Das Museum Ludwig in Köln widmet Man Ray und seiner berühmten Muse Kiki de Montparnasse eine konzentrierte Präsentation in den Fotoräumen. Im Zentrum steht „Le Violon d’Ingres“ von 1924 – eines der ikonischen Werke des Surrealismus und zugleich ein Schlüsselbild der Fotografiegeschichte. Die Ausstellung läuft vom 31. Oktober 2026 bis 13. Juni 2027.
- Man Ray Selbstporträt mit Kamera, 1932
Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert bis heute. In wechselnden Präsentationen stellt das Haus daraus thematische Zusammenhänge und einzelne Positionen vor.
Eine Ikone des Surrealismus
„Le Violon d’Ingres“ zeigt Alice Prin, besser bekannt als Kiki de Montparnasse, als Rückenakt. Man Ray ergänzte in der Dunkelkammer die Schalllöcher einer Geige auf ihrem Rücken und verwandelte ihren Körper damit visuell in ein Musikinstrument. Die Idee verweist zugleich auf den klassizistischen Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres und dessen Leidenschaft für das Geigenspiel.
Der im Museum Ludwig gezeigte Abzug stammt aus der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber. Es handelt sich um eine von Man Ray eigenhändig signierte spätere Reproduktion jener Fassung, die 2022 als teuerste jemals versteigerte Fotografie Schlagzeilen machte.
- Man Ray Kiki, 1925
- Man Ray Le Violon d’Ingres, 1924
- Man Ray Ohne Titel (Solarisierter Rückenakt), 1929
Kiki de Montparnasse
Alice Prin wuchs in Armut auf und wurde in Paris als Sängerin, Schauspielerin, Malerin und Modell bekannt. 1921 begegnete sie Man Ray; beide wurden ein Paar. Während ihrer achtjährigen Beziehung fotografierte Man Ray sie immer wieder, häufig als Akt oder in engen Porträts. „Le Violon d’Ingres“ wurde zum bekanntesten Bild dieser Zusammenarbeit.
Die Präsentation richtet damit den Blick nicht nur auf Man Ray, sondern auch auf die Rolle Kikis als eigenständige Figur der Pariser Avantgarde.
Zwei Urfassungen
Von „Le Violon d’Ingres“ existieren zwei Urfassungen. In der ersten malte Man Ray die Schalllöcher direkt auf den Fotoabzug. Diese Version wurde 1924 von André Breton in der surrealistischen Zeitschrift „Littérature“ veröffentlicht und befindet sich heute im Centre Pompidou in Paris.
Für die zweite Fassung arbeitete Man Ray mit einer Schablone und kombinierte in der Dunkelkammer ein Fotogramm mit einem Print des Rückenakt-Negativs. Der Kölner Abzug ist eine spätere Reproduktion dieser zweiten Version.
- Man Ray Tristan Tzara, 1931
- Man Ray Kiki, 1926
Gruber-Sammlung und Fotomarkt
Der Abzug gelangte 1977 mit der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber ins Museum Ludwig. Man Ray signierte ihn mit „E.A. Man Ray“ – „Épreuve d’artiste“, also Künstlerabzug. Solche Abzüge sind auf dem Sammlermarkt besonders begehrt.
Wie viele Abzüge des Motivs insgesamt existieren, ist bis heute Gegenstand der Forschung. Die Präsentation nimmt deshalb nicht nur die Entstehung des Bildes in den Blick, sondern auch dessen Rezeptionsgeschichte und die Entwicklung des Fotomarktes sowie Man Rays zunehmende Anerkennung als Fotokünstler.
Ergänzt wird „Le Violon d’Ingres“ durch weitere Fotografien Man Rays von Alice Prin sowie durch Archivalien aus dem Man Ray – L. Fritz Gruber-Archiv und historische Bild- und Tonaufnahmen.
Kuratiert wird die Präsentation von Miriam Szwast.
Man Ray: Kiki
31. Oktober 2026 bis 13. Juni 2027
Museum Ludwig, Köln
Foto oben: Man Ray Larmes, um 1930






















