Der Hamburger Fotograf Jacques Schumacher ist am 15. Juni 2026 gestorben. Mit ihm verliert die deutsche Fotografie einen ihrer eigenwilligsten, humorvollsten und zugleich professionellsten Bildautoren.

Foto: Michael Holz – von Jacques Schumacher für seinen Nachruf ausgewählt
Schumacher, 1933 im niederländischen Buitenpost geboren, lebte und arbeitete seit den 1960er Jahren in Hamburg und zählte zu den prägenden Werbe- und Zeitschriftenfotografen der Bundesrepublik.
Nach einer Fotografenlehre und einem Grafikstudium an der Fachhochschule Bielefeld lehrte Schumacher bereits von 1955 bis 1957 an der Werkkunstschule Bielefeld. Anschließend ging er nach Paris, wo er als Grafikdesigner arbeitete und in einer umfunktionierten Garage Musiker für Schallplattencover fotografierte. 1963 ließ er sich als selbständiger Foto-Designer in Hamburg nieder. Von dort aus entwickelte er ein Werk, das Auftrag und Autorschaft, Magazinästhetik und künstlerischen Eigensinn auf unverwechselbare Weise miteinander verband.
Überregional bekannt wurde Schumacher Anfang der 1970er Jahre mit seinen Fotografien für den jährlichen Kalender des „Stern“. In diesen Arbeiten unterlief er klassische Magazin- und Werbeklischees mit Witz, formaler Präzision und einem ausgeprägten Gespür für Körpersprache. Es folgten Arbeiten für Magazine wie „Stern“, „Spiegel“, „Petra“, „Playboy“ und „Penthouse“ sowie zahlreiche Kampagnen in den Bereichen Mode, Beauty und Lifestyle.
Ein zentrales Thema in Schumachers Arbeit war die Darstellung von Frauen. Seine Bilder waren geprägt von Inszenierung, aber nicht von Vereinnahmung. Die Frauen in seinen Fotografien erscheinen nicht als bloße Projektionsflächen, sondern als selbstbewusste Gegenüber, die Blick, Haltung und Wirkung des Bildes mitbestimmen. Gerade darin lag eine Qualität, die seine Arbeiten bis heute von vielen konventionellen Mode-, Akt- und Lifestylefotografien unterscheidet.
Zu seinen bekanntesten freien Werkgruppen gehören die „Blue Pictures“, in denen Schumacher mit Duoton-Fotografie, Erotik, Distanz und Farbe experimentierte. Später wandte er sich in den „Metaphysischen Bildern“ und dem 2014 erschienenen Band „Every Thing Is A Life“ dem Stillleben zu. Alltagsgegenstände wurden darin zu kleinen Bühnen, auf denen Licht, Form und Arrangement den Dingen eine unerwartete poetische Existenz verliehen.
Schumacher war auch berufspolitisch eine wichtige Stimme. Von 1985 bis 1993 war er Vorstand und Sprecher des BFF Bund Freischaffender Foto-Designer, 2007 wurde er zum BFF-Ehrenmitglied ernannt. Zudem war er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie und von 2001 bis 2002 Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin.
Sein Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem in Hamburg, Düsseldorf, Amsterdam, Köln, New York, Tokio, Paris, Berlin, Dresden und Zingst. Die Deutsche Fotothek bewahrt einen umfangreichen Bestand seiner Arbeiten aus der Zeit von 1960 bis 2021 und macht damit ein Werk zugänglich, das exemplarisch für die Verbindung von angewandter Fotografie, Autorenblick und fotografischem Humor steht.
Jacques Schumacher war ein Fotograf, der die Bildwelt der Magazine und der Werbung über Jahrzehnte mitgeprägt hat, ohne sich in ihr aufzulösen. Seine Bilder waren frech, genau, elegant und oft subversiv. Sie vertrauten auf Inszenierung, aber ebenso auf die Intelligenz des Moments. In der deutschen Fotografie bleibt er als Grandseigneur mit Augenzwinkern in Erinnerung.











