Die südafrikanische Fotografin Zanele Muholi wird mit dem Hasselblad Award 2026 ausgezeichnet. Der international renommierte Preis gilt als bedeutendste Auszeichnung der Fotografie und ist mit zwei Millionen schwedischen Kronen, einer Goldmedaille sowie einer Hasselblad-Kamera dotiert.
Mit der Ehrung würdigt die Hasselblad Foundation eine künstlerische Praxis, die fotografische Bildsprache mit politischem Engagement verbindet und weltweit Einfluss auf Debatten über Identität, Repräsentation und Menschenrechte genommen hat.
- Qiniso The Sails, Durban, 2019
- Ntozakhe II Parktown, 2016
- Bester I Mayotte, 2015
Muholi, 1972 in Umlazi bei Durban geboren, zählt zu den prägendsten Stimmen der zeitgenössischen Fotografie. In ihrer Arbeit nutzt sie das Medium des Porträts, um die Sichtbarkeit und Würde der schwarzen LGBTQIA+-Community in Südafrika und darüber hinaus zu thematisieren. Ihre Bilder verbinden eine präzise formale Gestaltung mit einem klaren gesellschaftspolitischen Anliegen. Durch Komposition, Lichtführung und eine direkte, selbstbewusste Blickführung ihrer Porträtierten entstehen Bildräume, die zugleich Stärke und Verletzlichkeit vermitteln und bestehende Stereotype in Frage stellen.
Zu Muholis zentralen Werkgruppen gehört die seit 2006 entstehende Serie „Faces and Phases“, ein langfristiges Porträtprojekt über schwarze lesbische, trans- und queere Personen in Südafrika. Die Arbeit versteht sich ausdrücklich als visuelles Archiv gegen das Vergessen und gegen die systematische Gewalt, der viele Mitglieder dieser Community ausgesetzt sind. Frühere Serien wie „Only Half the Picture“ dokumentierten bereits Anfang der 2000er Jahre lesbische Lebensrealitäten und Überlebende von Hassverbrechen. Spätere Arbeiten wie „Brave Beauties“ widmen sich der Würde und Sichtbarkeit von Transfrauen.
- Bona III ISGM, Boston, 2019
- Bona Charlottesville, 2015
- ID crisis 2003
Internationale Aufmerksamkeit erlangte auch die fortlaufende Selbstporträtserie „Somnyama Ngonyama (Hail the Dark Lioness)“. In diesen kraftvollen Selbstinszenierungen arbeitet Muholi mit Bildsprachen aus klassischer Porträtfotografie, Modefotografie und ethnografischer Darstellung. Die Serie untersucht die historische Darstellung schwarzer Körper in der visuellen Kultur und transformiert sie in selbstbewusste Bilder von Identität und Selbstermächtigung.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit engagiert sich Muholi seit vielen Jahren für die Förderung queerer visueller Kultur. 2009 gründete sie die Plattform Inkanyiso, ein Forum für visuelle Aktivisten und queere Medienarbeit. 2022 folgte das Muholi Art Institute, das junge Künstler unterschiedlicher Disziplinen unterstützt und ihnen Ausbildungs- und Produktionsmöglichkeiten bietet.
- Lerato Dumse KwaThema, Springs, Johannesburg, 2010
- Miss D’vine I 2007
- Miss D’vine II 2007
Die Hasselblad Foundation betont, dass Muholi mit ihrer Arbeit eine Bildsprache geschaffen hat, die weit über den Kunstkontext hinaus wirkt. Ihre Fotografien verbinden formale Präzision mit politischer Dringlichkeit und schaffen alternative visuelle Geschichtsschreibungen für Gemeinschaften, deren Geschichten lange unsichtbar geblieben sind.
Der Hasselblad Award wird seit 1980 jährlich vergeben und gilt als weltweit größte Auszeichnung für fotografische Leistungen. Frühere Preisträger sind unter anderem Henri Cartier-Bresson, Robert Frank, Cindy Sherman, Nan Goldin, Wolfgang Tillmans, Daido Moriyama und Dayanita Singh.
Die Preisverleihung findet am 9. Oktober 2026 in Göteborg statt. Im Anschluss wird eine umfassende Einzelausstellung von Zanele Muholis Werk vom 10. Oktober 2026 bis zum 4. April 2027 im Hasselblad Center gezeigt. Begleitend zur Ausstellung sind mehrere Veranstaltungen geplant, darunter ein Künstlergespräch im Moderna Museet in Stockholm.






















