Mit der Ausstellung „In the Picture – Porträtfotografie aus der Sammlung“ richtet das Museum Schloss Moyland den Blick auf eines der zentralen Genres der Fotografie: das Porträt.
Bis 19. April 2026 werden rund 380 Fotografien gezeigt, von denen mehr als 300 erstmals öffentlich zu sehen sind. Damit öffnet das Haus nach rund drei Jahrzehnten wieder umfassend seine eigene fotografische Sammlung und macht deren historische wie künstlerische Bandbreite sichtbar.
- P.M.G.M. van Haaren, Frauenporträt, 1890
- James Mitchell Elliot, Kinderportraet mit Puppe, um 1920
- Hermann Tietz, Porträt stehender Herr mit Zylinder, um 1900
Die Schau knüpft an den in den vergangenen Jahren konsequent verfolgten fotografischen Schwerpunkt des Museums an, der bereits mit Ausstellungen zu Positionen wie Elina Brotherus oder Alice Springs internationale Aufmerksamkeit erzeugte. „In the Picture“ erweitert diesen Fokus nun um eine tiefgreifende Bestandsaufnahme der eigenen Sammlung, die von den Brüdern van der Grinten über fünf Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde und heute mehr als 15.000 Fotografien umfasst. Innerhalb dieses Konvoluts nehmen Porträts mit etwa 1.300 Werken eine besondere Stellung ein.
- Atelier Rembrandt, Kind mit Tennisschläger, um 1904
- anonym, Frau in blauem Kleid stehend in Kulisse, um 1880
Kuratorisch gliedert sich die Ausstellung in zwei große Erzählstränge. Im linken Teil des Erdgeschosses stehen repräsentative Porträts aus der Zeit von etwa 1860 bis in die 1930er-Jahre im Mittelpunkt. Sie dokumentieren das bürgerliche Bedürfnis nach Sichtbarkeit, Status und gesellschaftlicher Verortung. Kleidung, Pose und Inszenierung folgen klaren Konventionen und spiegeln zugleich die sozialen Ordnungen ihrer Entstehungszeit. Fotografie erscheint hier als Medium der Beglaubigung, als visuelles Dokument einer als stabil verstandenen Identität.
Dem gegenüber entfalten sich im rechten Gebäudeteil Porträts der 1920er-Jahre bis in die Gegenwart, die sich zunehmend von rein dokumentarischen Ansprüchen lösen. Mit der technischen Weiterentwicklung der Fotografie und dem Einfluss moderner Kunstströmungen wird das Gesicht zur Projektionsfläche, das Bild zur Interpretation. Licht, Kontrast und Komposition gewinnen an Autonomie, Intimität und Abstraktion treten nebeneinander. Das Porträt wird hier zum künstlerischen Experimentierfeld und zur Reflexion über Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Die Auswahl der vertretenen Künstlerinnen und Künstler verdeutlicht diese Spannweite eindrucksvoll. Namen wie August Sander, Man Ray oder Madame d’Ora stehen neben Positionen der Gegenwart und machen deutlich, wie sich der fotografische Blick auf das Individuum über mehr als ein Jahrhundert hinweg verändert hat. Die Ausstellung ist damit nicht nur eine kunsthistorische Übersicht, sondern auch eine visuelle Untersuchung gesellschaftlicher Rollenbilder und Selbstentwürfe.
Begleitend zur Ausstellung setzt das Museum auf ein vielfältiges Vermittlungsprogramm. Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Fotokurse, öffentliche Führungen in mehreren Sprachen sowie thematische Abende eröffnen unterschiedliche Zugänge zum Thema Porträt. Eine Fotostation im Turmraum lädt Besucherinnen und Besucher zudem dazu ein, selbst Teil der Ausstellung zu werden und ihr eigenes Bild mit nach Hause zu nehmen. Damit wird das Porträt nicht nur betrachtet, sondern aktiv erlebt.
Foto oben: Ellen Auerbach, Renate Schottelius, New York, 1954


















