Nach 13 Jahren im agra-Park in Markkleeberg bei Leipzig hat das Deutsche Fotomuseum am 27. September 2026 seine Türen geschlossen. Vorausgegangen war ein länger andauernder Konflikt zwischen der Stadt Markkleeberg und dem Trägerverein über Finanzierung, Besucherzahlen und die zukünftige Ausrichtung des Hauses. Offen ist vor allem, was nun mit der umfangreichen Sammlung aus rund 70.000 Fotografien und mehreren tausend historischen Kameras geschieht.
Das Deutsche Fotomuseum war seit 2013 in einem markanten Gebäude im agra-Park untergebracht. Der 1997 errichtete Bau mit seiner zentralen Rotunde war ursprünglich Teil des Deutschen Landwirtschaftsmuseums. Seine spiralförmig angelegten Ausstellungsebenen boten später den Rahmen für eine Dauerausstellung zur Geschichte der Fotografie sowie zahlreiche Sonderausstellungen.
Nach Angaben des Museums wurden in den vergangenen 13 Jahren 46 Sonderausstellungen realisiert. Zu den präsentierten Fotografen gehörten unter anderem Man Ray, Helmut Newton und Frank Horvat. Zuletzt waren anlässlich seines 100. Geburtstags Aktfotografien von Günter Rössler zu sehen.
Streit um Konzept und Finanzierung
Die Schließung kam nicht überraschend. Bereits 2025 hatte die Stadt Markkleeberg die Zukunft des Hauses zur Diskussion gestellt und vom Betreiberverein ein Konzept für die weitere Entwicklung verlangt. Nach Darstellung der Stadt gingen die Besucherzahlen von 8.608 im Jahr 2019 auf 3.620 im Jahr 2024 zurück. Gefordert wurden unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit mit Schulen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie eine professionellere museale Struktur.
Der Stadtrat beschloss schließlich, das Mietverhältnis zum Ende des Jahres 2026 zu beenden. Die Stadt verwies dabei auch auf die finanziellen Belastungen des Gebäudes und die notwendige Weiterentwicklung des Museums. Noch Anfang 2026 wurde eine Dachsanierung des städtischen Hauses beschlossen.
Der Trägerverein Kamera- und Fotomuseum Leipzig bewertet die Situation anders. Museumsleiter Andreas J. Mueller verwies wiederholt auf die Bedeutung der Institution und den Publikumszuspruch bei den Sonderausstellungen. Nach Darstellung des Museums soll das Gebäude künftig für andere kulturelle Zwecke der Stadt genutzt werden.
Von der Kamerasammlung zum Fotomuseum
Die Geschichte der Sammlung reicht deutlich weiter zurück als der Standort Markkleeberg. Ihre Ursprünge liegen in der privaten Kamerasammlung des Leipziger Fotografen Peter Langner. Ende der 1980er-Jahre wurde sie erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Nach Langners Tod führten Kerstin Langner und Andreas J. Mueller die Sammlung weiter und erweiterten das Konzept zunehmend um historische und künstlerische Fotografie. 2013 erfolgte der Umzug nach Markkleeberg und die Umbenennung in Deutsches Fotomuseum.
Das Haus verband damit zwei Bereiche, die in Fotomuseen nicht selbstverständlich gemeinsam auftreten: die Technikgeschichte der Kamera und die Geschichte des fotografischen Bildes. Die Dauerausstellung „Fotofaszination“ führte durch die Entwicklung der Fotografie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Sammlung ohne neues Zuhause
Besonders problematisch ist die bislang ungeklärte Zukunft des Bestandes. Nach Angaben des Museums umfasst die Sammlung rund 70.000 Fotografien und etwa 3.000 historische Kameramodelle aus drei Jahrhunderten, hinzu kommen weitere Objekte und Dokumente zur Fotogeschichte. Für diese Bestände gibt es bislang keinen öffentlich bekannten neuen Standort.
Museumsleiter Mueller erklärte gegenüber dem MDR, zunächst müsse eine provisorische Unterbringung gefunden werden. Wie und wo die Sammlung künftig öffentlich zugänglich sein könnte, ist offen.
Damit bedeutet die Schließung zunächst mehr als den Verlust eines Ausstellungsortes. Eine über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung zur deutschen und internationalen Fotografiegeschichte verliert ihre institutionelle Heimat – zumindest vorerst. Ob daraus an anderer Stelle ein neuer Anfang entstehen kann, dürfte davon abhängen, ob sich für Bestand, Finanzierung und Präsentation ein tragfähiges Konzept findet.















