World Press Photo erweitert seinen Wettbewerb 2027 um sechs Auszeichnungen für Natur- und Sportfotografie. Damit reagiert die Organisation auf eine Entwicklung, die seit der Einführung des regionalen Wettbewerbsmodells 2022 zu beobachten ist: Beide fotografischen Genres waren unter den prämierten Arbeiten zuletzt deutlich seltener vertreten.
Mit dem World Press Photo Nature Award und dem World Press Photo Sports Award führt die Stiftung zwei zusätzliche Auszeichnungen ein, die Natur- und Sportfotografie wieder stärker in den Mittelpunkt des internationalen Wettbewerbs rücken sollen. Jeweils drei Preise werden künftig in beiden Bereichen vergeben.
Hintergrund ist die Neustrukturierung des World Press Photo Contest im Jahr 2022. Damals wurden die bisherigen thematischen Kategorien zugunsten eines regional organisierten Wettbewerbsmodells aufgegeben. Ziel war es, die geografische Vielfalt der prämierten Arbeiten zu erhöhen und fotografische Geschichten aus möglichst vielen Teilen der Welt sichtbar zu machen. Eine unbeabsichtigte Folge war jedoch, dass bestimmte Bereiche der journalistischen und dokumentarischen Fotografie seltener ausgezeichnet wurden.
Insbesondere Natur- und Sportfotografie fehlten nach Einschätzung der Organisation zunehmend unter den Gewinnern. Sowohl Ausstellungsbesucher als auch Partner aus der Fotobranche hatten wiederholt auf diese Lücke hingewiesen.
„Natur- und Sportfotografie sind integrale Bestandteile des Fotojournalismus und der dokumentarischen Fotografie“, erklärt Joumana El Zein Khoury, Geschäftsführerin von World Press Photo. Beide Genres eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf die Welt, von der Beziehung zwischen Menschen und Tieren und ihren gemeinsamen Ökosystemen bis zu den menschlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Dimensionen des Sports.
Naturfotografie zwischen Ökologie und Zusammenleben
Der neue World Press Photo Nature Award konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und den Ökosystemen, die sie gemeinsam bewohnen. Im Mittelpunkt stehen fotografische Geschichten über Artenvielfalt, Naturschutz, Anpassungsprozesse, ökologische Regeneration und das Zusammenleben von Mensch und Tier.
Ein besonderes Anliegen ist die Förderung eines lösungsorientierten Fotojournalismus. Ausgezeichnet werden sollen Arbeiten, die nicht ausschließlich ökologische Bedrohungen dokumentieren, sondern auch Möglichkeiten des Zusammenlebens, der Wiederherstellung natürlicher Lebensräume und des verantwortungsvollen Umgangs mit der Umwelt sichtbar machen.
Dabei zieht World Press Photo eine bewusste Grenze zur klassischen Umwelt- und Krisenberichterstattung. Fotografische Arbeiten über die globale Klimakrise oder schwerwiegende Umweltverschmutzung bleiben weiterhin Teil der regulären Wettbewerbskategorien Singles, Stories und Long-Term Projects.
Entscheidend für den neuen Nature Award sind neben hoher fotografischer Qualität vor allem erzählerische Tiefe und die Fähigkeit, komplexe Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Umwelt verständlich zu vermitteln.
Sportfotografie über den entscheidenden Moment hinaus
Auch der neue World Press Photo Sports Award verfolgt einen ausdrücklich journalistischen Ansatz. Er würdigt nicht nur spektakuläre sportliche Höchstleistungen oder den entscheidenden Augenblick eines Wettkampfs, sondern ebenso die gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen des Sports.
Das Spektrum reicht von internationalen Großereignissen und individuellen sportlichen Leistungen über gesellschaftspolitische Konflikte und Proteste bis hin zu lokalen Sporttraditionen und dem alltäglichen Vereinsleben.
Damit soll Sportfotografie nicht allein als visuell eindrucksvolle Aktionsfotografie verstanden werden. Vielmehr geht es um Bilder und Geschichten, die über das unmittelbare sportliche Ereignis hinausreichen und Einblicke in soziale Zusammenhänge ermöglichen.
Sechs zusätzliche Auszeichnungen ohne eigene Einreichungskategorien
Anders als bei den früheren thematischen Wettbewerbskategorien müssen Fotografen ihre Arbeiten für die neuen Preise nicht gesondert einreichen.
Die internationale Jury wählt jeweils drei ausgezeichnete Arbeiten aus den regulären Einreichungen der Kategorien Singles und Stories aller Wettbewerbsregionen aus. Insgesamt kommen damit sechs zusätzliche Auszeichnungen hinzu.
Die regional organisierte Wettbewerbsstruktur bleibt bestehen. Die neuen Preise sollen deren geografische Vielfalt mit einer stärkeren Berücksichtigung zweier traditionell bedeutender Genres des Fotojournalismus verbinden.
Ein Schritt zur größeren fotografischen Vielfalt
Mit der Einführung der beiden Awards korrigiert World Press Photo eine erkennbare Schwäche seiner 2022 eingeführten Wettbewerbsstruktur, ohne zum früheren Kategoriensystem zurückzukehren. Die zusätzlichen Preise schaffen neue Sichtbarkeit für Genres, die im internationalen Bildjournalismus seit jeher eine wichtige Rolle spielen.
Gleichzeitig unterstreicht die Organisation, dass fotografische Qualität allein nicht ausreicht: Entscheidend bleiben gesellschaftliche Relevanz, journalistischer Kontext und eine überzeugende visuelle Erzählweise.
Der World Press Photo Contest 2027 öffnet am 1. Dezember 2026 für Einreichungen. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen und zum Einreichungsverfahren will die Organisation am 3. November veröffentlichen.
















