Wer bei Google gefunden wird, lässt sich seit Jahren vergleichsweise genau messen. Doch was passiert, wenn potenzielle Kunden nicht mehr suchen, sondern ChatGPT, Gemini oder Perplexity direkt nach einem Fotografen fragen? Der Deutsche KI-Sichtbarkeitsindex will genau das sichtbar machen und veröffentlicht erstmals Rankings für Fotografen in zehn deutschen Großstädten.
Der von der Stuttgarter Agentur Digitaholics beziehungsweise der Buchanan GmbH herausgegebene Index untersucht, welche Anbieter von verschiedenen KI-Systemen empfohlen werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die fotografische Qualität, sondern um digitale Sichtbarkeit innerhalb KI-generierter Empfehlungen. Der Anbieter selbst bezeichnet die Ergebnisse als Momentaufnahme und nicht als Gütesiegel.
Sechs Fragen an drei KI-Systeme
Für die Kategorie Fotografie werden pro Stadt sechs festgelegte Fragen gestellt. Sie reichen von „Bester Fotograf in Berlin?“ über Empfehlungen für Hochzeitsfotografie und Businessporträts bis zur Suche nach einem Fotostudio oder nach Fotografen mit guten Bewertungen. Befragt werden ChatGPT, Google Gemini und Perplexity jeweils mit aktivierter Websuche. Die Fragen werden mehrfach gestellt, um zufällige Einzelantworten weniger stark ins Gewicht fallen zu lassen.
Aus den Nennungen errechnet der Index einen sogenannten KI-Anteil beziehungsweise Share of Voice. Dabei zählt nicht allein, ob ein Name erscheint, sondern auch, wie prominent er empfohlen wird. Eine Hauptempfehlung wird stärker gewichtet als eine beiläufige Nennung. Zusätzlich werden die drei KI-Systeme unterschiedlich gewichtet; ChatGPT erhält dabei nach Angaben des Anbieters das größte Gewicht.
Diese Gewichtung ist eine methodische Entscheidung des Herausgebers und sollte bei der Interpretation der Prozentwerte berücksichtigt werden.
Berlin: Farbtonwerk vorn
Beim Datenstand September 2026 erreicht in Berlin das Fotostudio Farbtonwerk mit 6,6 Prozent den höchsten KI-Anteil. Es folgen Karsten Schilling mit 2,5 Prozent und Hochzeitslicht mit 2,4 Prozent. In Stuttgart liegt Kristijan Matic Fotografie mit 6,8 Prozent vorn, in Leipzig Kai und Kristin Fotografie mit 6,7 Prozent. Frankfurt führt Jens Lindner Fotografie mit 5,9 Prozent an, Düsseldorf MDFotostudio mit 6,0 Prozent.
Dass selbst die jeweiligen Spitzenreiter meist nur einen einstelligen Anteil erreichen, zeigt zugleich, wie fragmentiert die Empfehlungen sind. Ein Platz weit oben im Ranking bedeutet daher nicht, dass ein Fotograf die KI-Suche einer Stadt dominiert.
Bemerkenswert sind zudem die Veränderungen gegenüber der vorherigen Erhebung. Zahlreiche Namen tauchen im September erstmals in den Top-Platzierungen auf, während andere steigen oder zurückfallen. Gerade darin zeigt sich eine zentrale Eigenschaft KI-basierter Empfehlungen: Sie sind wesentlich weniger statisch als eine klassische Rangliste.
Kein Ranking fotografischer Qualität
Für Fotografen ist die Auswertung dennoch interessant. KI-Systeme entwickeln sich zunehmend zu einer zusätzlichen Vermittlungsinstanz zwischen Kunde und Anbieter. Wer bei klassischen Suchmaschinen gut sichtbar ist, muss deshalb nicht automatisch auch in generativen Antworten auftauchen.
Umgekehrt sollte aus einer häufigen KI-Empfehlung keinerlei Aussage über fotografische Qualität, Stil oder Professionalität abgeleitet werden. Die Modelle greifen auf online verfügbare Informationen zurück und reagieren unter anderem darauf, wie eindeutig ein Anbieter, seine Leistungen und sein Standort im Netz erkennbar sind. Der Herausgeber weist selbst darauf hin, dass ein sehr guter Betrieb fehlen kann, während ein weniger bekannter Anbieter aufgrund höherer digitaler Auffindbarkeit weit oben erscheint.
Damit misst der Index letztlich etwas anderes als klassische Fotografenrankings: nicht wer besonders gut fotografiert, sondern wer von KI-Systemen besonders häufig als Antwort gefunden wird.
Index und Beratung aus einer Hand
Zur Einordnung gehört auch, dass hinter dem Index kein unabhängiges Forschungsinstitut steht. Herausgeber ist Digitaholics, eine Online-Marketing-Agentur der Buchanan GmbH, die selbst Dienstleistungen in den Bereichen SEO und digitale Sichtbarkeit anbietet. Der DKSI bezeichnet Digitaholics ausdrücklich als Agentur für KI-Sichtbarkeit und „Generative Engine Optimization“, kurz GEO.
Das macht die erhobenen Daten nicht automatisch weniger interessant, bedeutet aber, dass Index und kommerzielles Beratungsangebot aus demselben Haus stammen.
Methodik mit Klärungsbedarf
Positiv ist, dass Fragen, Gewichtung und grundsätzliche Berechnung öffentlich dokumentiert werden. Bei den derzeit veröffentlichten Angaben zum Gesamtumfang gibt es allerdings eine Unstimmigkeit: Die Über-uns- und Presseseiten sprechen von 14 Branchen und rund 840 Fragen, während Methodik und Startseite bereits 20 Branchen und 1.200 Fragen nennen.
Für die veröffentlichten Fotografenrankings mit ihren zehn Städten ändert das zunächst nichts. Für eine längerfristige Vergleichbarkeit der Ergebnisse sollte der jeweilige Umfang einer Erhebung jedoch eindeutig ausgewiesen werden.
Der eigentliche interessante Befund liegt ohnehin weniger darin, wer im September 2026 auf Platz eins steht. Spannender ist, dass neben SEO eine neue Form digitaler Auffindbarkeit entsteht: AI Visibility. Für Fotografen könnte künftig entscheidend werden, nicht nur für Menschen und Suchmaschinen verständlich zu kommunizieren, wer sie sind und was sie anbieten – sondern auch für die Systeme, die immer häufiger Empfehlungen aussprechen.
















