Die Michael Horbach Stiftung in Köln zeigt mit „Die Magie des Stillens“ vom 5.Juli bis 30.August 20*26 eine Ausstellung aus der Sammlung Michael Horbach, die ein universelles Motiv fotografisch in den Blick nimmt: die Beziehung zwischen Mutter und Kind im Moment des Stillens. Parallel dazu präsentiert die Stiftung mit „Shades of Feeling“ die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe „Mosaik“.
„Einen gestillten Säugling zu betrachten, heißt, dem Glück ansichtig zu sein“, heißt es im Katalogtext von Thomas Linden. Die Ausstellung nähert sich dem Stillen jedoch nicht als idealisiertem Mutterbild, sondern als sozialer, körperlicher und alltäglicher Realität. Der überwiegende Teil der gezeigten Fotografien entstand in Südamerika und zeigt Frauen und Kinder häufig in prekären Lebensverhältnissen.

Fotos: Raul Cañibano, Manuel Almenares
Gerade darin liegt die besondere Spannung des Ausstellungskonvoluts. Das Stillen erscheint nicht als entrückter, intimer Augenblick außerhalb der Welt, sondern als Handlung mitten im Leben: auf der Straße, im Gespräch mit Nachbarn, beim Essen, im Lärm des Alltags. Die Mütter lachen, wirken abgelenkt, selbstbewusst oder erschöpft. Manche Bilder zeigen Nähe und Geborgenheit, andere die beiläufige Selbstverständlichkeit einer Geste, die zugleich existenziell und alltäglich ist.
Dabei öffnet die Ausstellung auch einen kritischen Blick auf die Gegenwart. Wenn Frauen beim Stillen zugleich auf ihr Mobiltelefon schauen, wird sichtbar, wie sich digitale Bilder und mediale Ablenkung selbst in elementare Formen körperlicher Nähe einschieben. Das Motiv des Stillens wird so nicht nur zur Darstellung von Fürsorge, sondern auch zum Bild einer Welt, in der Intimität, Öffentlichkeit und mediale Gegenwart zunehmend ineinander übergehen.
Für Michael Horbach ist die Ausstellung zugleich eine Hommage an Mütter weltweit. Besonders richtet sich der Blick auf Frauen, die ihre Kinder unter schwierigen sozialen Bedingungen oder alleinerziehend großziehen. Die Fotografien würdigen damit nicht nur eine biologische und emotionale Beziehung, sondern auch eine gesellschaftliche Leistung, die oft unsichtbar bleibt.
Zu den in der Ausstellung vertretenen Positionen zählen unter anderem Arbeiten von Loridana Nemes, Juan Carlos Alom, Raul Cañibano und Manuel Almenares. Ihre Bilder verbinden dokumentarische Beobachtung mit einer humanistischen Perspektive, die den Menschen nicht ausstellt, sondern seine Lebensrealität ernst nimmt.
Parallel dazu zeigt die Michael Horbach Stiftung mit „Shades of Feeling“ die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe „Mosaik“. Kuratiert von Pari Moradi, versammelt die Schau Zeichnungen von fünf Künstlern aus Deutschland, Spanien und dem Iran. Kleine, reduzierte Arbeiten beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Gefühlen, Stimmungen und inneren Zuständen.
„Shades of Feeling“ setzt auf leise Gesten, Linien, Zwischentöne und Formen der Andeutung. Zwischen Sichtbarem und Verborgenem entsteht ein Raum für Empfindungen, die sich nicht eindeutig festlegen lassen. Die Ausstellung versteht sich als Annäherung an das, was sich zeigt – und an das, was im Schatten bleibt.
Mit beiden Präsentationen verbindet die Michael Horbach Stiftung zwei unterschiedliche, aber thematisch berührende Perspektiven: die fotografische Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Fürsorge und sozialer Wirklichkeit auf der einen Seite, die zeichnerische Erkundung innerer Stimmungen und emotionaler Nuancen auf der anderen. Gemeinsam verweisen sie auf die Kraft der Bilder, existentielle Erfahrungen sichtbar zu machen, ohne sie vollständig erklären zu müssen.
Fotos oben: Loridana Nemes (links), Juan Carlos Alom
*Michael Horbach Stiftung, Wormser Straße 23, 50677 Köln










