Sigma nutzt den September für einen breiten Ausbau seines Zubehör- und Objektivprogramms. Mit dem 20-60mm F2.8-4 DG | Contemporary kommt ein ungewöhnlich weitwinklig startendes Standardzoom, während das neue 85mm F1.2 DG | Art die lichtstarke F1.2-Serie komplettiert. Ergänzend erneuert Sigma seine gesamte Filterpalette mit vier neu konstruierten Serien.
Mit dem Sigma 20-60mm F2.8-4 DG | Contemporary erweitert der Hersteller seine kompakte Vollformatlinie um ein Zoom, das sich bewusst vom klassischen 24-70mm-Schema absetzt. Der Brennweitenbereich beginnt bereits bei 20mm und reicht bis 60mm. Damit zielt das Objektiv auf Fotografen und Filmer, die im Alltag häufiger mehr Weitwinkel als zusätzliche Telebrennweite benötigen. Angeboten wird es für L-Mount und Sony E-Mount. Der Preis liegt bei 849 Euro, Verkaufsstart ist der 30. September 2026.
- Sigma 20-60mm F2.8-4 DG C
Gerade der Start bei 20mm ist interessant. Landschaft, Architektur, Reportage, Reise und Video profitieren deutlich von den zusätzlichen vier Millimetern gegenüber einem herkömmlichen 24mm-Weitwinkel. Am langen Ende reichen 60mm noch für natürliche Portraitperspektiven und Details. Die Lichtstärke beginnt bei F2.8 und fällt über den Zoombereich auf F4 ab.
Trotz des erweiterten Weitwinkelbereichs wiegt das Objektiv in der L-Mount-Version lediglich 385 Gramm. Sigma positioniert das Dreifachzoom damit klar als mobiles Immer-drauf-Objektiv für kompakte Vollformatsysteme.
Nah dran
Überraschend stark fällt die Nahaufnahmefähigkeit aus. Bei 28mm beträgt die Naheinstellgrenze 15,8 Zentimeter, bei 35mm erreicht das Zoom einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,3. Selbst am 60mm-Ende sind noch 1:2,9 möglich. Damit geht das Objektiv deutlich über das hinaus, was man von einem kompakten Standardzoom üblicherweise erwartet.
Optisch setzt Sigma auf 15 Elemente in 13 Gruppen, darunter drei asphärische Elemente und drei SLD-Gläser. Autofokussiert wird über einen HLA-Linearmotor. Für Videoanwendungen soll Focus Breathing weitgehend unterdrückt sein. Hinzu kommen Staub- und Spritzwasserschutz sowie eine wasser- und ölabweisende Frontbeschichtung.
Das 20-60mm ist damit weniger ein weiterer universeller Standardzoom als vielmehr eine bewusst anders gesetzte Alternative: weniger Tele, dafür mehr Weitwinkel, geringes Gewicht und ungewöhnlich gute Nahaufnahmefähigkeiten.
85mm F1.2 Art: maximale Freistellung
Am anderen Ende des Portfolios steht das neue Sigma 85mm F1.2 DG | Art. Die klassische Portraitbrennweite kombiniert Sigma erstmals mit einer maximalen Öffnung von F1.2. Auch dieses Objektiv erscheint für L-Mount und Sony E-Mount und soll ab dem 30. September erhältlich sein. Einen Preis nennt Sigma in der vorliegenden Ankündigung noch nicht.
- Sigma 85mm F1.2 DG A
Die Kombination aus 85mm und F1.2 richtet sich klar an Portrait-, People-, Hochzeits- und Modefotografen, die mit sehr geringer Schärfentiefe arbeiten wollen. Sigma verspricht bereits bei Offenblende hohe Auflösung und eine gezielte Korrektur axialer chromatischer Aberrationen, sagittaler Koma und sphärischer Aberration. Zwei SLD-Elemente sowie Glas mit hoher anomaler Dispersion gehören zum optischen Aufbau.
Eine Blende mit 13 Lamellen soll auch abgeblendet eine möglichst kreisförmige Unschärfezeichnung bewahren. Gerade bei einem 85mm F1.2 dürfte das Bokeh wesentlich zur Charakteristik des Objektivs beitragen.
F1.2 wird leichter
Bemerkenswert ist das Gewicht. Trotz Lichtstärke F1.2 bringt die L-Mount-Version 905 Gramm auf die Waage. Sigma bezeichnet das Objektiv nach eigener Recherche als kleinstes und leichtestes 85mm F1.2 AF-Wechselobjektiv seiner Klasse für spiegellose Vollformatkameras.
