Mit „Femmes secrètes“ erscheint bei TASCHEN Helmut Newtons erstes Fotobuch aus dem Jahr 1976 in einer internationalen Neuausgabe. Der Band dokumentiert den Aufstieg des Fotografen zu einer der prägenden Figuren der modernen Modefotografie. Parallel widmet die Berliner Helmut Newton Stiftung seinen frühen Büchern ab Dezember eine Ausstellung.
Ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstveröffentlichung gehört Helmut Newtons Fotobuchdebüt zu den Schlüsselwerken der Modefotografie des 20. Jahrhunderts. Unter den Titeln „White Women“ und „Femmes secrètes“ erschien 1976 eine Bildsammlung, mit der Newton seine fotografische Handschrift erstmals in einer eigenständigen Buchpublikation verdichtete. Nun liegt das Werk in einer neuen, mehrsprachigen Edition vor.
Newtons Fotografien brachen mit den bis dahin verbreiteten Konventionen der Modeinszenierung. Statt Kleidung möglichst vorteilhaft zu präsentieren, entwickelte er Szenen, in denen Mode, Erotik, soziale Rollen und Machtverhältnisse miteinander verschmolzen. Seine Protagonistinnen erscheinen selbstbewusst und unnahbar, ihre Umgebung ist geprägt von exklusiven Hotels, luxuriösen Interieurs, eleganten Automobilen und privaten Rückzugsorten.
Dabei interessierte Newton weniger die bloße Darstellung von Schönheit als das Spiel mit Erwartungen. Seine Fotografien erzeugen Spannung durch bewusst arrangierte Situationen, subtile Irritationen und einen Humor, der sich häufig erst auf den zweiten Blick erschließt.
Zwischen Glamour und Inszenierung
Zu den Persönlichkeiten, die Newtons Bildwelt jener Jahre prägten, gehörten Paloma Picasso, Veruschka und Elsa Peretti ebenso wie Karl Lagerfeld, David Hockney und Charlotte Rampling.
Die Fotografien zeigen, wie Newton die Grenzen zwischen Mode-, Porträt- und Aktfotografie verschob. Der menschliche Körper wird dabei zum Teil einer umfassenden Inszenierung, in der Kleidung, Räume, Gesten und Blicke gleichberechtigt an der Bildwirkung beteiligt sind.
Die provokante Wirkung dieser Arbeiten lässt sich allerdings nicht allein auf ihre erotische Offenheit reduzieren. Newton verhandelte in seinen Fotografien auch gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit, Selbstbestimmung und Dominanz. Gerade diese Ambivalenz erklärt, weshalb sein Werk bis heute zugleich Bewunderung und kritische Diskussionen auslöst.
Was in den 1970er-Jahren als bewusster Tabubruch wahrgenommen wurde, lässt sich heute auch als Dokument eines veränderten gesellschaftlichen Blicks lesen. Die neue Ausgabe eröffnet damit nicht nur einen Zugang zu Newtons fotografischer Ästhetik, sondern ebenso zur Kulturgeschichte seiner Zeit.
Ein Klassiker
Die Jubiläumsausgabe bewahrt die Bildauswahl und Reihenfolge der Originalpublikation. Ergänzt wird sie durch persönliche Gedanken Newtons und die ursprüngliche Einleitung des Fotografiehistorikers Philippe Garner.
Garner, der Newton 1975 persönlich kennenlernte und später Vizepräsident der Helmut Newton Stiftung wurde, hat für die Neuausgabe außerdem eine Rückschau auf die Entstehung des Buches und dessen Wirkungsgeschichte verfasst.
Gemeinsam mit Matthias Harder, Direktor der Helmut Newton Stiftung in Berlin, zeichnet Garner für die Publikation verantwortlich. Die mehrsprachige Ausgabe in Deutsch, Englisch und Französisch richtet sich damit sowohl an Kenner von Newtons Werk als auch an Leser, die seinen Einfluss auf die zeitgenössische Modefotografie neu entdecken möchten.
Ausstellung in Berlin
Begleitend zur Wiederveröffentlichung zeigt die Helmut Newton Stiftung die Ausstellung „Helmut Newton’s Early Books“. Vom 2. Dezember 2026 bis zum 16. Mai 2027 stehen dort Newtons frühe Buchpublikationen und ihre Bedeutung für die Entwicklung seines fotografischen Werks im Mittelpunkt.
Gerade seine Fotobücher waren für Newton mehr als bloße Zusammenstellungen bereits veröffentlichter Magazinaufnahmen. Sie boten ihm die Möglichkeit, Bilder unabhängig vom ursprünglichen redaktionellen Kontext zu präsentieren und durch Auswahl, Abfolge und Gestaltung eine eigene Bildwelt entstehen zu lassen.
„Femmes secrètes“ markiert den Beginn dieser Entwicklung und dokumentiert zugleich einen entscheidenden Moment in der Geschichte der modernen Modefotografie.
Helmut Newton: Femmes secrètes
Herausgegeben von Matthias Harder und Philippe Garner. TASCHEN, 2026. Hardcover, 132 Seiten, dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch). ISBN 978-3-7544-0785-1. Preis laut Pressemitteilung: 50 Euro.
Ausstellung: Helmut Newton’s Early Books, Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, Berlin. Eröffnung am 2. Dezember 2026, regulär zu sehen vom 3. Dezember 2026 bis 16. Mai 2027.
Weitere Informationen: taschen.com


























