Mit der Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vom 17. April bis zum 1. November 2026 eine umfangreiche Retrospektive eines der prägendsten Fotografen der deutschen Nachkriegszeit.
Die Schau vereint rund 220 Arbeiten aus über sechs Jahrzehnten und macht deutlich, wie nachhaltig Hans Hansen die visuelle Sprache der Produkt- und Sachfotografie geprägt hat.

HANS HANSEN, o. T. (Rhabarber), für Gruner+Jahr, Redaktion Stern, 1999
Hansen, der unter anderem für internationale Kampagnen von Unternehmen wie Lufthansa, Nikon oder Volkswagen arbeitete, revolutionierte seit den 1960er Jahren die Art und Weise, wie Produkte fotografisch inszeniert werden. Seine Bilder sind geprägt von einer radikalen Reduktion auf das Wesentliche: Formen, Materialien und Licht werden so präzise komponiert, dass alltägliche Gegenstände eine beinahe ikonische Präsenz erhalten.

HANS HANSEN (* 1940)
o. T. (Kamera), für Nikon, 1983
© Nikon

HANS HANSEN (* 1940)
o. T. (VW Golf), für Volkswagen, 1988
Im Zentrum seines Schaffens steht das Studio als kontrollierter Raum. Während sich die Welt außerhalb stetig verändert, herrscht hier Ordnung und Konzentration. Hansen zerlegt, ordnet und strukturiert Objekte, bis ihre formale Essenz sichtbar wird. Ein bekanntes Beispiel ist die Fotografie eines vollständig in Einzelteile zerlegten VW Golf, die eindrucksvoll zeigt, wie analytisch und zugleich ästhetisch sein Blick auf die Dinge ist.
Die Ausstellung folgt verschiedenen thematischen Schwerpunkten und zeichnet Hansens künstlerische Entwicklung nach. Neben frühen Arbeiten und internationalen Werbekampagnen werden auch freie Projekte präsentiert, die seine Experimentierfreude und konzeptionelle Herangehensweise verdeutlichen. Ein besonderer Fokus liegt auf der jüngeren Werkserie „Analog“ (2024), in der Hansen die eigenen Werkzeuge – Kameras, Lampen und Studioobjekte – ins Zentrum rückt und damit zugleich eine Reflexion über das Medium Fotografie formuliert.

HANS HANSEN (* 1940)
o. T. (Würste), für Rewe, 1981

HANS HANSEN (* 1940)
o. T. (Menükarte), für Lufthansa, 1973
Darüber hinaus gewährt die Ausstellung seltene Einblicke in seinen Arbeitsprozess. Skizzen, Korrespondenzen, Archivmaterialien sowie Objekte aus seiner privaten Sammlung ergänzen die fotografischen Werke und machen deutlich, mit welcher Präzision und welchem technischen Aufwand seine Bilder entstehen. Auch seine langjährige Zusammenarbeit mit Designerpersönlichkeiten wie Tapio Wirkkala wird nachvollziehbar und zeigt die enge Verbindung zwischen Fotografie und Produktdesign.
Ein wiederkehrendes Motiv in Hansens Werk ist die Auseinandersetzung mit Materialität – insbesondere Glas, Licht und Oberflächen. Seine Fotografien lassen Glasobjekte wie Landschaften erscheinen, verwandeln Lebensmittel in abstrakte Strukturen und zeigen technische Produkte als ästhetische Studien. Dabei bleibt sein Ansatz stets gleich: die Suche nach der einfachsten, klarsten und überzeugendsten Bildlösung.

HANS HANSEN
Porträt
Atelier Hans Hansen
Die Ausstellung macht zudem deutlich, dass Hansen nie strikt zwischen Auftragsarbeiten und freien Projekten unterschied. Beide Bereiche folgen derselben gestalterischen Konsequenz und zeugen von einem künstlerischen Anspruch, der die Fotografie als präzises Instrument der Erkenntnis versteht.
Mit dieser Werkschau würdigt das MK&G nicht nur einen international einflussreichen Fotografen, sondern auch einen Künstler, dessen Bildsprache unseren Blick auf die Dinge nachhaltig geschärft hat. Seine Arbeiten wirken bis heute zeitlos und zeigen, wie viel Kraft in Reduktion, Klarheit und perfekter Inszenierung liegen kann.
Foto oben: Hans Hansen (Foto: Gerti Erfurt, 1989, Produktion für Erco 11)
Weitere Informationen: mkg-hamburg.de








