Der Otto Steinert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie geht 2026 an Samuel Solazzo für sein Projekt A Collection of Valuable Copies. Anerkennungen sprach die Jury für Clarita Maria und Elliott Kreyenberg aus.

Foto: Samuel_Solazzo, A Collection of Valuable Copies
Der Otto Steinert-Preis ist eine von aktuell zwei Förderauszeichnungen der DGPh für junge fotografische Positionen im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer Entscheidung will die Jury ein Zeichen für konzeptuelle Fotografie setzen, die gesellschaftliche Fragen reflektiert und fotografische Praxis als Medium kritischer Auseinandersetzung versteht.
Die Jury bestand aus Alexander Hagmann, Heide Häusler und Helena Melikov sowie Aliona Kardash, Preisträgerin des Jahres 2023, und Katharina Täschner, Kuratorin am C/O Berlin.
In ihrer finalen Sitzung wählten sie aus einer Shortlist von zehn Projekten drei Arbeiten aus, die unterschiedliche Ansätze verfolgen, zugleich jedoch gemeinsame thematische Schnittstellen aufweisen. Fragen nach Zugehörigkeit, Erinnerung, Verlust, Sicherheit und Wahrhaftigkeit bilden den verbindenden Rahmen der ausgezeichneten Projekte.
Mit dem ersten Preis, verbunden mit einem Arbeitsstipendium in Höhe von 5.000 Euro, wurde Samuel Solazzo für sein Projekt A Collection of Valuable Copies ausgezeichnet. Es verbindet wissenschaftliche Recherche mit fotografischer Praxis und widmet sich der materiellen Kultur anhand der Gipsabguss-Sammlung des Antikenmuseums der Universität Leipzig.
Solazzo untersucht dabei Fragen von Originalität, Reproduktion und musealer Wissensproduktion. Die Jury würdigte insbesondere die konzeptionelle Klarheit des Ansatzes, der Archivarbeit nicht nur dokumentiert, sondern fotografisch neu interpretiert. Zwischen kunsthistorischer Forschung und ästhetischer Reflexion entsteht eine eigenständige künstlerische Position, die historische Objekte in einen gegenwärtigen Diskurs über Wert, Authentizität und kulturelles Gedächtnis überführt.

abantu – meblond © Clarita Maria
Mit einer Anerkennung (zweiter Preis) wurde außerdem Clarita Maria für ihr Projekt Xola n’abantu ausgezeichnet. Die Künstlerin beschäftigt sich darin mit Fragen von Adoption, Familie und sozialer Zugehörigkeit. Ausgangspunkt ist eine persönliche Perspektive, die jedoch bewusst über individuelle Erfahrungen hinausweist.
Die Jury hob hervor, dass die Arbeit einen sensiblen Raum öffnet, in dem Themen wie Race, Klasse, Geschlecht oder Bildung sichtbar werden, ohne in pauschalisierende Aussagen zu verfallen. Gerade diese Balance zwischen Intimität und gesellschaftlicher Relevanz verleiht dem Projekt eine besondere emotionale und diskursive Stärke.
Der dritte Preis ging an Elliott Kreyenberg für das Projekt War Flowers. Ausgangspunkt ist der Krieg in der Ukraine, der nicht über klassische Kriegsfotografie, sondern über ein universelles Symbol erzählt wird: die Blume.
Durch die Gegenüberstellung floraler Motive mit Spuren der Zerstörung entsteht ein zurückhaltendes, zugleich eindringliches Narrativ über Verlust, Würde und Hoffnung. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung dokumentarischer Nähe mit einer poetisch konzeptuellen Bildsprache, die den Konflikt auf eine universell nachvollziehbare Ebene hebt.

Foto: Elliott Kreyenberg
Die diesjährigen Auszeichnungen zeigen erneut, wie vielfältig zeitgenössische Fotografie zwischen Archivforschung, autobiografischer Erzählung und politischer Gegenwartsanalyse agiert. Gerade diese Bandbreite unterstreicht die Rolle der Fotografie als Medium zwischen persönlicher Erfahrung und öffentlichem Diskurs.
Foto oben: Samuel Solazzo, A Collection of Valuable Copies











