Mit „Work Hard, Don’t Lie, And Try Not To Hurt Anybody“ zeigt das Fotografie Forum Frankfurt bis zum 17. Januar 2027 die bislang umfangreichste Ausstellung des Tänzers, Choreografen und Fotokünstlers Tony Rizzi. Die Schau spannt einen Bogen von frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen über Polaroids und Fotocollagen bis zu aktuellen Videoarbeiten.
- Tony Rizzi, Beth and Inma, 1995
Tony Rizzi kam 1985 nach Frankfurt und arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte eng mit William Forsythe am Ballett Frankfurt. Parallel zur Bühne entwickelte sich die Fotografie für ihn zu einer eigenständigen Ausdrucksform. Vor allem seine Aufnahmen aus den 1980er- und 1990er-Jahren dokumentieren das Leben hinter den Kulissen des Ensembles, Tourneen, Freundschaften, Liebesbeziehungen und eine eng verbundene künstlerische Gemeinschaft.
- Tony Rizzi, Shoulder Blades, 1994
- Tony Rizzi, Life in a Trash Can, 1989
- NNNN (Georg Reischel, Ander Zabala, Cyril Baldy, Amancio Ganzdez), William Forsythe / Ballett Frankfurt, 2003 Video still © Tony Rizzi, 2026
Die Fotografien sind dabei weniger distanzierte Beobachtungen als Teil eines gemeinsamen Lebens. Rizzi hält Proben und Performances ebenso fest wie Partys, intime Begegnungen und private Momente. Auch Erfahrungen mit Aids, Verlust und Tod sowie das Leben innerhalb der Frankfurter queeren Szene werden Bestandteil eines sehr persönlichen Bildarchivs.
Eine zentrale Rolle spielen Rizzis Polaroids und die daraus entwickelten Collagen. Sein Interesse galt dabei von Beginn an weniger dem einzelnen perfekten Bild als dem Versuch, Zeit, Bewegung und Beziehungen innerhalb eines Raumes sichtbar zu machen. Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der erstmals öffentlich gezeigten Installation „Living Room“, die aus mehr als 6.000 Polaroids besteht und ursprünglich über Jahre hinweg die Wände seiner Wohnung bedeckte.
- Tony Rizzi, Legs and Lilies, 2003
- Tony Rizzi, Gian Maria and Sunflower, 2001
- Tony Rizzi, Detail, 1995
Auch die eigene Familie wird zum wiederkehrenden Motiv. Für „Last Portrait of My Mother“ fotografierte Rizzi 2026 seine Mutter Verna während ihrer letzten Lebenstage. Aus den digitalen Aufnahmen entwickelte er eine großformatige Collage, die zugleich an seine früheren Polaroidarbeiten anknüpft. Rizzis Mutter war über Jahre Muse, Mitwirkende seiner Performances und eine zentrale Figur seines künstlerischen Lebens.
Kuratorin Celina Lunsford sichtete für die Ausstellung gemeinsam mit Rizzi ein Archiv von mehr als 10.000 Bildern. Teile seiner Frankfurter Wohnung wurden dabei konzeptionell in die Präsentation übertragen: Neben dem „Living Room“ wird auch Rizzis Küche zum autobiografischen Ausstellungsraum – jener Ort, an dem nach eigener Aussage viele seiner Ideen entstanden.
Begleitend erscheint die erste Monografie über Rizzis fotografisches Werk. Die limitierte Publikation umfasst Arbeiten von 1986 bis heute sowie Texte von William Forsythe, Celina Lunsford, Tamàs Gèza Moricz und Tony Rizzi. Die Gestaltung stammt vom Frankfurter Studio Markus Weisbeck.
Tony Rizzi – Work Hard, Don’t Lie, And Try Not To Hurt Anybody ist noch bis zum 17. Januar 2027 im Fotografie Forum Frankfurt zu sehen. Begleitend finden Künstlergespräche, Workshops, Führungen und Begegnungen mit Tony Rizzi statt.
Foto oben: Tony Rizzi, An accident, 1996






















