Die Biennale für Fotografie düsseldorf photo+ geht 2027 mit neuer künstlerischer Leitung in ihre vierte Ausgabe: Jana Johanna Haeckel übernimmt die Verantwortung für das Festival und kuratiert zugleich die zentrale Ausstellung, die erstmals im Kunstpalast am Ehrenhof in Düsseldorf stattfinden wird. Die Biennale läuft vom 16. Februar bis 29. März 2027.
Mit Haeckel gewinnt düsseldorf photo+ eine international erfahrene Kuratorin, deren Arbeit sich seit Jahren mit Fotografie, Bildpolitik, Körperbildern und der gesellschaftlichen Rolle fotografischer Medien beschäftigt. Die promovierte Kunsthistorikerin kuratierte Ausstellungen unter anderem in Prag, Turin, Brüssel, Berlin, München und Valencia. Aktuell lebt sie in Brüssel und lehrt Fotografie- und Ausstellungsgeschichte sowie -theorie an der Königlichen Akademie für Schöne Künste, KASK & Conservatorium, in Gent.
Ungehörsame Körper
Für die kommende Ausgabe der Biennale stellt Haeckel den menschlichen Körper ins Zentrum. Unter dem Arbeitstitel „Disobedient Bodies / Ungehorsame Körper“ soll Fotografie als Medium zwischen Kontrolle und Emanzipation betrachtet werden. Geplant ist eine Verbindung historischer und zeitgenössischer Positionen, die die Frage nach der fotografischen Macht über Körper, Identität und Sichtbarkeit neu verhandelt.
Damit setzt düsseldorf photo+ einen deutlichen programmatischen Akzent. Die Fotografie wird nicht nur als Bildmedium, sondern als gesellschaftlicher Resonanzraum verstanden: als Instrument der Ordnung, der Zuschreibung und der Kontrolle, zugleich aber auch als Möglichkeit des Widerstands, der Selbstbehauptung und des Dialogs.
Haeckel betont in ihrem Statement die besondere Bedeutung Düsseldorfs als Fotostadt. Ziel sei es, die prägende Fotoszene der Stadt zusammenzubringen und sowohl ihre fotogeschichtliche Bedeutung als auch die Vielstimmigkeit ihrer Institutionen, Galerien und Off-Spaces sichtbar zu machen. In einer Gegenwart, in der digitale Bilder Vorstellungen von Identität und Körperlichkeit zunehmend algorithmisch codieren, gehe es ihr um künstlerische Konzepte, die dem menschlichen Körper Raum geben, Widerstand zu leisten.
Zentrale Ausstellung im Kunstpalast
Eine wesentliche Neuerung der vierten Ausgabe ist die zentrale Ausstellung im Kunstpalast. Sie bildet inhaltlich und räumlich den Auftakt sowie den Ausgangspunkt des Festivals. Von dort aus soll das Publikum weitere Ausstellungen, Vorträge, Gespräche und Veranstaltungen in der Stadt besuchen.
Das besondere Profil von düsseldorf photo+ liegt in der Verbindung eigens kuratierter Ausstellungen mit der Breite der Düsseldorfer Fotoszene. Museen, Hochschulen, Galerien, freie Ausstellungsräume sowie öffentliche und private Institutionen werden in das Festival eingebunden. Die Biennale versteht sich damit nicht als singuläres Ausstellungsvorhaben, sondern als stadtweites Netzwerk fotografischer Positionen.
Die künstlerische Leitung wurde erstmals über eine Fachjury ausgewählt. Ihr gehörten Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation in Frankfurt am Main, Linda Conze, Leiterin der Sammlungen Fotografie und Zeitbasierte Medien am Kunstpalast Düsseldorf, sowie der Düsseldorfer Fotohistoriker und Galerist Rupert Pfab an. Die Jury hob besonders den weiten zeitlichen Bogen von Haeckels Konzept hervor, das historische Positionen der Fotografie mit der Gegenwart verbindet.
Neue Struktur für die Biennale
Die ersten drei Ausgaben der Biennale fanden 2020, 2022 und 2024 statt. Verantwortet wurden sie von unterschiedlichen Teams, in denen Rupert Pfab und Pola Sieverding als künstlerische Leitung eine wiederkehrende Rolle spielten und das Projekt in der Stadt etablierten. Mit der vierten Ausgabe wird die künstlerische Leitung künftig jeweils neu über eine Fachjury besetzt.
Die Verschiebung von 2026 auf 2027 erfolgte im Zuge dieser Neustrukturierung. Danach soll düsseldorf photo+ wieder im zweijährigen Rhythmus stattfinden. Gefördert wird die Biennale durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Mit Jana Johanna Haeckel richtet düsseldorf photo+ den Blick 2027 auf ein Thema, das für die Fotografiegeschichte ebenso zentral ist wie für die Gegenwart digitaler Bildkulturen: den Körper als Bild, Projektionsfläche, politisches Feld und Ort der Selbstbestimmung. Damit verspricht die vierte Ausgabe der Biennale nicht nur eine Standortbestimmung der Düsseldorfer Fotoszene, sondern auch eine Auseinandersetzung mit den Machtverhältnissen fotografischer Sichtbarkeit.
Foto oben: Jana Johanna Haeckel, Foto: Jan. A. Staiger © Jan A. Staiger (Ausschnitt)













