Der Fotomarkt hat 2025 seine widersprüchliche Entwicklung fortgesetzt. Während die Nachfrage nach Imaging-Produkten in Stückzahlen wieder gewachsen ist, blieb die wertmäßige Entwicklung laut Ringfoto insgesamt stabil bis rückläufig.
Vor allem das klassische Premiumsegment mit Systemkameras und Wechselobjektiven stand unter Druck. Zugleich zeigten kompakte Kameras, Drohnen, Action- und Gimbalcams, Speicherkarten, Sofortbildprodukte und Fotodienstleistungen, dass der Markt keineswegs stagniert, sondern sich neu sortiert.

Quelle der Marktdaten ist Ringfoto. Der Verbund beschreibt den Fotogesamtmarkt inklusive Drohnen für 2025 wertmäßig als stabil auf Vorjahresniveau. In Stückzahlen legte der Markt dagegen um 5,8 Prozent zu. Das bedeutet: Es wurden mehr Produkte verkauft, im Durchschnitt aber weniger hochpreisige. Genau darin liegt die zentrale Verschiebung des Jahres.
Systemkameras
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Systemkameras. Der Markt verlor in diesem Bereich wertmäßig 5,7 Prozent, im Fotofachhandel sogar 7,8 Prozent. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach Stückzahlen stabil beziehungsweise leicht positiv. Dahinter steht ein Trend zu günstigeren Systemkameras und Modellen mit kleineren Sensoren. Der Markt bewegt sich damit stärker in Richtung Einstieg, Kompaktheit und Erreichbarkeit, während das hochpreisige Premiumsegment weniger Dynamik zeigte.
Für den Fachhandel ist das ambivalent. Einerseits bleiben Systemkameras die wichtigste und umsatzstärkste Warengruppe. Andererseits zeigt sich, dass Wachstum nicht mehr automatisch aus immer teureren Kameras entsteht. Wer neue Zielgruppen erreichen will, muss stärker über Beratung, Anwendungsszenarien, Content Creation, Video, Zubehör und Service kommen.
Kompaktkameras
Deutlich positiver entwickelte sich das Segment der Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv. Ringfoto verweist hier auf eine anhaltend hohe Nachfrage, die teilweise über dem verfügbaren Angebot lag. Treiber sind die bewusste Abgrenzung zum Smartphone, der Wunsch nach entschleunigterem Fotografieren, bessere Zoom- und Bildqualitätsmöglichkeiten sowie der Einfluss von Social Media. Ringfoto konnte in diesem Segment ein starkes Wachstum erzielen: Der Umsatz stieg um 20,87 Prozent, die Stückzahlen um 13,04 Prozent.
Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits seit einiger Zeit sichtbar ist: Kompaktkameras sind zurück, allerdings nicht als Massenprodukt der Vordigitalzeit, sondern als bewusst gewählte Alternative zum Smartphone. Sie stehen für Haptik, Stil, Bildwirkung und eine andere Form fotografischer Aufmerksamkeit. Gerade für jüngere Zielgruppen ist das attraktiv.
Objektivmarkt

Der Objektivmarkt entwickelte sich dagegen rückläufig. Im Gesamtmarkt sank der Wert um 4,5 Prozent, im Fotofachhandel um 3,7 Prozent. Auch die Stückzahlen gingen zurück. Der Grund liegt nahe: Wenn weniger hochpreisige Systemkameras verkauft werden und sich ein Teil der Nachfrage in Richtung Kompaktkameras und Drohnen verschiebt, sinkt auch der Bedarf an Wechselobjektiven. Zudem kaufen viele Einsteiger zunächst mit Kit- oder Standardzoom und investieren später, wenn überhaupt, selektiver in zusätzliche Optiken.
Drohnen

Einen deutlichen Akzent setzte 2025 das Drohnensegment. Während der Gesamtmarkt wertmäßig nur um rund zwei Prozent zulegte, konnte der Fotofachhandel nach Ringfoto-Angaben mit plus 26,3 Prozent deutlich Marktanteile gewinnen. Das zeigt, dass Drohnen im Fachhandel nicht nur ein Randprodukt sind, sondern ein Beratungsfeld mit wachsender Bedeutung. Gerade hier spielen Erklärung, rechtliche Einordnung, Zubehör, Service und Produktverfügbarkeit eine wichtige Rolle
Zubehör
Auch Speicherkarten entwickelten sich positiv. Mit steigenden Anforderungen moderner Foto- und Videokameras wächst der Bedarf an schnellen und zuverlässigen Speichermedien. Ringfoto verzeichnete in diesem Bereich ein Umsatzplus von 13,11 Prozent und ein Stückzahlplus von 12,47 Prozent. Für den Fachhandel ist das ein klassisches Zusatzgeschäft, aber ein wichtiges: Speichermedien, Akkus, Taschen, Reader, Licht, Audio und Zubehör können sinkende Margen im Kamerageschäft teilweise abfedern.
Sonstiges
Besonders dynamisch war 2025 auch Sofortbild. In einer zunehmend digitalen Bildwelt wächst offenbar der Wunsch nach physischen, einmaligen Bildern. Ringfoto meldet bei Sofortbildkameras ein Umsatzplus von 46,63 Prozent und ein Stückzahlplus von 33,22 Prozent. Auch Sofortbildfilme legten mit plus 45,26 Prozent im Wert und 33,22 Prozent in Stückzahlen stark zu. Der Trend zur analogen und haptischen Fotografie bleibt damit ein wichtiger emotionaler Gegenpol zum digitalen Bilderstrom.
Parallel gewinnt das Dienstleistungsgeschäft weiter an Bedeutung. Passbild, Studiofotografie, Fotobuch und weitere Services zeigten sich laut Ringfoto stabil beziehungsweise wachstumsfähig. Besonders alfo.passbild hat sich nach Unternehmensangaben seit dem Start im Mai 2025 erfolgreich etabliert. Mehr als drei Millionen Passbilder wurden innerhalb von zwölf Monaten über die Cloudlösung des Fotofachhandels von deutschen Ämtern abgerufen. Damit bleibt das Passbildgeschäft trotz zunehmender Konkurrenz durch Selbsterfassungsterminals ein wichtiger Frequenzbringer für den stationären Handel.
alfo.marketplace

