Update: Erste Entwarnung aus Kumamoto
Stand: 29. Juli 2026, 13:30 Uhr MESZ
Nach ersten technischen Überprüfungen zeichnet sich für Sonys Bildsensorproduktion ein weniger schwerwiegendes Schadensbild ab als zunächst befürchtet. Sony meldet laut Reuters bislang lediglich geringfügige Schäden an seinen Anlagen in Kumamoto. Hinweise auf größere Beschädigungen der Fertigungseinrichtungen liegen derzeit nicht vor.
Das Kumamoto Technology Center bleibt dennoch vorerst außer Betrieb. Sony setzt die Sicherheitskontrollen an Gebäuden und Produktionsanlagen fort und hat noch keinen Termin für die Wiederaufnahme der Fertigung genannt. Auch mögliche Verluste bereits bearbeiteter Wafer oder Auswirkungen auf einzelne Sensorbaureihen sind bislang nicht bekannt.
Für konkrete Lieferengpässe bei Bildsensoren oder Kameras gibt es weiterhin keine bestätigten Hinweise. Der benachbarte JASM-Standort von TSMC hat nach abgeschlossenen Strukturprüfungen bereits mit dem schrittweisen Wiederanlauf begonnen.
Damit deutet die aktuelle Lage bislang nicht auf Schäden in einer Größenordnung wie nach den Kumamoto-Erdbeben von 2016 hin. Eine abschließende Bewertung ist jedoch erst möglich, wenn Sony die Inspektionen beendet und Angaben zum Wiederanlauf der Produktion veröffentlicht.
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Ein schweres Erdbeben hat am Dienstag, 28. Juli 2026, die japanische Präfektur Kumamoto erschüttert und verursachte schwere Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Auch Sony Semiconductor Manufacturing stellte den Betrieb im Kumamoto Technology Center ein. Die Produktion war am Mittwochmorgen weiterhin unterbrochen.
Sony prüft derzeit das Gebäude und die Fertigungslinien auf mögliche Schäden. Ein Termin für den Wiederanlauf wurde bislang nicht genannt. Konkrete Beschädigungen an Reinräumen, Produktionsmaschinen oder bereits bearbeiteten Wafern sind nach dem derzeit bestätigten Informationsstand noch nicht detailliert dokumentiert. Ebenso gibt es bislang keine belastbare Prognose zu möglichen Lieferausfällen bei Bildsensoren.
Zentrale Fertigung für Bildsensoren
Das Kumamoto Technology Center in Kikuyō ist zugleich der Hauptsitz von Sony Semiconductor Manufacturing. Am Standort werden CMOS- und CCD-Bildsensoren sowie Mikrodisplays gefertigt. Sony bezeichnet Kumamoto als einen zentralen Standort seiner Bildsensorproduktion.
Ein längerer Stillstand wäre daher nicht allein für Sony relevant. Der Konzern gehört zu den wichtigsten Anbietern von Bildsensoren für Digitalkameras, Smartphones, Überwachungs-, Industrie- und Automobilanwendungen. Welche aktuellen Sensoren und Produktionsschritte unmittelbar vom Ausfall betroffen sein könnten, hat das Unternehmen bislang nicht bekannt gegeben.
Bei einer Halbleiterfabrik bedeutet ein Produktionsstopp zudem mehr als das bloße Abschalten einzelner Maschinen. Reinräume, Versorgungssysteme und hochpräzise Fertigungsanlagen müssen nach starken Erschütterungen kontrolliert, neu kalibriert und schrittweise wieder hochgefahren werden. Auch ohne schwere sichtbare Gebäudeschäden können dadurch längere Unterbrechungen entstehen.
Sony unterbrachen auch Renesas und weitere Industrieunternehmen ihre Produktion. TSMC begann dagegen bereits mit einem schrittweisen Wiederanlauf seines JASM-Werks, nachdem die Beschäftigten vorsorglich evakuiert worden waren.
Erinnerungen an 2016
Die aktuelle Situation erinnert an die Kumamoto-Erdbeben vor zehn Jahren. Damals wurde die Region zunächst am 14. April 2016 von einem Beben der Stärke 6,5 getroffen. Rund 28 Stunden später folgte ein noch stärkeres Hauptbeben mit einer Magnitude von 7,3. Beide erreichten auf der japanischen Intensitätsskala die höchste Stufe 7.
Auch damals musste Sony die Produktion im Kumamoto Technology Center vollständig einstellen. Die Schäden konzentrierten sich vor allem auf obere Gebäudebereiche. Dort wurden Reinräume und Anlagen für Montage, Messung, nachgelagerte Produktionsschritte und die Fertigung von Kameramodulen beschädigt. Die in den unteren Etagen untergebrachte Waferfertigung blieb dagegen weitgehend intakt.
Trotzdem ruhte die Fertigung mehrere Wochen. Sony musste Gebäudeteile verstärken, Anlagen prüfen und die unterschiedlichen Produktionsbereiche schrittweise wieder in Betrieb nehmen. Fertige Bildsensoren konnten vergleichsweise schnell wieder ausgeliefert werden, während der Zustand von Halbfabrikaten und laufenden Waferprozessen zunächst unklar blieb.
Die Folgen reichten über den Standort hinaus. Sony rechnete mit erheblichen Ausfall- und Wiederherstellungskosten in seinen Halbleiter- und Imaging-Sparten. Gleichzeitig waren auch Zulieferer in der Region betroffen. Dadurch entstanden Engpässe bei Bauteilen, die sich auf Kameras, Objektive und weitere Elektronikprodukte auswirkten.
Der Kameramarkt spürte damit nicht nur den Stillstand der eigentlichen Sensorfertigung. Die Ereignisse von 2016 zeigten, wie eng Bildsensoren, Bildprozessoren, Kameramodule und weitere Komponenten in regional konzentrierten Lieferketten miteinander verbunden sind. Selbst Hersteller ohne eigene Werke in Kumamoto mussten Produktions- und Lieferpläne anpassen.
Sony hat die Erfahrungen aus den damaligen Erdbeben nach eigenen Angaben in sein unternehmensweites Business-Continuity-Management übernommen. Dazu gehören abgestimmte Notfallmaßnahmen, alternative Produktionskapazitäten und ein konzernübergreifendes Krisenmanagement.
Lieferfolgen noch offen
Ob das aktuelle Beben vergleichbare Auswirkungen haben wird, lässt sich noch nicht beurteilen. Der Produktionsstopp kann eine reine Vorsichtsmaßnahme bleiben. Entscheidend ist, ob Reinräume, Anlagen und Versorgungsleitungen beschädigt wurden und wie schnell die Produktion kontrolliert wieder anlaufen kann.
Auch die Verteilung der Fertigung auf weitere Sony-Standorte dürfte mögliche Folgen begrenzen. Bildsensoren werden unter anderem auch in Nagasaki, Oita und Yamagata produziert. Dennoch besitzt Kumamoto für die Sensorfertigung und als Hauptsitz von Sony Semiconductor Manufacturing eine zentrale Bedeutung.
Für Engpässe bei Kameras oder einzelnen Sensorbaureihen gibt es derzeit keine bestätigten Hinweise. Die Erfahrung von 2016 zeigt jedoch, dass sich die tatsächlichen Auswirkungen häufig erst nach Abschluss der technischen Inspektionen und beim schrittweisen Wiederanfahren der Fertigung beurteilen lassen.
Stand: 29. Juli 2026, 11:25 Uhr MESZ
















