Vom 6. September bis 15. November 2026 zeigt die von Freddy Langer kuratierte Ausstellung internationale Künstlerinnen, die in ihren Arbeiten zugleich vor und hinter der Kamera agieren – als Modell, Fotografin und Regisseurin ihrer eigenen Bilder.
Das Selbstporträt ist dabei nur der Ausgangspunkt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Künstlerinnen den eigenen Körper und die eigene Identität einsetzen, um Rollenbilder, gesellschaftliche Zuschreibungen und persönliche Erfahrungen sichtbar zu machen. „self on stage“ versteht Selbstinszenierung entsprechend nicht als beiläufiges Spiel mit dem eigenen Bild, wie es heute in sozialen Netzwerken allgegenwärtig ist, sondern als bewusst eingesetzte künstlerische Strategie.
- Foto: Martina Stapf
Das Selbst als Bühne
Der historische Bezug ist dabei ausdrücklich Teil des Konzepts. Rund fünf Jahrzehnte nach dem Aufbruch von Künstlerinnen wie Valie Export, Annegret Soltau, Ulrike Rosenbach oder Gabriele Stötzer fragt die Ausstellung danach, wie eine jüngere Generation das Thema Selbstinszenierung weiterführt. Während sich frühere Positionen unmittelbar an gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen und patriarchalen Strukturen abarbeiteten, öffnet sich das Feld heute für eine deutlich größere Bandbreite individueller und gesellschaftlicher Fragestellungen.
Gerade darin liegt die Spannung der Ausstellung. Denn die Inszenierung des eigenen Körpers war für Künstlerinnen lange alles andere als eine selbstverständliche Form der Selbstdarstellung. Sie konnte zugleich Mittel der Befreiung, der Provokation und der Konfrontation sein. Künstlerinnen übernahmen Kamera, Kostüm, Requisite und Licht selbst und entzogen damit zumindest für den Moment die Kontrolle über ihr Bild dem Blick von außen.
- Foto: Melanie Issaka
Die Presseinformation des Museums beschreibt, wie sich Künstlerinnen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit visuellen Metaphern gegen ihnen zugeschriebene Rollen wandten. Körper wurden verschnürt, verpackt oder verdreht, um Schönheitsideale und gesellschaftliche Erwartungen bildlich zuzuspitzen. Dass vergleichbare Strategien in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systemen entstanden, wertet die Ausstellung nicht als formale Wiederholung, sondern als Ausdruck eines ähnlichen Bedürfnisses nach Selbstbehauptung und Befreiung.
Zwischen Selbstbestimmung und Selbstbild
Der Titel „self on stage“ verweist zugleich auf eine Gegenwart, in der Selbstinszenierung längst zum Alltag gehört. Instagram und andere Plattformen haben die Produktion und Veröffentlichung des eigenen Bildes demokratisiert und zugleich banalisiert. Fast jede Aufnahme kann heute als kleine öffentliche Inszenierung gelesen werden.
- Foto: Grit Reiss
Die Ausstellung setzt dieser permanenten digitalen Selbstdarstellung eine künstlerische Praxis gegenüber, in der die Inszenierung nicht Selbstzweck ist. Das eigene Bild wird vielmehr zum Material, mit dem Vorstellungen von Weiblichkeit, Körper, Identität und gesellschaftlicher Rolle untersucht werden.
Damit berührt „self on stage“ eine der interessantesten Fragen zeitgenössischer Fotografie: Wer bestimmt eigentlich, wie wir gesehen werden? Und verändert sich ein Bild grundsätzlich, wenn die Person vor der Kamera zugleich diejenige ist, die es konzipiert und kontrolliert?
24 internationale Positionen
Die Auswahl umfasst 24 Künstlerinnen: Kirsten Becken, Kincsö Bede, Katharina Bosse, Elina Brotherus, Susan Copich, Rachel Feinstein, Marie Foissey, Melanie Issaka, Cloe Jancis, Susanne Junker, Tarrah Krajnak, Lia Sophie Laukant, Michala Norup, Loreal Prystaj, Grit Reiss, Alicia Rodriguez Alvisa, Nina Röder, Kourtney Roy, Corinne Rusch, Emma Sarpaniemi, Annegret Soltau, Martina Stapf, Lilith Terra und Isabelle Wenzel.
Kuratiert wurde „self on stage“ von dem Journalisten und Fotografie-Experten Freddy Langer. Die Ausstellung wird am Sonntag, 6. September, um 11.30 Uhr eröffnet. Die Begrüßung übernimmt Museumsleiter Dr. Stephan Mann, die Einführung Freddy Langer. Zu sehen ist die Schau anschließend bis zum 15. November 2026 im Museum Goch.
Foto oben: Cloe Jancis


















