Mit Peter Hujar’s Day hat Regisseur Ira Sachs (Keep the Lights On, Passages) ein ungewöhnliches Biopic über den amerikanischen Fotografen Peter Hujar vorgelegt, das bewusst von klassischen Narrationen abweicht und stattdessen auf ein dialoglastiges, intimes Filmerlebnis setzt.
Der seit Ende letzten Jahres in Programmkinos laufende Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Linda Rosenkrantz, das eine Tonbandaufnahme eines Gesprächs von 1974 zwischen der Autorin und ihrem Freund, dem Fotografen Peter Hujar, dokumentiert. Sachs greift das Transkript dieser alten Unterhaltung als Drehbuch auf und lässt die gesamte Handlung in der Wohnung Rosenkrantz’ in Manhattan spielen.

Peter Hujar’s Day erzählt nicht von monumentalen Ereignissen, sondern von der alltäglichen Realität eines Künstlers: Hujar (verkörpert von Ben Whishaw) schildert minutiös, wie sein Tag verlaufen ist – von Telefonaten über Treffen mit befreundeten Künstlern bis zu kleinen Beobachtungen in New York City. An der Seite von Rebecca Hall als Rosenkrantz entfaltet sich ein Gespräch, das eher einer filmischen Kuration des Denkens und Wahrnehmens als einem klassischen Plot folgt.
Diese fast dokumentarische Struktur stellt hohe Anforderungen an Zuschauer und Darsteller gleichermaßen. Whishaw und Hall tragen den Film über lange Sequenzen nur mit ihrer Präsenz, Intonation und dem natürlichen Gesprächsfluss. Die Kameraarbeit ist zurückhaltend und respektiert den historischen Kontext der 1970er Jahre, ohne nostalgische Überzeichnung.

In rein filmischer Hinsicht ist Peter Hujar’s Day ein Kammerspiel über Kreativität und Zeit: Der Alltag des Fotografen wird in aller Ruhe entfaltet, ohne plotgetriebene Höhepunkte oder große Wendungen. Gerade darin liegt eine besondere Qualität: Sachs gelingt es, aus scheinbar banalen Momenten eine nachwirkende Reflexion über Kunst, Freundschaft, Erinnerung und das Leben in einer pulsierenden, aber prekären Atmosphäre zu schaffen.
Kritiker sehen in der reduzierten Ästhetik weniger einen Mangel als vielmehr eine bewusste dramaturgische Entscheidung, die die filmische Erfahrung verstärkt. In der Ruhe und im Detail entsteht ein dichter Zugang zu Hujars innerer Welt und seiner künstlerischen Haltung, die zwischen Selbstzweifeln und leidenschaftlicher Hingabe oszilliert.

Wer einen traditionellen Biopic-Erzählbogen erwartet, könnte an Peter Hujar’s Day scheitern. Der Film verzichtet weitgehend auf visuelle Effekte, dramatische Höhepunkte oder äußere Konflikte und setzt stattdessen auf authentische Gespräche und die Kraft des Alltäglichen als Ausdruck künstlerischer Existenz. Dies macht ihn zu einem Werk, das eher aus der Perspektive eines dokumentarischen Essays als eines konventionellen Spielfilms funktioniert.
In dieser kompromisslosen Fokussierung liegt zugleich seine Stärke: Peter Hujar’s Day bietet ein seltenes, fein gesponnenes Porträt eines Künstlers, dessen Werk und Leben weit über seine Zeit hinaus nachhallen.








