Nach dem Rekordjahr 2024/2025 muss die Leica Camera Gruppe erstmals wieder einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen. Im Geschäftsjahr 2025/2026 erzielte das Unternehmen 573 Millionen Euro und damit 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Während das klassische Fotogeschäft weiterhin den größten Einfluss auf die Entwicklung hat, wachsen vor allem Mobile Imaging und das Onlinegeschäft.
Leica hat das Geschäftsjahr von April 2025 bis März 2026 mit einem Umsatz von 573 Millionen Euroabgeschlossen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen mit 596 Millionen Euro noch einen historischen Rekordwert erzielt. Der Rückgang um 3,8 Prozent fällt angesichts geopolitischer Unsicherheiten, ungünstiger Wechselkurse und verschärfter Zollregelungen vergleichsweise moderat aus.
- Andreas Voll, CEO Leica Camera AG
Wesentlichen Einfluss auf die Umsatzentwicklung hatte weiterhin der Geschäftsbereich Photo. Gleichzeitig meldet Leica deutliches Wachstum im Bereich Mobile Imaging. Die Sportoptik entwickelte sich stabil, während auch Uhren und Accessoires, Smart Projection sowie das Geschäft mit Brillengläsern zulegen konnten.
Konkrete Angaben zu Gewinn oder operativem Ergebnis macht Leica nicht.
Deutschland wächst, Ausland schwieriger
Regional verlief das Geschäft unterschiedlich. Im Heimatmarkt Deutschland konnte Leica wachsen, während sich in internationalen Märkten die wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten stärker bemerkbar machten.
Parallel baut Leica sein internationales Vertriebsnetz weiter aus. Das Unternehmen verfolgt seit rund 20 Jahren eine selektive Vertriebsstrategie, die eigene Stores, Auktionen und E-Commerce miteinander verbindet. Das Onlinegeschäft legte im Geschäftsjahr 2025/2026 um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Weltweit betreibt Leica inzwischen rund 120 eigene Stores.
Jubiläum stärkt die Marke
Das Geschäftsjahr stand zugleich im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der ersten Leica. Leica nutzte das Jubiläum für insgesamt 24 internationale Ausstellungen sowie eine Reihe limitierter Editionen. Nach Unternehmensangaben war die Nachfrage nach diesen Sondermodellen hoch. Auch das Geschäft mit Leica Pre-Owned-Kameras und die Aktivitäten des eigenen Auktionshauses Leitz Photographica Auction trugen zur Markenpositionierung bei.
Ein weiterer Baustein ist das internationale Leica Galerienetzwerk. Zum 50-jährigen Bestehen wird 2026 die Ausstellung „Personal Perspectives“ gezeigt. Insgesamt betreibt Leica mittlerweile rund 30 Galerien weltweit.
M-System zwischen Tradition und Elektronik
Produktseitig war das Geschäftsjahr von einer Reihe strategisch wichtiger Neuheiten geprägt. Mit der Leica M EV1 führte Leica im Oktober 2025 erstmals eine M-Kamera mit integriertem elektronischem Sucher ein. Damit öffnet das Unternehmen sein traditionsreichstes Kamerasystem stärker für Arbeitsweisen, die bisher vor allem den SL- und Q-Systemen vorbehalten waren.
Im Januar 2026 folgte das Noctilux-M 35, bei dem Leica unter anderem auf Präzisionsblankpressen bei der Herstellung optischer Elemente setzt. Ergänzt wurde das Portfolio durch die besonders robuste Leica SL3 Reporter sowie die Leica Q3 Monochrom für ausschließlich digitale Schwarzweißfotografie.
Mobile Imaging gewinnt an Bedeutung
Strategisch mindestens ebenso interessant wie das klassische Kamerageschäft ist die weitere Expansion in den Bereich Mobile Imaging. Die Kooperation mit Xiaomi entwickelte sich laut Leica positiv. Im Februar 2026 brachte Leica mit dem Leitzphone powered by Xiaomi erstmals ein international angebotenes Smartphone unter eigenem Namen auf den Markt.
Gleichzeitig entwickelt Leica seine iPhone-App Leica LUX weiter. Neu hinzugekommen sind unter anderem sogenannte „Artist Looks“, die bestimmte fotografische Bildcharakteristika nachbilden sollen.
Dass Leica gerade im Mobile-Bereich starkes Wachstum meldet, ist strategisch relevant. Das Unternehmen positioniert sich damit zunehmend weniger ausschließlich als Kamerahersteller, sondern breiter als Premium-Imaging-Marke.
Diversifikation jenseits der Fotografie
Auch außerhalb von Kamera und Smartphone baut Leica sein Portfolio weiter aus. Im Bereich Smart Projection arbeitet das Unternehmen mit Premiummöbelherstellern wie YOMEI und USM zusammen, um den Laser-TV Leica Cine 1 in hochwertige Einrichtungssysteme zu integrieren.
Daneben entwickelt Leica sein Uhrengeschäft weiter und erweitert den Bereich Eyecare. Die Unternehmensstrategie setzt damit zunehmend auf mehrere Premiumsegmente, die durch Design, Optik und Markenimage miteinander verbunden werden.
Fotografie bleibt Kern des Geschäfts
Trotz dieser Diversifikation bleibt das klassische Fotogeschäft für Leica weiterhin entscheidend. Gerade deshalb ist der moderate Umsatzrückgang nach mehreren Jahren starken Wachstums bemerkenswert.
Mit 573 Millionen Euro liegt Leica zwar unter dem Rekordwert des Vorjahres, behauptet aber weiterhin ein Umsatzniveau, das deutlich über dem vieler früherer Geschäftsjahre liegt. Gleichzeitig reduziert das Unternehmen seine Abhängigkeit vom klassischen Kameramarkt durch Mobile Imaging, E-Commerce und neue Premiumsegmente.
Die Geschäftszahlen zeigen damit weniger einen grundlegenden Wachstumseinbruch als eine Phase der Konsolidierung nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr. Entscheidend dürfte künftig sein, ob Leica das Wachstum außerhalb des klassischen Fotogeschäfts weiter beschleunigen kann, ohne den Kern der Marke – Kameras, Objektive und fotografische Kultur – zu verwässern.

















