Mit „Aus heiterem Himmel“ präsentiert die Kunststiftung DZ BANK vom 15. Oktober 2026 bis 30. Januar 2027 in Frankfurt die Ergebnisse ihrer Förderstipendien 2025/2026. Im Mittelpunkt stehen neue Arbeiten von Sven Johne und Kirsten Justesen, ergänzt um Werke von Rosa John, Kristina Õllek und Lena von Goedeke. Gemeinsam zeigen sie, wie weit sich das Fotografische heute über klassische Bildformen hinaus in Richtung Installation, Video, Skulptur und forschungsbasierte Praxis geöffnet hat.
- Kristina Õllek und Kert Viiart-Õllek, As the Earliest Carrier Emerges, 2024/2026,
Die Kunststiftung DZ BANK vergibt ihre Förderstipendien alle zwei Jahre an Künstler, die sich mit Praktiken des Fotografischen auseinandersetzen und dabei bewusst Gattungsgrenzen überschreiten. Eine siebenköpfige Jury schlägt Kandidaten vor, aus bis zu 70 Bewerbungen werden zwei Preisträger ausgewählt. Sie erhalten jeweils 15.000 Euro, um innerhalb eines Jahres ein Projekt umzusetzen oder einen bestehenden Werkkomplex weiterzuentwickeln.
2025/2026 fiel die Wahl auf Sven Johne und Kirsten Justesen. Die während des Förderjahres entstandenen Arbeiten wurden für die Sammlung erworben. Darüber hinaus fanden mit Rosa John, Kristina Õllek und Lena von Goedeke weitere Bewerber Eingang in den Bestand. Gemeinsam verbindet die Arbeiten der Bezug zum Fotografischen sowie die Auseinandersetzung mit Themen wie Körper und Konflikt, Kosmos und Kreatur.
Zwischen Dokument und Fiktion
Sven Johne, 1976 auf Rügen geboren, verbindet in seinen Arbeiten gesellschaftliche und historische Fragestellungen mit dokumentarischen und fiktionalen Strategien. In Foto-Text-Arbeiten, Kurzfilmen und Videoinstallationen beschäftigt er sich immer wieder mit sozialen Verwerfungen und politischen Umbrüchen. Für seine Projekte nutzt er häufig Mischformen zwischen dokumentarischer Recherche und literarischer Konstruktion.
- Lena von Goedeke, Mouches Volantes IV, 2024/2026, aus der Serie: Mouches Volantes, © Lena von Goedeke, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
- Rosa John, Ohne Titel, aus der Serie: Anleitung für eine Kamera, 2016–2021/2026, © Rosa John, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Kirsten Justesen, Jahrgang 1943, gehört zur dänischen Avantgarde seit den 1960er Jahren. Ausgehend von klassischer Bildhauerei entwickelte sie ein medienübergreifendes Werk zwischen Körperkunst, Performance, Skulptur, Fotografie und Installation. Körper, Zeit, Prozess und Aktion bilden dabei zentrale Bezugspunkte.
Körper, Raum und Macht
In der Ausstellung treffen sehr unterschiedliche künstlerische Positionen aufeinander. Sven Johne verbindet menschliche Überreste der rund 3.300 Jahre zurückliegenden Tollense-Schlacht mit dem gegenwärtigen Krieg in der Ukraine. Kristina Õllek und Kert Viiart-Õllek hinterfragen menschliche Machtansprüche aus der Perspektive einer Rippenqualle. Lena von Goedeke erweitert die Beziehung von Körper, Raum und Kontrolle bis in den Kosmos und arbeitet dabei unter anderem mit Lichtspuren von Satelliten.
Rosa John wiederum beschäftigt sich mit der Vorgeschichte der Fotografie und untersucht Sonnenlicht als Rohstoff fotografischer Prozesse. Ihre Arbeiten reichen von physikalischen Experimenten jenseits klassischer Kameratechnik bis zu Untersuchungen dessen, was im Inneren der Kamera geschieht.
- Sven Johne, Alina, 2026 (Standbild, Detail), VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Förderung mit Langzeitwirkung
Das Stipendienprogramm reicht bis in die Anfänge der Sammlung zurück. Seit 1993 haben mehr als 50 Künstler daran teilgenommen. Viele frühere Stipendiaten tauchen später erneut in thematischen Ausstellungen der Kunststiftung auf – ein Hinweis darauf, dass das Förderprogramm nicht nur kurzfristige Projektarbeit ermöglicht, sondern Positionen langfristig in neue Zusammenhänge einbindet.
Die Sammlung der DZ BANK umfasst mittlerweile rund 11.000 Exponate. Ihr Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischen künstlerischen Praktiken des Fotografischen, verstanden nicht nur als Medium, sondern als Denk-, Wahrnehmungs- und Bildraum. Neben klassischen fotografischen Arbeiten gehören deshalb auch dreidimensionale Werke, Video, Film und Sound zum Bestand.
Begleitend zur Ausstellung bietet die Kunststiftung Führungen, Workshops und Gesprächsformate an. Ein eigens zusammengestellter Handapparat mit Büchern und Bildbänden zu den beteiligten Künstlern ist ebenfalls Teil des kostenfreien Vermittlungsprogramms.
Foto oben: Kirsten Justesen, VG Bild-Kunst, Bonn 2026



















