Mit „Helmut Newton’s Early Books“ widmet sich die Berliner Newton Foundation vom 3. Dezember 2026 bis zum 16. Mai 2027 den ersten drei Bildbänden des Fotografen. Mehr als 200 Fotografien sowie originale Buchentwürfe und Arbeitsabzüge zeigen, wie Newton seine Bildsprache zwischen Mode, Porträt und Akt entwickelte – und im Fotobuch einen eigenständigen Ausdruck fand. Anlass ist das 50-jährige Jubiläum seines ersten Buches.
„White Women“, „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“: Die drei zwischen 1976 und 1981 erschienenen Publikationen markieren eine entscheidende Phase in Helmut Newtons Karriere. Sie verdichteten seine Arbeit für internationale Magazine zu sorgfältig komponierten Bildbänden und trugen dazu bei, seine Fotografien über den ursprünglichen Veröffentlichungskontext hinaus bekannt zu machen.
- Helmut Newton, Elsa Peretti as a Bunny, New York 1975
Die neue Ausstellung der Newton Foundation führt mehr als 200 Aufnahmen aus diesen Büchern zusammen. Im Mittelpunkt steht Newtons Werk der 1970er- und frühen 1980er-Jahre – jene Zeit, in der sich die Verbindung von Mode, Körper und provokanter Inszenierung zu seiner unverwechselbaren fotografischen Sprache entwickelte.
Dabei geht es auch um einen Wechsel des Mediums: Was zunächst für eine Zeitschriftenstrecke entstand, erhielt durch die Auswahl und Anordnung im Buch einen anderen Zusammenhang. Newton bereitete jede der drei Publikationen selbst präzise vor. Die Bildbände lassen sich deshalb zugleich als eigenständige Arbeiten betrachten, in denen Reihenfolge, Gegenüberstellung und Rhythmus die Wahrnehmung der einzelnen Fotografien mitbestimmen.
Vom Magazin zum eigenen Buch
Nachdem Newton 1975 begonnen hatte, seine Fotografien auch in Galerien auszustellen, erschien 1976 mit „White Women“ sein erster Bildband. In Frankreich wurde das Buch unter dem Titel „Femmes Secrètes“ veröffentlicht. Es brachte Aufnahmen zusammen, in denen die Grenzen zwischen Modefotografie und Akt zunehmend durchlässig wurden.
Für die Betrachtung dieser Bilder bleibt entscheidend, wie eng Kleidung, Körperhaltung und Umgebung miteinander verbunden sind. Mode erscheint bei Newton als Teil einer Inszenierung, die über die Präsentation eines Kleidungsstücks hinausweist. Seine Fotografien legen Situationen nahe, deren Vorgeschichte und Fortsetzung offenbleiben. Gerade diese erzählerischen Leerstellen machen sie auch außerhalb einer Modestrecke interessant.
- Helmut Newton, (Henrietta) Nude in Seaweed, Saint-Tropez 1981
Mit „Sleepless Nights“ folgte 1978 der zweite Bildband. Er erweitert die Auseinandersetzung mit Körpern, Rollen und Inszenierungen. Zu seinen irritierenden Motiven gehören Schaufensterpuppen, deren Erscheinung die Unterscheidung zwischen lebendigem Modell und künstlicher Figur erschwert. Die fotografische Oberfläche wird damit selbst zum Gegenstand der Betrachtung: Was wirkt authentisch, was ist arrangiert – und wie zuverlässig ist der erste Blick?
1981 erschien „Big Nudes“. Die großformatigen Aktaufnahmen gehören bis heute zu Newtons bekanntesten Arbeiten. Ihre Wirkung beruht wesentlich auf der Präsenz der Figuren und auf dem Verhältnis zwischen fotografiertem Körper, Bildformat und Betrachter. Im Zusammenhang der drei Bücher wird sichtbar, wie konsequent Newton unterschiedliche Formen der Inszenierung erprobte.
Ein Blick auf die Entstehung
Die Berliner Präsentation beschränkt sich nicht auf die Fotografien an den Wänden. In Vitrinen werden originale Maquetten der Bücher mit unterschiedlichen Coverentwürfen gezeigt. Hinzu kommen kleinformatige Arbeitsabzüge und mittelgroße, zu Newtons Lebzeiten entstandene Prints, die vermutlich als Vorlagen für die damalige Druckproduktion dienten.
Damit öffnet die Ausstellung eine zweite Ebene: Neben dem fertigen Bild wird der Weg zur Publikation sichtbar. Ein Coverentwurf zeigt, wie ein Buch nach außen positioniert werden sollte; ein Arbeitsabzug verweist auf Auswahl und Vorbereitung. Für Fotografen, die selbst an einer Publikation arbeiten, liegt darin ein besonderer Reiz. Das Fotobuch erscheint als Ergebnis vieler aufeinander abgestimmter Entscheidungen.
Die an den Wänden präsentierten Fotografien wurden für das ursprüngliche Ausstellungskonzept als moderne Ausstellungsprints hergestellt. Sie sind deshalb von den ebenfalls gezeigten historischen Arbeits- und Lifetime-Abzügen zu unterscheiden. Zu Newtons Lebzeiten waren die frühen Bildwelten der drei Bücher nicht gemeinsam in dieser Form ausgestellt worden.
- Helmut Newton, Security New York II, New York City 1977
Neue Fragen an bekannte Bilder
Die Wiederbegegnung mit Newtons Werk findet heute unter veränderten Vorzeichen statt. Stiftungsdirektor Matthias Harder verbindet die Präsentation ausdrücklich mit einer erneuten Diskussion über Bildinhalte und Sprache. Auch ein Begleitprogramm soll dieser Auseinandersetzung Raum geben.
Der gegenüber der ursprünglichen Ankündigung veränderte Ausstellungstitel „Helmut Newton’s Early Books“ lenkt den Blick stärker auf die Publikationen als Ausgangspunkt. Damit verbindet sich eine produktive Perspektive: Die Bücher dokumentieren fotografische Entscheidungen und zeigen zugleich, wie Bilder im Laufe der Zeit anders gelesen werden können.
Neuauflage zum Jubiläum
Zur Ausstellung kündigt die Stiftung eine nahezu faksimilierte, erstmals dreisprachige Neuausgabe des lange nicht mehr erhältlichen ersten Bildbandes im TASCHEN Verlag an. Die internationale Re-Edition erscheint unter dem Titel „Femmes Secrètes“ und enthält einen erweiterten Text von Philippe Garner.
So ergänzen sich Ausstellung und Buch: Die Präsentation macht Bildwirkung und Entstehungsmaterialien im Raum erfahrbar, während die Neuauflage die ursprüngliche Abfolge der Fotografien erneut zugänglich macht.
„Helmut Newton’s Early Books“ wird am 2. Dezember 2026 eröffnet und ist vom 3. Dezember 2026 bis zum 16. Mai 2027 in der Newton Foundation im Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, 10623 Berlin, zu sehen.
Foto oben: Helmut Newton, Karl Lagerfeld, Paris 1976



















