Die französische Fotojournalistin Véronique de Viguerie erhält den Titel „HIPA Photographer of the Year“ 2026. Der Hamdan Bin Mohammed Bin Rashid Al Maktoum International Photography Award würdigt damit ihre mehr als 20-jährige Arbeit in internationalen Krisen- und Konfliktregionen. Ihre Reportagen aus Afghanistan, Jemen, Irak, Somalia, Nigeria, Syrien und Mali zeigen nicht nur die Folgen von Krieg und Gewalt, sondern vor allem die Menschen und ihren Alltag jenseits gängiger Klischees.
Jenseits der Bilder vom Krieg

Véronique de Viguerie, Foto: Guetty reporter, Visa perpignan
Charakteristisch für de Vigueries Bildsprache ist der bewusste Einsatz von Farbe. Statt sich auf die dramatischen Aspekte bewaffneter Konflikte zu konzentrieren, richtet sie ihren Blick ebenso auf Schönheit, Humor, Zärtlichkeit und individuelle Selbstbehauptung. Ihre Fotografien hinterfragen vereinfachende Vorstellungen von Opfern und Tätern, Unterdrückung und Widerstand.
Besonders intensiv beschäftigt sich de Viguerie mit Afghanistan. Seit ihrem ersten Aufenthalt 2003 kehrte sie regelmäßig in das Land zurück und lebte dort zeitweise vier Jahre. Sie fotografierte Taliban-Kämpfer ebenso wie Zivilisten und Familien. Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Arbeit gilt Frauen in repressiven Gesellschaften. Dabei interessiert sie sich insbesondere für individuelle Handlungsspielräume, persönliche Stärke und unterschiedliche Formen des Widerstands.
Fotografie als universelle Sprache
„Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Fotografie für mich ein Mittel, geografische, kulturelle und menschliche Grenzen zu überwinden“, erklärt die Preisträgerin. Die Auszeichnung durch einen arabischen Fotopreis habe für sie als europäische Fotografin eine besondere Bedeutung. Sie verstehe sie als Bestätigung dafür, dass Fotografie kulturelle Grenzen überwinden und Verständigung ermöglichen könne.
Ali Bin Thalith, Generalsekretär von HIPA, würdigt die Konsequenz und Eigenständigkeit ihrer fotografischen Arbeit. Ihre Perspektive ermögliche einen differenzierten Blick auf Gesellschaften, die in der internationalen Öffentlichkeit häufig ausschließlich durch bewaffnete Konflikte wahrgenommen würden.
Internationale Anerkennung
De Vigueries Fotografien erschienen unter anderem in Paris Match, The New York Times, Stern, GEO, Le Figaro Magazine, Marie Claire und The Guardian. Sie erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter Preise von World Press Photo, den Canon Female Photojournalist Award und Auszeichnungen des Festivals in Bayeux. Für ihre Reportagen aus dem Jemen wurde sie zweimal mit dem Visa d’Or ausgezeichnet.
Die 15. Ausgabe des HIPA steht unter dem Leitthema „Family“. Die Preisverleihung findet am 10. November 2026 im Museum of the Future in Dubai statt.
Der 2011 gegründete Hamdan Bin Mohammed Bin Rashid Al Maktoum International Photography Award wird unter der Schirmherrschaft des Kronprinzen von Dubai, Scheich Hamdan bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum, veranstaltet.
Alle Fotos: Veronique de Viguerie


















