Das Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen zeichnet Jürgen Klauke mit seinem Kunstpreis 2026 aus. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt das Lebenswerk eines der bedeutendsten deutschen Foto-, Medien- und Performancekünstler. Begleitend zeigt das Fotografie-Forum in Monschau vom 8. November bis zum 20. Dezember 2026 eine Ausstellung, die neben zentralen Werkgruppen erstmals auch bislang unveröffentlichte Polaroid-Arbeiten im musealen Kontext präsentiert.
- Jürgen Klauke
Jürgen Klauke (*1943) gehört zu den Wegbereitern der Body Art und der inszenierten Fotografie. Seit mehr als fünf Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Fragen menschlicher Identität, körperlicher Existenz und gesellschaftlicher Normen. Dabei dient ihm häufig der eigene Körper als künstlerisches Ausdrucksmittel – allerdings nicht im Sinne eines klassischen Selbstporträts, sondern als Projektionsfläche für Rollenbilder, psychische Zustände und existenzielle Erfahrungen.
Mit der Auszeichnung würdigen der Förderverein des Fotografie-Forums und die StädteRegion Aachen einen Künstler, der die Entwicklung der Fotografie als eigenständige Kunstform wesentlich mitgeprägt hat.
- Jürgen Klauke, Intern generierter Suchprozess, aus dem Zyklus Ästhetische Paranoia, 2004 – 2006, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Körper als Experimentierfeld
Bereits Anfang der 1970er-Jahre entwickelte Klauke mit der Werkgruppe „Transformer“ eine Bildsprache, die etablierte Geschlechterrollen und Identitätsvorstellungen infrage stellte. Durch Kleidung, Maskerade, Gestik und körperliche Inszenierung entstanden fotografische Arbeiten, die zwischen Selbstbefragung, Rollenspiel und gesellschaftlicher Provokation angesiedelt sind.
Diese frühen Werke zählen heute zu den Schlüsselpositionen der konzeptuellen Fotografie und der Body Art. Sie machten den Körper zum Medium einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Identität und den Mechanismen gesellschaftlicher Zuschreibung.
Seit den 1980er-Jahren rückten zunehmend grundlegende Fragen des menschlichen Daseins in den Mittelpunkt. Klauke beschäftigte sich mit Einsamkeit, Angst, Begehren, Absurdität und den Widersprüchen menschlicher Existenz. Der fortschreitenden Ästhetisierung der Lebenswelt begegnete er mit dem Begriff einer „Ästhetisierung des Existenziellen“.
Seine oft großformatigen, mehrteiligen fotografischen Inszenierungen verbinden eine präzise Bildregie mit psychologischer Intensität. Licht, Raum, Körperhaltung und die Beziehungen zwischen den einzelnen Bildern werden dabei zu wesentlichen Elementen seiner künstlerischen Sprache.
- Jürgen Klauke, Haschischraucher, aus dem Zyklus 70iger, 1972-1973 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Einblick in den Entstehungsprozess
Einen besonderen Schwerpunkt der Monschauer Ausstellung bildet ein bislang kaum bekanntes Konvolut von Polaroids. Die seit den späten 1960er-Jahren entstandenen Sofortbilder werden erstmals in diesem Umfang in einem musealen Zusammenhang gezeigt.
Ursprünglich dienten sie Klauke als fotografische Testreihen, mit denen er Bildideen, Inszenierungen und technische Möglichkeiten erprobte. Heute eröffnen sie Einblicke in einen experimentellen Arbeitsprozess, bei dem die spontane Bildfindung und die bewusste künstlerische Setzung eng ineinandergreifen.
Gerade diese frühen Sofortbilder machen deutlich, dass Klaukes Werk nicht allein durch die sorgfältig konzipierten endgültigen Bildserien geprägt ist. Vielmehr zeigt sich darin eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des fotografischen Mediums.
Zeitgleich mit der Ausstellung erscheint im Distanz Verlag die von Steffen Siegel, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste, herausgegebene Publikation „Sofortbilder“. Sie widmet sich eingehend diesem bislang wenig bekannten Teil von Klaukes Schaffen.
Internationale Anerkennung
Geboren 1943 in Kliding bei Cochem, studierte Klauke von 1964 bis 1970 freie Grafik an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design. Bereits 1973 zeigte das Rheinische Landesmuseum Bonn eine erste Einzelausstellung.
Es folgten internationale Ausstellungen und Beteiligungen, darunter die documenta 6 und 8 in Kassel sowie die Biennale von Venedig 1980. Werke von Jürgen Klauke wurden unter anderem im Museum Ludwig in Köln, im ZKM Karlsruhe, in der Nationalgalerie Berlin, in der Maison Européenne de la Photographie in Paris und im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam präsentiert.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit prägte Klauke die Entwicklung der inszenierten Fotografie auch als Hochschullehrer. Er lehrte unter anderem in Hamburg, München, Kassel und Essen sowie an der Kunsthochschule für Medien Köln. Heute lebt und arbeitet er in Köln.
Kunstpreis für ein fotografisches Lebenswerk
Der Kunstpreis des Fotografie-Forums wird in Kooperation zwischen dem Förderverein des Fotografie-Forums und der StädteRegion Aachen vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Persönlichkeiten aus, die mit ihrem Lebenswerk einen wesentlichen Beitrag zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform geleistet haben.
Erste Preisträgerin war 2023 Barbara Klemm. Im Jahr 2024 wurde die Auszeichnung posthum an Helga Paris verliehen.
Die Verleihung an Jürgen Klauke findet am Sonntag, 8. November 2026, um 12 Uhr im Bürgersaal in Monschau statt. Nach der Begrüßung und Laudatio durch Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und Dr. Nina Mika-Helfmeier, Leiterin und Kuratorin des Fotografie-Forums, spricht Jürgen Klauke mit Prof. Dr. Stephan Berg, dem ehemaligen Intendanten des Kunstmuseums Bonn, über sein Werk.
Ausstellung und Besuch
Jürgen Klauke
8. November bis 20. Dezember 2026
Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen
Austraße 9, 52156 Monschau
Vernissage und Preisverleihung: Sonntag, 8. November 2026, 12 Uhr, Bürgersaal, Austraße 7, Monschau.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14–17 Uhr, Samstag und Sonntag 11–17 Uhr, montags geschlossen.
Foto oben: Jürgen Klauke, Durchsicht (Gesamtversion), aus dem Zyklus 70iger, 1972 – 1973, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026



















