Zum 150. Geburtstag von August Sander widmet die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn dem bedeutenden deutschen Fotografen akzuell eine umfassende Werkschau. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2027 zu sehen und eröffnet anhand bekannter Meisterwerke und seltener Archivbestände neue Perspektiven auf sein fotografisches Schaffen.
- Renate Besgen für das Atelier August Sander: Im Luftschutzkeller, 1942/43
August Sander (1876–1964) zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Sein Werk, das mit dem monumentalen Porträtprojekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ internationale Bekanntheit erlangte, geht jedoch weit über die systematische Darstellung gesellschaftlicher Gruppen hinaus. Zum 150. Geburtstag des Fotografen zeigt die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn eine Ausstellung, die Sanders vielseitige Interessen, seine Arbeitsweise und seine künstlerische Entwicklung in den Mittelpunkt stellt.
Die Stiftung beherbergt seit 1992 das August Sander Archiv mit dem weltweit größten Bestand seiner Fotografien und Materialien. Fast sämtliche Exponate der Jubiläumsausstellung stammen aus diesem Fundus. Neben ikonischen Bildern werden selten präsentierte Aufnahmen gezeigt, darunter frühe Arbeiten aus seiner Zeit in Linz und fotografische Aufträge aus dem Westerwald. Sie ermöglichen es, Sanders Entwicklung vom professionellen Porträtfotografen zu einem der wichtigsten fotografischen Chronisten seiner Epoche nachzuvollziehen.
Ein besonderer Schwerpunkt gilt Köln, wo Sander mehr als drei Jahrzehnte lebte und arbeitete. Die Stadt war für ihn nicht nur wirtschaftlicher Standort, sondern auch ein kulturelles Umfeld, das sein fotografisches Werk wesentlich beeinflusste. Historische Architektur, rheinischer Karneval und die Begegnungen mit Künstlern der Kölner Progressiven fanden Eingang in sein Schaffen.
- August Sander: Der Dadaist Raoul Hausmann [mit Hedwig Mankiewitz und Vera Broïdo], 1929
Erstmals in diesem Umfang wird die zwischen 1930 und 1942/43 entstandene Bildgruppe „Lichtbildwerkstatt August Sander, Köln-Lindenthal“ präsentiert. Sie dokumentiert das Wohn- und Arbeitsumfeld der Familie und eröffnet einen ungewöhnlich persönlichen Blick auf den fotografischen Alltag Sanders.
Begleitend erscheint bei Schirmer/Mosel die Publikation „Wesen und Werden der Photographie“, die das fotografische Konvolut „Lichtbildwerkstatt August Sander, Köln-Lindenthal“ mit sechs Radiovorträgen verbindet, die Sander 1931 für die Westdeutsche Rundfunk AG (WERAG) verfasste und die damals ausgestrahlt wurden. In der Ausstellung sind die Texte in einer neu eingesprochenen Fassung zu hören. Sie vermitteln unmittelbar, wie Sander selbst über Fotografie und ihre gesellschaftliche Bedeutung dachte.
Seine Verbindung zur zeitgenössischen Kunst dokumentiert die Ausstellung anhand des Austauschs mit Franz Wilhelm Seiwert und Heinrich Hoerle. Sander fotografierte Werke der Kölner Progressiven, reproduzierte sie und besaß teilweise selbst Arbeiten der Künstler.
- August Sander: Mutter und Tochter, 1931
Menschen, Hände und Maschinen
Dass Sanders fotografisches Interesse weit über das klassische Porträt hinausreichte, zeigen die Werkgruppen „Studien“, „der Mensch“ und „Mensch und Maschine“. Sie beschäftigen sich mit Körperlichkeit, Arbeit und dem Verhältnis zwischen Mensch und technisierter Umwelt. Besonders die menschliche Hand erscheint dabei als wiederkehrendes Motiv, das individuelle Eigenschaften ebenso sichtbar macht wie gesellschaftliche Zusammenhänge.
Eine weitere Facette bilden Sanders Landschafts- und Naturfotografien. Seine Herkunft aus dem Westerwald blieb für ihn zeitlebens prägend. Immer wieder fotografierte er dort Menschen und Landschaften, später auch entlang des Rheins, im Siebengebirge und in der Eifel. Als er 1942/43 kriegsbedingt Köln verließ und nach Kuchhausen übersiedelte, kehrte er dauerhaft in die Region seiner Herkunft zurück. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1964.
- August Sander: Zauberer, 1930
Ein ungewöhnlicher Blick auf Sardinien
Ein eigenständiges Kapitel der Ausstellung widmet sich Sanders einziger Auslandsreise. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Ludwig Mathar bereiste er 1927 Sardinien, um Material für ein geplantes Buchprojekt zu sammeln, das letztlich nicht verwirklicht wurde.
Während der Reise entstanden mehr als 300 Negative. Sie zeigen Landschaften, Architektur und Menschen einer Insel, die damals touristisch noch kaum erschlossen war. Das Konvolut dokumentiert Sanders ausgeprägtes Interesse an Lebensräumen und kulturellen Eigenheiten jenseits seiner bekannten Gesellschaftsporträts.
Das fotografische Vermächtnis neu entdecken
Die Kölner Jubiläumsausstellung macht deutlich, dass August Sanders Bedeutung nicht allein in seinen berühmten Porträts liegt. Sein Werk verbindet genaue Beobachtung, gesellschaftliches Interesse und einen konsequent dokumentarischen Ansatz. Die Zusammenstellung bekannter und selten gezeigter Arbeiten ermöglicht es, diese Vielschichtigkeit neu zu entdecken.
Die Ausstellung wird von der Kunststiftung NRW gefördert und ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 50-jährigen Bestehen der Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn.
Foto oben: August Sander: Am Lufthammer, 1938
Alle Fotos: © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ausstellung: August Sander – Zum 150. Geburtstag
Ort: Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, Köln
Laufzeit: 11. September 2026 bis 24. Januar 2027
Besucherinformation: Die Ausstellung ist in der Photographischen Sammlung, Im Mediapark 7, 50670 Köln, zu sehen. Geöffnet täglich von 14 bis 19 Uhr, außer mittwochs. Am ersten Donnerstag im Monat ist der Eintritt frei, dann bis 21 Uhr geöffnet.
Offizielle Website: photographie-stiftungkultur.de
Ausstellungsinformationen: stiftungkultur.de/aktuell




















