Am 12. und 13. September wird die Staatsbibliothek am Kulturforum in Berlin zum Treffpunkt der internationalen Fotobuchszene. Die Thousandfold Photobook Fair findet erstmals im Rahmen des neuen Photo Book Summer statt. Mehr als 40 Verlage und Fotografen präsentieren Bücher und Editionen, begleitet von Talks, Ausstellungen, Filmen und Musik.
Mit der Thousandfold Photobook Fair x Photo Book Summer bekommt Berlin ein konzentriertes Fotobuch-Wochenende, das Messe, Festival und Diskurs miteinander verbindet. Veranstaltungsort ist die Staatsbibliothek am Kulturforum in der Potsdamer Straße. Geöffnet ist am Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Die Messe ist Teil des erstmals veranstalteten Photo Book Summer, der seit dem 17. Juli in der Staatsbibliothek läuft und am 13. September endet. Das Festival ist eine Kooperation zwischen dem musuku – Museum der Subkulturen und der Staatsbibliothek zu Berlin und stellt das Fotobuch als eigenständiges künstlerisches und publizistisches Medium in den Mittelpunkt.
Mehr als 40 Verlage und Fotografen
Herzstück des Wochenendes ist ein Fotobuchmarkt mit mehr als 40 Verlagen und Fotografen. Ergänzt wird das Angebot durch Podiumsdiskussionen, Präsentationen, Ausstellungen, Filmvorführungen und Musik.
Damit positioniert sich Thousandfold bewusst nicht als reine Verkaufsmesse. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Auseinandersetzung mit dem Fotobuch als Form zwischen Dokument, künstlerischer Arbeit, Recherche und Edition.
Exil, Orientierungslosigkeit und Berliner Wirklichkeit
Den Auftakt der Thousandfold Talks macht am Samstag um 13 Uhr Till Theissen mit seinem Projekt „After Eden“. Die fiktiv-dokumentarische Arbeit beschäftigt sich mit Exil, Scheitern und dauerhafter Orientierungslosigkeit. Ausgangspunkt ist das Umfeld des Berliner Bahnhofs Zoo und die Frage nach Menschen, deren Lebensweg nicht dort angekommen ist, wo sie ihn einst vermutet hatten.
Um 16 Uhr folgt ein Gespräch zwischen dem Künstler Ariel Reichman und Christian Kohorst über das Buch- und Ausstellungsprojekt „Keiner soll frieren!“. Reichman untersucht darin unter anderem das 1933 etablierte Winterhilfswerk des Deutschen Volkes und die Frage, wie scheinbar harmlose Gestaltung, etwa kleine Blumenabzeichen für Spender, als Teil propagandistischer Strategien funktionieren kann.
Darf das Grauen schön sein?
Am Sonntag um 13 Uhr widmen sich Christian Rothe und Sebastian Hesse-Kastein einem der schwierigsten Themen fotografischer Darstellung: der Ästhetisierung historischen Grauens.
Ausgangspunkt ist Rothes Fotobuch „Buchenwald“, das 2025 von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten deutschen Bücher ausgezeichnet wurde. Im Gespräch geht es um die ethische Frage, ob Darstellungen eines Konzentrationslagers formal „schön“ sein dürfen und wo ästhetische Gestaltung in Konflikt mit dem Gegenstand geraten kann.
Gerade dieser Programmpunkt zeigt, dass das Wochenende das Fotobuch nicht nur als Sammlerobjekt oder Designprodukt behandelt, sondern als Medium, in dem sich fotografische, ethische und historische Fragestellungen überlagern.
Buchgestaltung als künstlerische Praxis
Den Abschluss der Talks bildet am Sonntag um 16 Uhr Heidemarie von Wedel mit „Atmosphären & Bilder im Fluss“. Ihre Bücher und Zines verstehen sich als experimentelle Arbeiten, die sich bewusst von klassischen Editing- und Sequenzierungsprinzipien lösen. Statt linearer Narration entstehen offene visuelle Strukturen, in denen Bilder, Materialität und Rhythmus miteinander interagieren.
Damit spannt das Talkprogramm einen bemerkenswert weiten Bogen: von dokumentarischer Sozialbeobachtung über politische Erinnerung und Bildethik bis zur formalen Erforschung des Buches selbst.
Das Fotobuch als eigenständiges Medium
Der Zeitpunkt für ein solches Format ist interessant. Das Fotobuch hat sich längst vom bloßen Publikationsformat fotografischer Serien zu einem eigenständigen künstlerischen Medium entwickelt. Sequenz, Papier, Format, Bindung und Gestaltung können ebenso Teil des Werks sein wie die einzelnen Fotografien.
Gleichzeitig ist der Markt stark fragmentiert. Neben etablierten Verlagen entstehen immer mehr kleine Independent-Publisher, Selbstverlage und Künstlereditionen. Messen wie Thousandfold sind deshalb nicht nur Verkaufsorte, sondern zugleich wichtige Plattformen für Austausch, Sichtbarkeit und Vernetzung.
Der Photo Book Summer greift genau diese Entwicklung auf und verbindet die Messe mit Ausstellungen und einem diskursiven Programm.
Fotografie im Film
Zum erweiterten Programm gehört auch die Reihe „24FPS – Fotografie im Film“ (Foto oben). Am 15. September wird im Leipziger Luru-Kino der Film „Baldiga – Entsichertes Herz“ gezeigt. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Drehbuchautor Dr. Ringo Rösener statt.
Der Film widmet sich dem Fotografen Jürgen Baldiga, der in den 1980er Jahren zu einem wichtigen Chronisten der schwulen West-Berliner Subkultur wurde. Baldiga dokumentierte Freunde, Liebhaber, Sexualität, Straße und das Umfeld des SchwuZ. Nach seiner HIV-Diagnose 1984 gewann die Fotografie für ihn eine besondere Bedeutung als Möglichkeit, Zeit und Leben festzuhalten. Als er 1993 im Alter von 34 Jahren starb, hinterließ er Tausende Fotografien und rund 40 Tagebücher.
Thousandfold Photobook Fair x Photo Book Summer
12.–13. September 2026
Samstag 10–19 Uhr
Sonntag 10–17 Uhr
Staatsbibliothek am Kulturforum
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin
















