Das Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt zeigt bis zum 7. Februar 2027 die Retrospektive „To See a Be To Hear a Moment“ von Katja Ruge. Fotografien aus drei Jahrzehnten verbinden die Geschichte elektronischer Musik und Clubkultur mit einer Arbeit, die zunehmend über das klassische Porträt hinausgeht.
- Bjoerk, 1993, © Katja Ruge
Björk, Beth Ditto, Aphex Twin, DJ Koze, Moby und Helena Hauff gehören zu den Musikern, die Katja Ruge seit den 1990er Jahren fotografiert hat. Ihre Bilder dokumentieren die internationale Musikszene aus einer Perspektive, die von persönlicher Nähe und eigener musikalischer Praxis geprägt ist. Die Hamburger Fotografin arbeitet zugleich als DJ und Kuratorin. Diese Tätigkeiten bilden auch den Hintergrund der Ausstellung im Frankfurter MOMEM.
„To See a Beat. To Hear a Moment“ versammelt einen Querschnitt ihres fotografischen Werks. Klassisch präsentierte Fotografien werden mit interaktiven und immersiven Projektionen kombiniert. Damit rückt die Ausstellung neben den porträtierten Musikern auch die Frage in den Mittelpunkt, wie sich musikalische Erfahrung in Bilder übersetzen und im Raum vermitteln lässt.
- Akua, 2023, © Katja Ruge
Prägend waren für Ruge ihre Jahre in Manchester während der Rave-Bewegung. An der Seite des Fotografen Peter J. Walsh lernte sie das Umfeld des Clubs Haçienda und des Labels Factory Records aus unmittelbarer Nähe kennen. Ihre Beschäftigung mit der Musikgeschichte der Stadt führte später zum Fotobuch „Fotoreportage 23 – In Search of Ian Curtis“. Ruges Fotografien erschienen unter anderem in Missy Magazine, Groove, Intro, Frontpage, Mixmag und The Guardian. Daneben arbeitet sie für Musiklabels.
Ein wiederkehrender Schwerpunkt ihres Werks ist die Sichtbarkeit von Frauen in der Musik. Für das 2009 begonnene Projekt „Ladyflash – Women in Music“, das 2016 mit mehr als 100 Porträts ausgestellt wurde, fotografierte sie Künstlerinnen, deren Bedeutung in Ausstellungen und öffentlichen Erzählungen häufig unterrepräsentiert war. Die Begegnung mit ihrem Gegenüber ist dabei wesentlich für ihre Arbeitsweise: „Ich verbinde und verbünde mich sofort mit meinem Gegenüber, wenn ich fotografiere.“
- KITTIN 2023, © Katja Ruge
Diese Haltung führt Ruge mit „Electric Lights – Women in Electronic Music“ weiter. Die von ihr entwickelte und kuratierte Reihe verbindet in den Planetarien von Berlin, Hamburg und Bochum fotografische Präsentationen mit DJ- und Live-Sets. Zu den beteiligten Künstlerinnen gehören unter anderem Lena Willikens, JakoJako, Nadia Struiwigh, Cinthie, Joyce Muniz und Anja Schneider.
Den Auftakt der Veranstaltungen bilden Ruges Porträts, die als Full-Dome-Projektionen gezeigt werden. Anschließend verbinden sich die Visuals der Planetarien mit eigens für diese Räume konzipierten musikalischen Sets. Fotografie wird damit Teil eines zeitlichen und räumlichen Erlebnisses: Bildauswahl, Projektion, Musik und Architektur bestimmen gemeinsam die Wahrnehmung.
- leaford Mods, 2013, Golden Pudel Club, copyright Katja Ruge
Auch außerhalb ihrer eigenen Projekte beschäftigt sich Ruge mit den Bedingungen kultureller Arbeit. Im Februar 2026 realisierte sie die erste FLINTA* Electronic Music Conference mit Workshops, Panels und DJ-Sets zu Sichtbarkeit, Vernetzung und Wissenstransfer. Als Mentorin und Dozentin vermittelt sie zudem fotografische Erfahrung an junge Fotografen und Kreative. Sie ist Mitglied im BFF, in der Deutschen Gesellschaft für Photographie und im Art Directors Club Deutschland.
In jüngerer Zeit erweitert Ruge ihre Arbeit um generative KI-Verfahren, die sie mit fotografischen Aufnahmen verbindet. Ausgangspunkt bleibt die Fotografie. Die Retrospektive macht so einen Werkzusammenhang sichtbar, in dem Musikporträt, dokumentarische Erfahrung und neue Präsentationsformen ineinandergreifen.
„Katja Ruge. To See a Beat. To Hear a Moment“ ist bis zum 7. Februar 2027 im MOMEM – Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt zu sehen.
Foto oben: Phono (Deichkind) © Katja Ruge




















