Das Festival La Gacilly-Baden Photo hat seine neunte Ausgabe mit einer positiven Bilanz abgeschlossen. Unter dem Motto „So British!“ präsentierte das österreichische Fotofestival 38 Ausstellungen mit 1.570 Fotografien und zählte über 304.000 Besucher. Neben britischer Fotografie standen ökologische Themen und 200 Jahre Fotografie im Mittelpunkt. Die Zukunft des Festivals ist bereits bis 2029 gesichert.
- © Johannes Zinner
Am 12. Oktober 2026 endete die neunte Ausgabe des Festival La Gacilly-Baden Photo. Vier Monate lang verwandelte die Veranstaltung die niederösterreichische Kurstadt Baden bei Wien erneut in eine großflächige Open-Air-Galerie. Mit insgesamt 304.557 Besuchern konnte das Festival seine Bedeutung als eines der publikumsstärksten Fotofestivals Europas unterstreichen.
In 38 Ausstellungen wurden 1.570 Fotografien präsentiert. Das begleitende Programm umfasste 72 Artist Talks, Workshops und Portfolioreviews sowie 59 Führungen. Nach Angaben der Veranstalter erzielte das Festival eine regionale wirtschaftliche Wertschöpfung von rund 7,6 Millionen Euro. Insgesamt 812 Medienberichte dokumentieren die internationale Aufmerksamkeit für die Veranstaltung.
Britische Fotografie im Mittelpunkt
Mit dem diesjährigen Schwerpunkt „So British!“ widmete sich das Festival der britischen Fotografie zwischen dokumentarischer Tradition, gesellschaftlicher Kritik und eigenwilligem Humor.
- © Johannes Zinner
Zu den vertretenen Fotografen gehörten Don McCullin, Martin Parr, Tony Ray-Jones, Mary Turner, Peter Dench, Josh Edgoose, Mike Taylor und Terry O’Neill. Ihre Arbeiten zeichneten ein facettenreiches Bild Großbritanniens und seiner gesellschaftlichen Widersprüche.
Weitere Ausstellungen beschäftigten sich mit der Lebensleistung der Primatenforscherin Jane Goodall sowie mit der kreativen Zusammenarbeit von Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler. Fotografische Erzählungen über die Beatles ergänzten den britischen Themenkomplex.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der diesjährige Artist in Residence Josh Edgoose mit seiner Ausstellung „Swinging London“.
Wasser als zentrales Thema
Der zweite große Schwerpunkt galt der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Mit „Water Is Life“ widmete sich das Festival der Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage und der zunehmenden Gefährdung ökologischer Systeme.
Arbeiten von Laurent Ballesta, Supratim Bhattacharjee, Robert Doisneau und weiteren Fotografen machten die Schönheit und Verletzlichkeit aquatischer Lebensräume sichtbar. Ergänzt wurden sie durch Positionen unter anderem von Cig Harvey, Gina Soden, Françoise Huguier und Frédéric Noy.
Festivaldirektor Lois Lammerhuber sieht in der Verbindung fotografischer Qualität mit gesellschaftlicher Verantwortung einen zentralen Auftrag der Veranstaltung. „Es ist meine tiefste Überzeugung, dass es unsere Pflicht ist, ständig nach humanistischen und nachhaltigen Konzepten für den Umgang mit der Natur und unser Zusammenleben zu suchen“, erklärte er zum Abschluss.
Die Ausstellung „Water Is Life“ vor dem wiedereröffneten Schlosshotel Weikersdorf bezeichnete Lammerhuber als besonderen Publikumserfolg.
200 Jahre Fotografie
Mit mehreren Ausstellungen griff das Festival außerdem das Jubiläum „200 Jahre Fotografie“ auf. Eine großformatige Camera Obscura im Kurpark erinnerte an die technischen Ursprünge des Mediums.
Historische Positionen von Anna Atkins, deren fotografische Illustrationen bereits 1843 erschienen, standen neben einer Präsentation stereoskopischer Bildwelten aus dem Umfeld des Brian May Archive of Stereoscopy. Eine Retrospektive würdigte das fotografische Werk Robert Capas.
Mit dem Projekt „Traum vom Fliegen“ beschäftigte sich ein internationales Fotografenkollektiv unter Beteiligung von Ana María Arévalo Gosen, Hans-Jürgen Burkard, Ulla Lohmann und weiteren Fotografen mit dem menschlichen Wunsch, die Grenzen des eigenen Bewegungsraums zu überwinden.
Auch die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz fand Eingang in das Programm. Christoph Künne entwickelte eine KI-inspirierte Arbeit zur 450-jährigen Geschichte des Badener Backhauses Annamühle.
Kulturvermittlung und internationale Zusammenarbeit
Mit einem erstmals eingerichteten Besucherzentrum erweiterte das Festival sein Vermittlungsangebot. Während der gesamten Laufzeit betreuten 62 freiwillige Helfer die Anlaufstelle, darunter zahlreiche Schüler der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.
Ergänzend wurde eine dreisprachige Festival-App vorgestellt, die neben Ausstellungsinformationen und Wegbeschreibungen auch Originaltöne teilnehmender Fotografen als Audioguide bereitstellte.
Die internationale Zusammenarbeit mit La Gacilly in der Bretagne, der Garten Tulln und dem Monat der Fotografie Bratislava wurde ebenfalls fortgesetzt. Das bilaterale Schulprojekt „Pop Nature“ verband junge Menschen aus Niederösterreich und der französischen Region Morbihan durch fotografische Auseinandersetzungen mit der Natur.
Internationale Anerkennung
2026 erhielt La Gacilly-Baden Photo die Auszeichnung „Photo Festival of the Year“ im Rahmen der Innovation and Excellence Awards des britischen Veranstalters Corporate LiveWire.
- Foto: Marc Stickler
Die Jury würdigte insbesondere die Nutzung des öffentlichen Raums als Plattform zeitgenössischer Fotografie sowie die Verbindung künstlerischen Anspruchs mit ökologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen.
Auch Thomas Gerwers, Herausgeber von ProfiFoto, unterstreicht die internationale Bedeutung der Veranstaltung: „La Gacilly-Baden gehört inzwischen zu den wichtigsten europäischen Fotofestivals außerhalb der klassischen Museums- und Messeformate. Die Verbindung aus hochkarätigen fotografischen Positionen, öffentlichem Raum und internationalem Austausch macht das Festival zu einem Modell dafür, wie Fotografie auch künftig sichtbar und gesellschaftlich relevant bleiben kann.“
Die Bilanz verdeutlicht zugleich die wirtschaftliche Bedeutung des Festivals für Baden. Tourismusdirektor Klaus Lorenz sieht darin einen wesentlichen Motor für den Wandel der traditionsreichen Kurstadt zu einem international wahrgenommenen Kulturstandort.
Fortsetzung bis 2029 beschlossen
Die langfristige Perspektive ist bereits gesichert. Der Gemeinderat der Stadt Baden hat am 22. Juni 2026 einstimmig beschlossen, das Festival bis einschließlich 2029 fortzuführen.
Damit kann La Gacilly-Baden Photo seine internationale Zusammenarbeit und sein Konzept eines frei zugänglichen Fotofestivals im öffentlichen Raum weiterentwickeln.
Die Verbindung aus internationaler Fotokunst, öffentlicher Zugänglichkeit und gesellschaftlich relevanten Themen bleibt das zentrale Erfolgsmodell einer Veranstaltung, die sich innerhalb von neun Jahren fest in der europäischen Festivallandschaft etabliert hat.
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