Mit gleich mehreren Ankündigungen zur IBC 2026 macht Nikon deutlich, wohin sich das gemeinsame Cinema-Geschäft mit RED entwickeln soll. Neben einer neuen Serie aus neun NIKKOR Z CINEMA Festbrennweiten kündigt das Unternehmen Firmware 2.00 für die Nikon ZR an. Auf der International Broadcasting Convention in Amsterdam sollen beide Entwicklungen erstmals gemeinsam präsentiert werden. Damit nimmt die Verzahnung von Nikon Z-System und RED-Technologie zunehmend konkrete Formen an.
Seit RED zu Nikon gehört, stellt sich vor allem die Frage, wie eng beide Produktwelten tatsächlich zusammenwachsen werden. Die aktuellen Ankündigungen geben darauf eine zunehmend klare Antwort: Nikon will offenbar nicht lediglich einzelne RED-Technologien in seine Kameras übernehmen, sondern rund um den Z-Mount ein eigenes professionelles Cinema-System etablieren.
Auf der IBC 2026 treten Nikon und RED erneut gemeinsam auf. Gezeigt werden aktuelle spiegellose Nikon Kameras und Objektive sowie Cinema-Lösungen von RED. Im Mittelpunkt stehen dabei erstmals die neuen NIKKOR Z CINEMA T1.9 VV Objektive und die angekündigte Firmware 2.00 für die Nikon ZR. Zwei eigene Erlebnisbereiche sollen darüber hinaus das Zusammenspiel der Produkte beider Marken demonstrieren. Die Messe findet vom 11. bis 14. September im RAI Amsterdam statt; Nikon ist in Halle 11 vertreten.
Das ist mehr als eine gemeinsame Messepräsenz. Nikon beschreibt ausdrücklich das Ziel, die jeweiligen technischen Stärken, Netzwerke und Geschäftsgrundlagen zu bündeln, um stärker in den Markt professioneller digitaler Kinokameras vorzudringen.
Neun NIKKOR Z CINEMA T1.9 VV Objektive
Besonders interessant ist die Entwicklungsankündigung einer vollständig neuen NIKKOR Z CINEMA T1.9 VV Serie. Geplant sind insgesamt neun Objektive, darunter ein NIKKOR Z CINEMA 50mm T1.9 VV. Nikon positioniert die Serie ausdrücklich für Kino, High-End-Produktionen und anspruchsvolle Content-Produktionen.
Bemerkenswert ist vor allem der Bildkreis. Die neuen Festbrennweiten sollen nicht nur Nikons Vollformatsensoren abdecken, sondern auch das deutlich breitere VV-Format von REDs V-RAPTOR [X]. RED definiert dieses Format mit einer Sensorgröße von 40,96 × 21,60 mm. Damit konzipiert Nikon die neue Serie also nicht lediglich als Cinema-Version bestehender Z-Objektive, sondern von Beginn an für den Einsatz mit professionellen Großformatsensoren.
Autofokus auch im High-End-Cinema-Bereich
Ebenfalls ungewöhnlich für klassische Cine-Optiken: Nikon kündigt einen hochpräzisen Autofokus-Mechanismus für die Serie an. Damit schlägt das Unternehmen bewusst eine Brücke zwischen traditionellen Cinema-Workflows und der zunehmend automatisierten Arbeitsweise moderner spiegelloser Kameras.
Gerade hier könnte die Verbindung zwischen Nikon und RED interessant werden. Während klassische Cine-Objektive traditionell auf manuelle Fokussierung und Fokus-Puller ausgelegt sind, gewinnen Autofokus-Systeme auch bei professionellen Produktionen an Bedeutung – insbesondere bei Gimbal-, Solo-Operator-, Dokumentar- und kleineren Produktions-Setups.
Nikon nennt bislang noch keine vollständige Brennweitenstaffelung, keine Abmessungen, keine Gewichte und keine Preise. Auch konkrete Angaben zu Focus Breathing, mechanischen Zahnkränzen, Filterdurchmessern oder der Abstimmung der Objektive untereinander fehlen noch. Die jetzige Ankündigung ist entsprechend eher eine strategische Vorschau als eine vollständige Produkteinführung.
Der entscheidende Punkt steht dennoch bereits fest: NIKKOR Z wird um eine genuine Cinema-Linie erweitert.
Nikon ZR bekommt mehr RED
Parallel dazu kündigt Nikon die Firmware-Version 2.00 für die Nikon ZR an. Die Kamera kam im Oktober 2025 auf den Markt und bildet derzeit das sichtbarste Bindeglied zwischen Nikon und RED. Das kommende Update vertieft diese Integration deutlich.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Unterstützung von Log3G10 und REDWideGamutRGB im H.265-Dateiformat. Damit sollen Anwender die aus dem RED-Workflow bekannte Log- und Farbraumcharakteristik nutzen können, ohne zwingend im datenintensiveren RAW-Format aufzeichnen zu müssen.
Das ist für professionelle Produktionen durchaus relevant: H.265 ermöglicht wesentlich kompaktere Dateien, während Log3G10 und REDWideGamutRGB größere Reserven für das Color Grading bereitstellen sollen. Nikon versucht damit, einen Workflow zwischen maximaler RAW-Flexibilität und effizienter komprimierter Aufzeichnung anzubieten.
