C/O Berlin präsentiert vom 7. Februar bis 10. Juni 2026 die Ausstellung „Graciela Iturbide. Eyes to Fly With“ im Amerika Haus.
Es ist die erste große Retrospektive der 1942 in Mexiko geborenen Fotografin in Berlin und bietet einen umfassenden Einblick in ein Werk, das über fünf Jahrzehnte hinweg die Wahrnehmung Mexikos und seiner Menschen entscheidend mitgeprägt hat.

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden und vereint ikonische Serien mit selten oder bislang nie gezeigten Aufnahmen. Der Titel „Eyes to Fly With“ verweist auf ein Selbstporträt Iturbides und beschreibt Fotografie als Mittel, die Welt zu erkunden, sich zu befreien und neue Perspektiven zu eröffnen. Iturbides Bildsprache verbindet dokumentarische Präzision mit poetischer Offenheit – ihre Fotografien suchen das Intime im Gesellschaftlichen und das Symbolische im Alltäglichen.
Ein zentrales Thema der Retrospektive ist die Darstellung von Frauen und ihrer gesellschaftlichen Rolle. In der Serie „Juchitán de las Mujeres“ über die Zapoteken in Oaxaca zeigt Iturbide eine soziale Struktur, in der Frauen zentrale wirtschaftliche und öffentliche Positionen einnehmen und gängige Geschlechterbilder herausfordern. Das Projekt steht exemplarisch für ihr Interesse an weiblicher Selbstbestimmung und kultureller Vielfalt.

Weitere Werkgruppen führen in andere Regionen und Kontexte. In den 1970er- und 1980er-Jahren fotografierte Iturbide die nomadische Gemeinschaft der Seri im Nordwesten Mexikos. Mit „La Matanza“ dokumentierte sie das rituelle Ziegenschlachten in der Mixteca-Region und macht sichtbar, wie Kolonialismus, Ritual, Überleben und Tod ineinandergreifen. In den USA entstand mit „White Fence“ ein Langzeitprojekt über Cholos und Cholas, eine mexikanisch-amerikanische Subkultur, die sich unter anderem in East Los Angeles entwickelte.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet Iturbides fotografische Annäherung an die Casa Azul, das berühmte Blaue Haus von Frida Kahlo. Jahrzehnte nach Kahlos Tod fotografierte sie dort verbliebene persönliche Gegenstände und spürt einer Präsenz nach, die zwischen Erinnerung, Schmerz und Selbstbehauptung oszilliert. Ergänzt wird die Retrospektive durch selten gezeigte Aufnahmen von Reisen nach Indien und Bangladesch.
Mit rund 250 Werken – darunter zahlreiche Vintage-Prints, Kontaktabzüge, selten gezeigte Farbaufnahmen sowie Schwarz-Weiß-Fotografien – zeichnet die Ausstellung die Entwicklung von Iturbides visueller Sprache nach: von sozial und kulturell kontextualisierten Serien hin zu einer zunehmend introspektiven, fast meditativen Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Spiritualität. Kuratiert wurde die Schau von Sophia Greiff (C/O Berlin) und der Gastkuratorin Melissa Harris.