Strategisch setzt Ringfoto daher auf eine Kombination aus stationärer Stärke und digitaler Infrastruktur. Mit alfo.marketplace wurde am 17. Juni 2026 eine neue Plattform für den Online-Fotofachhandel live geschaltet. Sie soll den angeschlossenen Fachhändlern ermöglichen, Produkte online an Endverbraucher zu verkaufen, wobei die regionale Nähe des Händlers ein zentrales Kriterium bleibt. Ergänzt wird dies durch integrierte Webshops, alfo.fotobuch, alfo.passbild, die Ringfoto Academy App und die Automatisierung des Logistikzentrums, die am 1. Juli 2026 starten soll.
Auch die Eigenmarkenstrategie wird ausgebaut. Voigtländer behauptete 2025 seine Position im Segment manueller Festbrennweiten. Mit dem Portrait Heliar 75 mm F1.8 und der Fernglas-Serie Voigtländer VIENNA wurde das Portfolio erweitert. Zugleich soll alfo.essentials als neue Convenience- und Zubehörmarke zusätzliche Impulse im stationären Handel setzen.
Ringfoto-Zahlen
Ringfoto erzielte 2025 einen Umsatz von 466,8 Millionen Euro. Das sind 26,1 Millionen Euro weniger als im Vorjahr und entspricht einem Rückgang von 5,29 Prozent. Der Lagerumsatz, also das Geschäft mit Ware, die über das Ringfoto-Lager läuft, lag bei 369,7 Millionen Euro und damit 5,4 Prozent unter Vorjahr. Besonders stark war der Rückgang bei Systemkameras, wo Ringfoto ein Minus von 11,7 Prozent nennt.
Der Ringfoto-Konzernumsatz, also inklusive der Tochtergesellschaften in Österreich und den Niederlanden, lag bei 580,2 Millionen Euro. Das sind 29,2 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Der Außenumsatz der Mitglieder, also der Umsatz, den die angeschlossenen Händler insgesamt im Markt erzielen, lag dennoch bei rund 1,511 Milliarden Euro. Das zeigt die Größe und Marktbedeutung des Verbunds, auch wenn das Jahr rückläufig war.
Wichtig ist zudem: Ringfoto blieb profitabel. Der Jahresüberschuss lag bei 1,7 Millionen Euro. Zusätzlich wurden 16,5 Millionen Euro Boni und Rückvergütungen an die Mitglieder ausgeschüttet. Rechnet man auch die durchgereichten Lieferantenboni hinzu, flossen den Mitgliedern insgesamt 24,768 Millionen Euro zu. Vereinfacht gesagt: Der Umsatz ging zurück, aber die Verbundgruppe konnte weiterhin Erträge erwirtschaften und ihre Händler finanziell unterstützen.
Zum Jahresende 2025 zählte Ringfoto 916 Mitglieder mit 1.109 Vertriebsstellen, davon 243 im europäischen Ausland. Die Zahl der Gesellschafter und Partner ging zurück, die wirtschaftliche Bedeutung des Verbunds bleibt jedoch hoch. Ringfoto spricht selbst von einem Marktanteil von nahezu 70 Prozent im Bereich Digitalkameras und Objektive nach Wert. Damit ist die Entwicklung der Gruppe zugleich ein wichtiger Gradmesser für den Zustand des Fotofachhandels insgesamt.
Das Fazit fällt daher differenziert aus: 2025 war kein Wachstumsjahr für den klassischen Kameramarkt. Es war aber auch kein Krisenjahr der Fotografie. Vielmehr zeigt sich ein Markt im Umbau. Premium-Systemkameras und Objektive stehen unter Druck, während kompakte Kameras, Drohnen, Sofortbild, Zubehör, Services und digitale Plattformmodelle neue Dynamik bringen. Für den Fachhandel entscheidet sich die Zukunft daran, ob er diese Verschiebung nicht nur auffängt, sondern aktiv gestaltet.
Imaging World
Einen wichtigen Ausblick auf die weitere Marktentwicklung dürfte auch die Imaging World 2026 geben, die vom 2. bis 4. Oktober in Nürnberg stattfindet. Gerade für den Fotofachhandel bietet die Veranstaltung die Chance, seine Rolle neu zu profilieren: nicht nur als Verkaufsort für Kameras, sondern als Beratungs-, Erlebnis- und Serviceplattform für eine Bildkultur, die sich zwischen klassischer Fotografie, Bewegtbild, Creator Economy und KI-gestützten Workflows weiter ausdifferenziert. Damit könnte die Imaging World 2026 zu einem wichtigen Stimmungsbarometer dafür werden, wie tragfähig der aktuelle Umbau des Fotomarktes tatsächlich ist.