Rauschreduzierung im Log-Modus
Neu ist außerdem eine Option zur Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten für Aufnahmen im H.265-Log-Modus. Sie soll eine stärkere Anpassung an die gewünschte Bildwirkung und den jeweiligen Produktionsstil erlauben.
Hinzu kommt Focus Peaking bei Aufnahmen im R3D NE Videoformat. Gerade bei manueller Fokussierung soll sich damit die Schärfe zuverlässiger kontrollieren lassen. Nikon beschreibt R3D NE als ein speziell für Nikon Kameras entwickeltes RAW-Format, das REDs Farbtechnologie integriert.
Firmware 2.00 soll noch vor Ende 2026 veröffentlicht werden.
RED CONTROL für die Nikon ZR
Auch auf der Steuerungsseite wachsen die Systeme zusammen. RED will seine Apps RED CONTROL und RED CONTROL PRO aktualisieren, sodass sich künftig auch die Nikon ZR darüber fernsteuern lässt.
Gerade für Rig-, Gimbal-, Crane- und Multi-Camera-Setups ist dieser Schritt mindestens ebenso interessant wie einzelne neue Aufnahmefunktionen. Eine professionelle Cinema-Kamera wird schließlich nicht nur über Sensor und Codec definiert, sondern ebenso darüber, wie gut sie sich in komplexere Produktionsumgebungen integrieren lässt.
Dass Nikon die ZR in die RED-Steuerungswelt einbindet, ist deshalb ein weiteres Indiz dafür, dass die Kamera nicht als isoliertes Hybridmodell gedacht ist, sondern zunehmend als Bestandteil eines größeren Cinema-Systems.
Open Gate kommt später
Zwei besonders häufig nachgefragte Funktionen sollen allerdings erst folgen: Open-Gate-Aufzeichnung und eine Desqueeze-Anzeige für anamorphotische Objektive.
Nikon bestätigt, dass beide Funktionen bereits entwickelt werden. Ziel ist derzeit eine Integration im Laufe des Jahres 2027.
Gerade Open Gate dürfte für viele Filmschaffende von Bedeutung sein. Dabei wird möglichst die gesamte Sensorfläche aufgezeichnet, statt bereits in der Kamera auf ein bestimmtes Seitenverhältnis zu beschneiden. Das erleichtert unter anderem parallele Ausspielungen für klassische Breitbildformate und vertikale Social-Media-Versionen.
Eine interne Desqueeze-Vorschau wiederum ist beim Einsatz anamorphotischer Objektive praktisch unverzichtbar, weil das horizontal gestauchte Aufnahmebild während des Drehs sonst nicht korrekt beurteilt werden kann.
Dass Nikon diese Funktionen ausdrücklich nennt, zeigt zugleich, welche Zielgruppe die ZR künftig stärker adressieren soll.
Die Akquisition bekommt eine technische Richtung
Die spannendste Nachricht hinter den einzelnen Produktankündigungen ist deshalb vielleicht gar kein einzelnes Objektiv oder Firmware-Feature.
Nikon beginnt, RED systematisch in das Z-System einzubauen.
Die Abfolge wird zunehmend erkennbar: Z-Mount auf RED-Kameras, RED-Formate und Farbtechnologie in Nikon Kameras, RED-Fernsteuerung für die ZR und jetzt eine Cine-Objektivserie, deren Bildkreis ausdrücklich auch für REDs Vista-Vision-Sensoren ausgelegt ist.
Damit entsteht erstmals eine gemeinsame technische Plattform, die vom vergleichsweise kompakten Nikon Z Gehäuse bis zur professionellen RED Cinema-Kamera reicht.
Für Nikon ist das strategisch erheblich. Der traditionelle Fotomarkt wächst kaum noch, während professionelle Video-, Streaming-, Content- und Cinema-Produktion zu den interessantesten Wachstumsmärkten der Imaging-Branche gehören. RED liefert Nikon dafür nicht nur Kameratechnik, sondern vor allem Glaubwürdigkeit und Know-how im professionellen Filmbereich.
Umgekehrt erhält RED Zugriff auf Nikons Optikentwicklung, Autofokus-Technologie, Fertigungskapazitäten und den weltweit etablierten Z-Mount.
IBC als erste Standortbestimmung
Auf der IBC 2026 lässt sich erstmals genauer beurteilen, wie weit diese Integration bereits fortgeschritten ist. Nikon will dort einen ersten Blick auf die neuen NIKKOR Z CINEMA T1.9 VV Objektive ermöglichen und gleichzeitig die kommende ZR Firmware vorstellen.
Noch fehlen bei den Objektiven viele entscheidende Informationen. Ebenso bleibt abzuwarten, wann Open Gate und anamorphotische Funktionen tatsächlich in der ZR verfügbar werden.
Die Richtung ist jedoch klarer als noch unmittelbar nach der RED-Übernahme: Nikon will im Cinema-Markt nicht lediglich mitspielen, sondern ein eigenes durchgängiges System aufbauen.
Weitere Informationen:
nikon.de
















