Vom 5. Juni bis 22. September 2026 wird Hamburg erneut zum internationalen Zentrum der Fotografie. Die 9. Triennale der Photographie Hamburg vereint unter dem Leitmotiv „Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other“ insgesamt elf Ausstellungen in acht Museen und Kunstinstitutionen der Stadt.
Unter der künstlerischen Leitung des Londoner Kurators Mark Sealy richtet das Festival den Blick auf die gesellschaftliche und kulturelle Verantwortung der Fotografie – als Medium der Begegnung, der Reflexion und der Empathie.
Die drei Begriffe Alliance, Infinity und Love bilden dabei nicht nur ein programmatisches Motto, sondern einen thematischen Kompass, der sich durch sämtliche Ausstellungen zieht. Die Triennale versteht Fotografie als aktiven Bestandteil gesellschaftlicher Diskurse: Bilder sollen nicht nur betrachtet, sondern hinterfragt, erlebt und diskutiert werden.

Foto: Lee Shulman & Omar Victor Diop, The Anonymous Project präsentiert Being There, 2023.
Der Begriff Alliance steht für Verbundenheit und kollektives Handeln. Mehrere Ausstellungen widmen sich der Frage, wie Fotografie soziale Realitäten sichtbar macht und historische Narrative neu ordnet.
Im Museum der Arbeit beleuchtet die Schau Franki Raffles. Photography, Activism, Campaign Works das Werk der britischen Fotografin, die in den 1970er- und 1980er-Jahren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen dokumentierte und Fotografie als politisches Werkzeug nutzte.
Das MARKK – Museum am Rothenbaum stellt mit Bilderechos aus Peru historische Aufnahmen des deutschen Amateurforschers Hans Heinrich Brüning zeitgenössischen Perspektiven aus Peru gegenüber. Aus kolonialen Dokumenten entsteht ein lebendiges Archiv, das Fragen von Identität und Selbstbestimmung neu verhandelt.
Im Kunsthaus Hamburg reflektiert Melike Kara in ihrer Installation Whispers ihr kurdisches Erbe und thematisiert Erinnerung, Heilung und kulturelle Zuschreibungen. Die Hamburger Kunsthalle ergänzt diese Perspektiven mit der Ausstellung ABER ICH DIE WELT ICH SEHE DICH, die Fotografie als Ort poetischer und politischer Auseinandersetzung begreift und historische wie zeitgenössische Positionen zusammenführt.

Foto: Yeh Wei-Li, August, YSC Wan-Tan Residence, 2015
Unter Infinity wird Fotografie als Medium verstanden, das Zeitdimensionen verbindet und neue Blickwinkel eröffnet.
Im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg entwickelt die ägyptische Künstlerin Sara Sallam mit Fürsorge. Fotografie neu ordnen Gegenerzählungen zu kolonial geprägten Bildbeständen und hinterfragt museale Ordnungen.
Der Kunstverein in Hamburg zeigt mit Nina Porter eine Position, die Fotografie und Skulptur miteinander verschränkt und die Dynamik zwischen Kamera, Objekt und Bild neu definiert.
In der Sammlung Falckenberg untersucht die Ausstellung Inner Mornings, or Forms of Counterculture künstlerische Gegenentwürfe zu gesellschaftlichen Normen – ausgehend von Claude Cahun bis hin zu zeitgenössischen Stimmen wie Sophie Calle oder Wolfgang Tillmans. Hier wird Fotografie als kontinuierlicher Prozess des Widerstands und der Neuverhandlung verstanden.

Foto: Akosua Viktoria Adu-Sanyah, gesture I – rinse, process, 34 min 22 seconds, 10th of June 2024, 19:31, Swiss Art Awards, Basel. Foto: Florian Spring
Das dritte Themenfeld richtet den Fokus auf emotionale und gesellschaftliche Dimensionen des Menschlichen.
Im PHOXXI – Haus der Photographie treten Abdulhamid Kircher und Akosua Viktoria Adu-Sanyah mit experimenteller analoger Farbfotografie in einen Dialog über Erinnerung, Transformation und Heilung. Die Dunkelkammer wird zum Raum der Selbstreflexion und Annäherung.
Die Deichtorhallen Hamburg würdigen mit Cocktail Prolongé die Sammlung des Modefotografen und Triennale-Gründers F.C. Gundlach. Rund 70 internationale Positionen – von Diane Arbus bis Cindy Sherman – beleuchten den fotografierten Körper als Ausdruck von Identität, Begehren und Verletzlichkeit.
Das Bucerius Kunst Forum ergänzt diesen Blick mit You’ll Never Watch Alone, einer Ausstellung über Gundlach als Netzwerker, Sammler und Impulsgeber der Fotokultur.
Im Zentrum der Triennale steht die von Mark Sealy kuratierte Ausstellung Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen. Rund 30 internationale künstlerische Positionen aus Fotografie, Video und Film erzählen von kultureller Vielfalt, persönlicher Geschichte und der Möglichkeit von Nähe und Würde im Bild. Arbeiten unter anderem von Hélène Amouzou, Tyler Mitchell, Omar Victor Diop oder Nil Yalter unterstreichen die globale Perspektive der Triennale.
Die 9. Triennale der Photographie Hamburg versteht sich als Plädoyer für ein erweitertes Verständnis von Sichtbarkeit. Jeder fotografische Blick trägt Verantwortung – für das Gegenüber ebenso wie für die gesellschaftliche Wirkung des Bildes. In einer von Konflikten geprägten Gegenwart wird Fotografie hier als verbindendes Medium gelesen, das Solidarität, Offenheit und Menschlichkeit fördern kann.
Seit 1999 findet die Triennale alle drei Jahre statt und zählt heute zu den bedeutendsten Fotofestivals Deutschlands mit internationaler Ausstrahlung. Veranstaltet wird sie seit 2014 von der Deichtorhallen Hamburg GmbH. Hauptförderer der Ausgabe 2026 ist die Freie und Hansestadt Hamburg, offizieller Technologiepartner ist Sony.
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Foto oben: Joke Reichel, In der Kind-Asana, Neubrandenburg, 2024.











