zeigen, wie schnell das noch junge Medium auch zur visuellen Dokumentation zeitgeschichtlicher Ereignisse eingesetzt wurde.
Ein besonderes Konvolut präsentiert das Berliner Antiquariat Karajahn. Rund 480 Originalfotografien dokumentieren eine österreichisch-ungarische Luftschiffer-Einheit in Triest während der Jahre 1915 bis 1917. Das nahezu vollständig erhaltene Ensemble verbindet Fotografie-, Militär- und Technikgeschichte und bietet zugleich einen seltenen visuellen Einblick in die Frühphase der militärischen Luftfahrt.
Aus deutlich jüngerer Zeit stammt ein Bestand von Helmut Raddatz, den Bartko & Reher aus Berlin zeigen. Die Laboraufnahmen aus dem DDR-Alltag der frühen 1980er-Jahre dokumentieren die visuelle Kultur der ostdeutschen Provinz jenseits offizieller Bildwelten und gewinnen gerade durch ihren alltäglichen Charakter historischen Wert.
Fotografie als Objektgeschichte
Der Ansatz der Vintage Paper Berlin geht damit über den reinen Verkauf einzelner Bilder hinaus. Veranstalter Michael Schrottmeyer beschreibt Fotografie auf Papier ausdrücklich als Objektgeschichte: Wer historische Abzüge zeigt, erzählt zugleich etwas darüber, wie Bilder hergestellt, überliefert, gesammelt und bewahrt wurden. Die rund 45 Aussteller wurden kuratorisch ausgewählt; die Veranstaltung versteht sich weniger als klassische Handelsmesse denn als Mischung aus Ausstellung, Sammlertreffen und Diskursraum.
Gerade die Verbindung mit anderen Papiermedien dürfte dabei interessante Querverbindungen eröffnen. Historische Fotografien stehen neben neu interpretierten Brokatpapieren des Schweizer Verlags Rothe Drucke oder Übermalungen des Malers Strawalde. Das erweitert den Blick auf Fotografie um Fragen der Materialität und macht sichtbar, dass Bilder nicht nur als Motive, sondern immer auch als physische Objekte gesammelt werden.
Zeitlich liegt der Salon unmittelbar im Umfeld der Rare Book Week Berlin und erweitert deren klassisch bibliophilen Fokus um Fotografie, Grafik und zeitgenössische Kunst auf Papier.
Vintage Paper Berlin
Die Vintage Paper Berlin findet am Freitag, 18. September, von 9 bis 19 Uhr und am Samstag, 19. September 2026, von 9 bis 17 Uhr im Kulturquartier Alte Münze statt. Der Besuchereingang befindet sich am Molkenmarkt 31 in Berlin-Mitte.
Foto oben: KaraJahn, Luftschiffer Sammlung
















