Mit „ORGANON“ zeigt Jaqueline Louan bei Chaussee 36 Photography in Berlin eine Ausstellung über Körper, Weiblichkeit und Verbindung. Zur Eröffnung wurde die Schau durch eine Performance mit Stimme, Musik und Fotografie erweitert.
Im Zentrum von „ORGANON“ steht der Körper als lebendiger Organismus – als etwas, das fühlt, berührt, wahrnimmt und in Beziehung tritt. Jaqueline Louan interessiert sich dabei weniger für konventionelle Vorstellungen von Schönheit als für Präsenz, Verletzlichkeit und körperliche Erfahrung. Ihre Fotografien verdichten einzelne Figuren und Gruppen zu sinnlichen, teils beinahe malerischen Kompositionen.
- Jaqueline Louan: Queendom
Louans Bildsprache ist opulent, nostalgisch und emotional aufgeladen. Unterschiedliche Körper fügen sich zu Formen, die weniger wie klassische Porträts als vielmehr wie choreografierte Bildräume funktionieren. Weiblichkeit erscheint dabei nicht als festgelegtes Ideal, sondern als etwas Vielgestaltiges und Körperliches. Der Pressetext spricht von einem „Altar aus Körpern“ und einem „Liebesgedicht an das Sein“ – eine bewusst pathetische Setzung, die den rituellen Charakter der Arbeit unterstreicht.
Körper statt Pose
Interessant ist dabei vor allem die Verschiebung des Blicks. Der Körper wird nicht nur dargestellt, sondern selbst zum Träger des Bildes. Haltung, Berührung, Nähe und Distanz erzeugen die Spannung innerhalb der Fotografien.
- Jaqueline Louan: Womb
Damit bewegt sich Louans Arbeit zwischen klassischer Aktfotografie, inszenierter Fotografie und einer Bildsprache, die an historische Gemälde erinnert. Schönheit entsteht weniger aus Perfektion als aus Vielfalt, Materialität und der Beziehung der Körper zueinander.
Das auf dem Ausstellungsplakat verwendete Motiv bringt diesen Ansatz exemplarisch auf den Punkt: Mehrere Körper treiben im Wasser, voneinander getrennt und zugleich durch dieselbe Oberfläche verbunden. Das Bild wirkt zugleich ruhig und inszeniert, körperlich und entrückt.
Performance zur Eröffnung
Zur Eröffnung der Ausstellung am 28. August 2026 wurde die fotografische Arbeit um eine Performance von Jaqueline Louan und Julianna Schreyer erweitert. Stimme, Musik und Fotografie verbanden sich dabei zu einem körperlich erfahrbaren Raum. Die Musik stammt von dem Sounddesigner und Komponisten Alon Mor.
- Performance während der Eröffnung
Die Besucher sollten dabei nicht ausschließlich Betrachter bleiben, sondern in Louans ritualistisch angelegte Aktfotografie einbezogen werden.
Art & Breath
Am 6. September um 18 Uhr folgt mit einer „Deepening Session“ eine weitere Veranstaltung innerhalb des Ausstellungszeitraums. Julianna Schreyer und Jaqueline Louan verbinden dabei Kunst und Atemarbeit in einem Art-&-Breath-Workshop.
- Jaqueline Louan
Julianna Schreyer beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Stimme, Sprache und Musik, während Alon Mor als Komponist und Sounddesigner komplexe Klangräume entwickelt. Die eigentliche Ausstellung bleibt jedoch klar Louans fotografischer Arbeit gewidmet; Performance und Workshop ergänzen sie als begleitende Formate.
„ORGANON“ ist bis 13. September 2026 bei Chaussee 36 Photography, Chausseestraße 36, Berlin zu sehen.
Foto oben: Jaqueline Louan, SPIRITUS




















