Was macht eine Fotografie eigentlich zu einer „echten“ Fotografie? Dieser Frage geht das Museum für Fotografie in Berlin mit der Ausstellung „Echt Foto! Fotografie zwischen Papier und Pixel“ nach. Vom 4. Dezember 2026 bis 18. April 2027 spannt die Schau einen Bogen von frühen fotografischen Verfahren bis zu vollständig KI-generierten Bildern – und rückt dabei Materialität, Authentizität und Dauerhaftigkeit fotografischer Bilder in den Mittelpunkt.
- Willi Ruge, Elly Ruge, um 1947
Fotografie als Objekt
In einer zunehmend digitalen Bildwelt begegnet Fotografie meist auf Displays. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass ihre Geschichte immer auch eine Geschichte von Materialien, handwerklichen Verfahren und physischen Objekten ist.
„Echt Foto!“ richtet den Blick deshalb bewusst auf die materielle Seite des Mediums: auf Glas und Papier, Kupferplatten und Textilien, Fotoalben, Bücher, Magazine und andere Formen, in denen Fotografien erscheinen. Entscheidend ist dabei nicht allein, was ein Bild zeigt, sondern auch, wie und worauf es existiert.
- Hermann Lehmann, Diesige Luft, 1923
Von der Camera obscura bis zur KI
Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Fotografie von den frühen Versuchen, das flüchtige Bild der Camera obscura dauerhaft festzuhalten, bis zu aktuellen Bildern, die zwar fotografisch erscheinen, aber vollständig von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden.
Dazwischen präsentiert sie eine Vielzahl fotografischer Verfahren und Bildträger. Zu sehen sind auch Objekte aus der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, die aus konservatorischen Gründen nur selten öffentlich gezeigt werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf historischen Verfahren und Materialien. Bildträger von der Kupferplatte bis zum Seidentuch verdeutlichen, wie sehr technische Möglichkeiten und ästhetische Erscheinungsformen miteinander verbunden sind. Zugleich zeigt die Ausstellung, wie zeitgenössische Künstler analoge Verfahren wieder aufgreifen und weiterentwickeln.
- Eva Stenram, drape-cavalcade-III, 2012
Wenn das Material sichtbar wird
Knicke, Risse, Verfärbungen oder Fehlstellen machen Fotografien als physische Objekte sichtbar. Wo normalerweise das Motiv dominiert, tritt plötzlich das Material selbst in den Vordergrund.
Auch zahlreiche zeitgenössische Positionen beschäftigen sich gezielt mit dieser Ebene der Fotografie. Sie experimentieren mit Fotopapieren, chemischen Prozessen, Überlagerungen oder Schichtungen und machen die Herstellung des Bildes zum Gegenstand ihrer Arbeit.
Fotografie erscheint damit nicht nur als Träger einer Darstellung, sondern als eigenständiges Objekt mit Alterungsprozess, Oberfläche und materieller Geschichte.
Was ist echt?
Die Frage nach Authentizität erhält angesichts generativer KI eine neue Aktualität. „Echt Foto!“ setzt deshalb bewusst bei der analogen Sammlung der Kunstbibliothek an und betrachtet von dort aus die gegenwärtige Bilderwelt.
Dabei geht es weniger um eine nostalgische Gegenüberstellung von analog und digital als um grundsätzliche Fragen: Woher stammt ein Bild? Wie ist es entstanden? Was macht ein Original aus? Wie dauerhaft ist eine Fotografie – und woran lässt sich ihre Authentizität überhaupt erkennen?
Gerade Museen und fotografische Sammlungen übernehmen dabei eine besondere Rolle. Sie bewahren nicht nur Bilder, sondern auch Materialien, Verfahren und das Wissen darüber, wie fotografische Objekte entstanden sind.
- Atelier Waldemar Dahlloef, Sofia Wassiljewna Kowalewskaja, 1883-1885
Zeitgenössische Positionen
Leihgaben stammen unter anderem von Michael Ackerman, Maren Burghard, Sofia Crespo, Marta Djourina, Rodrigo Alcocer de Garay, Claus Goedicke, Atsushi Kakefuda, Katrin Kamrau, Bärbel Möllmann, Marie Rief, Eva Stenram, Sarah Straßmann, Emi Kusano und Maximilian Zeitler.
Begleitet wird die Ausstellung von Gesprächen, Führungen und Workshops. Einmal monatlich präsentieren die Kuratoren ausgewählte Objekte aus der Sammlung Fotografie, darunter großformatige Alben und historische Fotobetrachtungsapparate. Eine Workshop-Reihe in Kooperation mit analogNOW widmet sich zudem fotografischen Arbeitstechniken.
Zur Ausstellung erscheint im Deutschen Kunstverlag eine Publikation mit Texten von Katja Böhlau, Ludger Derenthal, Ute Famulla, Anika Meier, Moritz Wullen und Miriam Zlobinski.
Kuratiert wird „Echt Foto!“ von Katja Böhlau, Ludger Derenthal und Ute Famulla von der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin.
Echt Foto! Fotografie zwischen Papier und Pixel
4. Dezember 2026 bis 18. April 2027
Museum für Fotografie
Jebensstraße 2, Berlin
Foto oben: Underwood, SunSculpture, 1881-1940




