Das ist zwar noch immer kein Leichtgewicht, für ein 85mm F1.2 aber durchaus bemerkenswert. Ein Floating-Fokusmechanismus soll gleichzeitig hohe optische Leistung über unterschiedliche Aufnahmeentfernungen gewährleisten.
Beim Autofokus setzt Sigma auf Dual HLA, also zwei High-response Linear Actuators. Das soll auch bei Offenblende eine schnelle und präzise Schärfenachführung ermöglichen. Für Video wurde wiederum Focus Breathing reduziert.
Zur Ausstattung gehören zwei AFL-Tasten, ein Blendenring, eine Blendenring-Verriegelung sowie eine abschaltbare Klick-Rastung. Staub- und Spritzwasserschutz und eine wasser- und ölabweisende Frontbeschichtung unterstreichen den professionellen Anspruch.
F1.2-Trio komplett
Mit dem neuen 85mm vervollständigt Sigma zugleich seine aktuelle F1.2-Art-Serie. Sie besteht jetzt aus dem 35mm F1.2 DG II | Art, dem 50mm F1.2 DG DN | Art und dem neuen 85mm F1.2 DG | Art. Damit reicht das Angebot von Weitwinkel über Normalbrennweite bis zum klassischen Portraittele.
Interessant ist dabei weniger allein die extreme Lichtstärke als Sigmas Versuch, F1.2-Objektive zunehmend alltagstauglicher zu machen. Während frühere Hochlichtstärke-Konstruktionen oft Größe und Gewicht nahezu zweitrangig behandelten, wird Mobilität inzwischen selbst innerhalb der Art-Serie zu einem wichtigen Entwicklungsziel.
Filter komplett neu entwickelt
Parallel zu den beiden Objektiven erneuert Sigma sein komplettes Filtersortiment. Ab dem 5. November 2026erscheinen vier neu entwickelte Serien: der WR Ceramic Protector PTC-21, der WR Protector + UV PUV-21, der Protector LPT-21 sowie der WR Circular PL Filter CPL-21.
- Sigma Filter WR Circular PL CPL-21
Dabei geht es nicht lediglich um ein neues Design. Sigma hat nach eigenen Angaben auch die Fassungen und Oberflächenbehandlungen überarbeitet, um interne Reflexionen weiter zu reduzieren. Vor allem bei den großen Durchmessern von 95 und 105mm konnten die Fassungen schlanker konstruiert werden.
Das ist gerade bei Ultraweitwinkelobjektiven relevant, bei denen dicke Filterfassungen schnell zu mechanischer Vignettierung führen können. Sigma hat die neuen Filter deshalb mit dem eigenen Objektivprogramm auf Vignettierungsfreiheit getestet. Gleichzeitig sollen die Fassungen weiterhin einen sicheren Halt für Objektivdeckel gewährleisten.
Der Ceramic Protector wird in 67, 72, 77, 82, 95 und 105mm angeboten. Die übrigen drei Serien decken zusätzlich 52, 55, 58 und 62mm ab und reichen ebenfalls bis 105mm.
Zwei sehr unterschiedliche Objektive, eine gemeinsame Richtung
Die beiden neuen Objektive markieren recht gut, wie breit Sigma sein Vollformatprogramm inzwischen aufstellt. Das 20-60mm F2.8-4 Contemporary verfolgt maximale Vielseitigkeit bei geringem Gewicht und setzt mit 20mm einen ungewöhnlichen Schwerpunkt auf Weitwinkel. Das 85mm F1.2 Art steht dagegen für maximale Freistellung und optische Leistung, soll aber trotz seiner extremen Lichtstärke noch vergleichsweise mobil bleiben.
Gemeinsam ist beiden Konstruktionen der stärkere Fokus auf hybride Nutzung: schnelle HLA-Autofokussysteme, reduziertes Focus Breathing und eine Bauweise, die Foto und Video gleichermaßen berücksichtigt.
Damit bewegt sich Sigma weiter weg von der früheren einfachen Einteilung in „kompakte Contemporary-Objektive“ und „maximal kompromisslose Art-Objektive“. Mobilität spielt inzwischen auch bei F1.2 eine Rolle, während selbst ein kompaktes Contemporary-Zoom mit Nahaufnahmefähigkeit, schneller Linearfokussierung und videooptimierter Konstruktion ausgesprochen ambitioniert ausfällt.


















